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Sensationelle Wende im Porsche-Mordfall: BGH kippt Münchner Urteil - Neuer Prozess gegen Täter

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Von: Andreas Thieme

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Der Angeklagte David H. vor dem Landgericht München
David H. (24) hat gestanden, dass er drei Kugeln auf seinen Dealer Domenik S. abfeuerte. © Sigi Jantz

Der Porsche-Mord hat München schockiert: Mit drei Schüssen tötete David H. (25) einen Mann in Milbertshofen - sie stritten um Geld und Drogen. Das Landgericht verurteilte H. zu lebenslanger Haft, doch der Bundesgerichtshof hat das Urteil aufgehoben.

München - Mit einer Pistole hatte er seinen Drogendealer erschossen, später flüchtete er aus dem Gefängnis Stadelheim - im Jahr 2021 sorgte David H. (25) für etliche Schlagzeilen. Zuletzt Anfang Juni: Da hatte ihn das Landgericht München I zu lebenslanger Haft verurteilt. Mit drei gezielten Schüssen, befand Richter Norbert Riedmann, hatte David H. den Mord begangen. Am Hart fanden Spaziergänger die Leiche von Domenik S. dann in einem Porsche Panamera.

Eine Tat im Affekt? Das glaubte das Landgericht nicht. Sondern sah es als erwiesen an, dass David H. heimtückisch vorging und „zielsicher“ getötet hatte - demnach schoss er aus nächster Nähe auf den Dealer, der keine Chance hatte. Sein Motiv waren Geldsorgen: Domenik S. hatte H. über längere Zeit hinweg Geld für Drogen geschuldet, die er angeblich nicht bezahlen konnte. Vor Gericht war von einem „Bedrohungsszenario“ die Rede, gegen das sich David H. angeblich nur mit einer Waffe zu helfen wusste - und Domenik S. kaltblütig ermordete.

Mord in München: Der Prozess gegen David H. muss nun wiederholt werden

Ein klarer Fall also? Nein, protestierte H.s Verteidigerin Daniela Gabler schon vergangenes Jahr im Gerichtssaal - und legte nach dem Urteil Revision beim Bundesgerichtshof ein. Mit Erfolg: Die höchsten deutschen Richter haben den Münchner Mordfall genau geprüft und kamen zu dem Ergebnis, dass das Urteil aufgehoben wird! Was bedeutet das für David H.? Sein Prozess wird jetzt neu verhandelt - an einer anderen Strafkammer des Münchner Landgerichts.

Toetungsdelikt Hugo-Wolf-Strasse, Leiche im Porsche
In der Hugo-Wolf-Straße geschah die schreckliche Tat © Jens Hartmann

Es ist eine sensationelle Wende in dem Fall. Denn der Bundesgerichtshof hat auch entschieden: Das Urteil in dem neuen Prozess kann nicht mehr auf Mord lauten, sondern nur noch auf Totschlag. „Wir haben das Mordmerkmal der Heimtücke in unserer Revision angegriffen, der BGH hat das akzeptiert“, erklärt Anwältin Gabler. Der Hintergrund: David H. sei über Monate hinweg von seinem Dealer erpresst und drangsaliert worden - und Domenik S. dadurch eben nicht arglos vor der Tat gewesen. Dass sich David H. wehren würde, gilt laut BGH als nicht unwahrscheinlich.

Münchner Mordprozess: David H. drohen zwischen fünf und 15 Jahren Haft

Das Münchner Landgericht hatte sich dagegen nur mit der Frage einer möglichen Notwehr beschäftigt - zu wenig aus Sicht der höchsten deutschen Richter, die das Mordurteil kassierten. Jetzt wird der Fall neu aufgerollt. David H. drohen dann zwischen fünf und 15 Jahren Haft, nicht mehr lebenslänglich. Eine neue Beweisaufnahme ist laut BGH nicht notwendig - im Wiederholungsprozess geht es vor allem um das neue Strafmaß.

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