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Hollywoodreifer Erfolg für Münchner Ermittler: Zahlreiche falsche Polizisten in der Türkei festgenommen

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Von: Nadja Hoffmann

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Ermittelten zwei Jahre lang: Desiree Schelshorn, Stellvertretende Leiterin der AG Phänomene, und Oberstaatsanwalt Kai Gräber
Ermittelten zwei Jahre lang: Desiree Schelshorn, Stellvertretende Leiterin der AG Phänomene, und Oberstaatsanwalt Kai Gräber. © SIGI JANTZ

Sie haben Münchner Senioren im großen Stil um ihr Geld gebracht: Jetzt geht es einer Betrügerbande an den Kragen. 30 falsche Polizisten wurden in der Türkei verhaftet. 

Diese Festnahmen waren hollywoodreif: In der Türkei konnten 30 Betrüger festgenommen werden, die als falsche Polizisten 1,6 Millionen Euro erbeutet haben. Und das fast ausschließlich in München! Zwei Jahre lang haben Polizei, Staatsanwaltschaft und BKA an der Isar ermittelt, standen dabei in engen Kontakt mit den Kollegen am Bosporus.

Am Samstag erfolgte nun der Zugriff in der Türkei: In sechs Städten stürmten Spezialkräfte 41 Objekte, die zum Callcenter-Ring gehören. „Dabei konnte auch der Haupttäter, der Kopf der Bande festgenommen werden“, erklärte Chef-Ermittlerin Desiree Schelshorn von der AG Phänomene.

München von Telefonbetrügern heimgesucht: Perfide Masche findet zahlreiche Opfer

Ein wichtiger Schritt, wie Oberstaatsanwalt Kai Gräber bei der Pressekonferenz im Polizeipräsidium betonte. Denn oftmals könnten nur die Abholer, die das Geld bei den betrogenen Menschen vor Ort einkassieren, festgenommen und vor Gericht gestellt werden. Sie sind aber nur ein kleines Licht in der Bande. Deren Masche: Anrufe bei Senioren, denen eine hahnebüchene Geschichte erzählt wird. Demnach sei ein Teil einer Einbrecherbande geschnappt worden, bei denen eine Liste gefunden wurde. Darauf: der Name der Angerufenen.

Zum Schutz sollen die Opfer Geld und Wertgegenstände an die angeblichen Polizisten übergeben. Eine Aufforderung, der die Senioren oftmals nachkommen. Die Folge: Das Geld ist weg!

Die falschen Polizisten machten Millionen in München.
Die falschen Polizisten machten Millionen in München. © Shutterstock

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München: Falsche Polizisten aus der Türkei legen hiesige Rentner rein

Insgesamt werden der Bande 68 Straftaten vorgeworfen - 45 in München. Angerufen wurde aus Mersin, Izmir, Istanbul, Trabzon, Antalya und Denizli. „Zumindest diesen Callcentern haben wir den Stecker gezogen und dadurch weitere Telefonbetrügereien verhindert“, sagt Schelshorn. Bei den Zugriffen wurden neben Geld und Gold zahlreiche Computersysteme sichergestellt. „Aus den digitalforensischen Untersuchungen erhoffen wir uns klare Hinweise und Ermittlungsansätze gegen andere betrügerische Callcenter.“ Denn die traurige Wahrheit es: Es gibt mehr falsche Polizisten.

67 von ihnen konnten bereits im Dezember 2020 in Izmir festgenommen werden konnte. Dieser Bande wurde erst Ende September in der Türkei der Prozess gemacht. Mit drakonischen Strafandrohungen: Dem Anführer der Izmir-Betrüger winken 400 Jahre Haft. Schlagzeilen, die laut Oberstaatsanwalt Gräber jetzt auch den Kopf der Bande in Mersin nervös gemacht hätten. Er sei in Begriff gewesen, seine Zelte abzubrechen, als am Samstag als die Polizei vor seiner Tür stand. Jetzt sitzt er in U-Haft.

Im Sommer 2022 kam es zu enorm vielen Schockanrufen, deren Opfer häufig ältere Menschen sind. Eine 100-Jährige ging dem aber nicht auf den Leim.

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