SZ-Gelände: Wird das Gift eingemauert?

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Der harte Winter, so die LBBW Immobilien, verzögerte lange Zeit den Baufortschritt in der Hofstatt.

München - Zügiges Arbeiten, wie es in Zeitungsredaktionen der Fall ist, hat das frühere SZ-Gelände in der Sendlinger Straße schon länger nicht mehr gesehen.

Eines der Probleme, die hinter den Fassaden bereinigt werden müssen, ist die Verschmutzung des Erdreiches mit größeren Mengen Toluol. Das ist ein bei Druckfarben ­gebräuchliches Lösungsmittel. Nicht wirklich überraschend, dass dieses Gift unter der ehemaligen Druckerei gefunden wurde, meint Rudolf Fuchs, Abteilungsleiter für Altlasten, Entsorgung und Wasserrecht im Umweltreferat. Aber: „Es muss saniert werden.“

Der Investor, die LBBW Immobilien Development GmbH, suche derzeit mit einem Ingenieurbüro nach einem geeigneten Entsorgungsweg. Denkbar sei etwa, den Stoff herauszupumpen. Allerdings könnte die schädliche Substanz, die „ziemlich immobil ist“, auch ringsrum gesichert und eingemauert werden. Schneller als die Beseitigung dieses Hindernisses dürfte der Abriss des AZ-Gebäudes passieren – obwohl: Der wurde vor einigen Monaten auch schon mal angekündigt. Jetzt aber wirklich „voraussichtlich nächste Woche“, verspricht Brigitte Reibenspies, Sprecherin der LBBW Immobilien. Die Arbeiten werden etwa sechs Wochen dauern. Nach den ersten Maßnahmen „wird die angrenzende Wand des denkmalgeschützten SZ-Gebäudes mit Spritzbeton ertüchtigt sowie ein Gerüst zur Aussteifung zwischen den beiden angrenzenden Gebäuden erstellt“.

München Architektur: Stadtentwicklung und Stadtgestaltung

Das Gesicht jeder Stadt wird geprägt von ihrer Architektur. Gerade München befindet sich seit der massiven Zerstörungen des 2. Weltkrieges in einem permanenten Wandel. Das historisch geprägte Gesicht der Stadt (im Bild das Siegestor) wird enorm wichtig genommen, dennoch steht man Neuem und Modernem auch positiv gegenüber - nicht ohne dass dabei aber auch heftig diskutiert wird. Sehen Sie folgend eine Reihe von Bildern aus dem im MünchenVerlag erschienenen Buch "München Architektur: Stadtentwicklung und Stadtgestalt.  © Schlaf
Münchens höchstes Bürohaus, Uptown Munich, drängt sich in viele Perspektiven hinein.  © MünchenVerlag
Ein Meisterwerk des Jugendstil-Architekten Martin Dülfer ist das Gebäude Gedonstraße 4 aus den Jahren 1903-1904 mit ursprünglich großbürgerlichen Acht-Zimmer-Wohnungen plus Küche und Balkon, bereits mit Bad und separater Toilette sowie Mägzimmern und Wirtschaftsräumen. Heute gehört das Haus ebenso wie das in den 1960er Jahren als Betonkubus errichtete und nach 2000 mit einer neuen Glasfassade versehene benachbarte Bürohaus Nr. 10 zum Komplex der Münchner Rückversicherung.  © MünchenVerlag
Münchens erstes und zugleich berühmtestes Jugendstilhaus mit seinem Relief Adam und Eva steht in der Ainmillerstraße 22. Errichtet haben es 1898-1899 Ernst Haiger und Henry Helbig für Felix Schmidt.  © MünchenVerlag
Großbürgerliche Wohnungen aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts haben sich in der Martiusstraße 1 bis 7 erhalten. Sie entstanden in neubarockem Jugendstil ab 1906 durch den Architekten Anton Hatzl, dem die Anlage auch gehörte.  © MünchenVerlag
Am Marsstallplatz: Der Neubau der Max-Planck-Gesellschaft hatte sich am Marstall ebenso zu orientieren wie an der sonstigen Umgebung.  © MünchenVerlag
Eine bewusste Verbindung von alt und neu zeigt auch diese Aufstockungeines Nachkriegsgebäudes, des Lorenzistocks im Alten Hof durch den Architekten Peter Kulka. Die hier ursprünglich stehende Hofkapelle war im 2. Weltkrieg zerstört worden. Immerhin: Der Dachstuhl im Gebäude links stammt aus dem 14. Jahrhundert und überstand den Krieg unbeschadet.  © MünchenVerlag
Den Freiraum vor der Pinakothek der Moderne ziert eine 1997 entstandene Skulptur "Buscando la Luz" aus gewalztem, rostbelassenem Stahl von Eduardo Chillida.  © MünchenVerlag
Das M, O, C wird als Munich Order Center von der Messe gemanagt. Es entstand 1991 bis 1993 nach Plänen von Helmut Jahn, Chicago, in der Lilienstraße im Stadtteil Freimann.  © MünchenVerlag
Beschaulichkeit trifft modernen Prunk: Die Heilig Kreuz Kapelle in Fröttmaning mit der Allianz Arena im Hintergrund.  © MünchenVerlag
Ein technisch wie ästhetisch gelungenes Bauwerk sind die insgesamt vier Faultürme des Architekturbüros Ackermann für das Münchner Klärwerk Gut Großlappen gegenüber der Allianz Arena.  © MünchenVerlag
Absolut großstädtisch wirkt München an der Donnersberger Brücke mit dem Munich City Tower, dem Hochhaus der Mercedes-Niederlassung direkt hinter der Brücke.  © MünchenVerlag
Die ursprünglich 1892 gebaute Hackerbrücke wurde im 2. Weltkrieg teilweise zerstört und 1953 rekonstruiert. Die Bogenbrücke hat sechs Bogenträger mit einer Stützweite von 28,4 m, die Bogenhöhe beträgt knapp acht Meter.   © MünchenVerlag
Aus Holz ist die Thalkirchener Brücke. Einen Flussübergang über die Isar gibt es dort schon seit 1904. Auf den sanierten Pfeilern und Widerlagern entstand nach einem Entwurf Richard Dietrichs Ende der 80er Jahre eine filigrane 197 Meter lange Fichtenkonstruktion mit Knotenverbindungen aus Stahl.  © MünchenVerlag
Die Lenbachgärten: Hier entstanden nach dem Entwurf von Steidle + Partner exklusive Maisonette-Wohnungen mit Blick direkt auf den Alten Botanischen Garten.  © MünchenVerlag
Das Kulturhaus Milbertshofen mit dem sich anschließenden gebäudehoch verglasten Sportplatz errichteten Reichert Pranschke Maluche in den Jahren 2003 bis 2005.  © MünchenVerlag
Das aus den 30er Jahren stammende Nordbad in der Schleißheimer Straße hat in den 90er Jahren ein Außenbecken bekommen.  © MünchenVerlag
Der Petuelpark liegt direkt über dem sechsspurigen Petuelring. Wer oben Erholung sucht, merkt vom Verkehrsgetöse unten nichts.  © MünchenVerlag
Ein Erweiterungsbau der Bayerischen Akademie der Bildenen Künste entstand in den ersten Jahren des 21. jahrhunderts nach den Plänen des Wiener Architekturbüros Coop Himmelb(l)au.  © MünchenVerlag
Alt spiegelt sich in neu: Ein durchaus typisches Motiv aus einem offenen Hofareal dort, wo die Nymphenburger Straße zu einer Büroadresse geworden ist. Hunderte weiterer Bilder und ausführliche Informationen über die Architektur Münchens erhalten Sie in Gernot Brauers Buch München Architektur: Stadtentwicklung und Stadtgestaltung, erschienen im MünchenVerlag (ISBN 978-3-937090-37-5), 264 Seiten und über 500 Fotos und Pläne. Preis: 38 Euro. Sehen Sie nun folgend weitere Bilder von Bauwerken in München.  © MünchenVerlag
Die alte Pinakothek.  © Schlaf
Das Museum Brandhorst.  © Schlaf
Der Helene-Mayer-Block im alten Olympiadorf.  © Kruse
Das europäische Marken- und Patentamt im Tal.  © Haag
Der Riegerblock am Isartor.  © Westermann
Das Sparkassenhaus am Karolinenplatz.  © Schlaf

Reibenspies erwähnt in ihrer Beschreibung „hochwertiger Einzelhandels- und Büroflächen“, die im Quartier Hofstatt auf 11 000 Quadratmetern entstehen werden, keine Umplanungen des Konzepts aus dem Büro des Schweizer Architekten Marcel Meili. Das wird man im Rathaus mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen. Vor einigen Wochen hatte der Investor Planungsreferentin, OB und Stadtrat durch das Ansinnen aufgeschreckt, man wolle nun doch auf einige der vorgesehenen, hochgelobten Passagen verzichten: offenbar ein Ergebnis der Überprüfung aller Projekte der GmbH „auf Wirtschaftlichkeit“. Eilig beschloss der Stadtrat die Aufstellung eines Bebauungsplans, um grundsätzliche Umplanungen zu verhindern. Müsste man den allerdings formal durchsetzen, wären weitere Verzögerungen programmiert.

bw.

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