Mit Schmiergeldern Protz-Leben finanziert

Sicherheitsmann (44) wandert selbst in den Knast

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Ein Mann wie ein Baum: Sigi S. wird zum Prozess in den Gerichtssaal geführt.

München - Sicherheitsmann Sigi S. hat sich mit Schmiergeldern sein Protz-Leben finanziert. Nun wurde ihm der Prozess gemacht. Der 44-Jährige gestand. Ihm drohen bis zu vier Jahre Haft.

Dicke Oberarme, breites Kreuz, edle Uhr und eine schmalzige Langhaarfrisur: Ja, Sigi S. sieht wie ein Bodyguard aus. Einer, der für Ordnung sorgt. Doch so richtig sicher waren bei ihm nur seine eigenen Finanzen. Jahrelang hat er als Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma Schmiergelder von Subunternehmern eingestrichen und so Aufträge verteilt. Teure Klamotten, protzige Schlitten und ein schickes Haus hat sich der gebürtige Starnberger damit finanziert. Bis ihn vermutlich ein Geschäftspartner angeschwärzt hat. Seit Montag muss sich Sigi S. vor dem Münchner Landgericht verantworten. Und: Er gesteht! Jetzt drohen ihm bis zu vier Jahre Haft.

Geldübergaben fanden meist bei Heimspielen des EHC München statt

Ganze sechs Jahre lang – von August 2008 bis Juni 2014 – zieht er seine dreiste Masche durch. Bis zu seiner fristlosen Kündigung arbeitet der 44-Jährige als Supervisor für den ­Sicherheitsdienstleister Securitas GmbH. „Ja, ich habe von verschiedenen Personen über einen längeren Zeitraum monatlich mehrere tausend Euro bekommen“, gibt der Hüne auf der Anklagebank zu. Die Staatsanwaltschaft spricht in ihrer einstündigen Verlesung der Anklageschrift von einer gigantischen Summe. Insgesamt 828.847,49 Euro soll Sigi S. von seinen Klienten angenommen haben. Davon sollen ihm offenbar 616.500 Euro bar ausgezahlt worden sein. Die Geldübergaben fanden meist im Eishockeystadion bei Heimspielen des EHC München statt. Dort übernimmt Securitas den Sicherheitsdienst.

Doch es kommt noch unverschämter: Darüber hinaus fordert er von seinen Kunden die Bezahlung von Leasing-Raten für einen Fuhrpark an Protz-Karren im Wert von bis zu 200.000 Euro. Ein Lamborghini für schlappe 2700 Euro im Monat? Schmiergeld macht’s möglich. Auch einen BMW M5, einen Audi A6, mehrere Mercedes, einen Aston Martin und auch einen Bentley lässt er sich finanzieren. Doch warum braucht dieser Mann derart viele Gefährte? „Ich habe mich nebenbei noch selbstständig ­gemacht, wollte ein Leasing­unternehmen gründen – und dafür brauchte ich natürlich die Autos“, erklärt er gegenüber Richter Joachim Eckert. Weil er aber im Sicherheitsunternehmen bis zu zwölf Stunden am Tag arbeitet, bleibt am Ende nicht viel Zeit für ein weiteres Engagement.

Sicherheitsmann Sigi S. soll auch mit Kokain gehandelt haben

Als sein Schwindel auffliegt, gerät sein Leben von der Überholspur auf die schiefe Bahn. Auch der Handel mit Kokain wird Sigi S. in einem separaten Verfahren vorgeworfen. Doch das streitet er ab. „Mit Drogen habe ich nichts am Hut!“ Seine Schulden: zwischen 300.000 und 400.000 Euro. Frau und Kind müssen aus der gemeinsamen Wohnung – und Security-Sigi mit Sicherheit in den Knast.

 Johannes Heininger

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