Stadt vor dem Hitzekollaps

München: Jährlich bis zu 30 Sommertage mehr? Es wird immer heißer - DWD-Experte warnt: „wird sich in Zukunft noch verstärken“

Hitze-Schock in München: Wetterexperten warnen - im Sommer kühlt die Stadt nicht mehr ab - es wird heißer.
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Hitze-Schock in München: Wetterexperten warnen - im Sommer kühlt die Stadt nicht mehr ab - es wird heißer.

In München wird es im Sommer immer heißer. Experten warnen jetzt erneut vor extremer Hitze in der Landeshauptstadt. Diese Entwicklung lässt sich kaum stoppen.

  • München* droht extreme Sommer-Hitze warnen Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD).
  • Die Temperaturen im Sommer sind in der Landeshauptstadt schon deutlich gestiegen und werden es weiter tun.
  • Das Klima in der Stadt heizt sich immer mehr auf. Ein regionales Windsystem verliert an Kraft.    

München - Der Sommer in München könnte künftig bis zu 30 Tage länger dauern. Zu dem Schluss kommt der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Rahmen einer Studie. „Das ist aber nicht nur angenehm, es ist auch eine Belastung für den Körper“, sagt der Leiter des Geschäftsbereiches Klima und Umwelt des DWD, Tobias Fuchs.

Sommerwetter: München kommt ins Schwitzen

Mit der Studie hat der Wetterdienst in Kooperation mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) künftige Temperaturentwicklungen und den Einfluss des „Alpinen Pumpens“ auf die städtische Durchlüftung untersucht. München als Großstadt sei von den wärmeren Temperaturen deutlich stärker betroffen als das Umland und auf eine Durchlüftung durch das regionale Windsystem „Alpines Pumpen“ angewiesen.

München-Wetter: Darum sind die „Alpinen Pumpen“ so wichtig für das Stadt-Klima

Dabei weht tagsüber der Wind in Richtung Alpen, und nachts strömt kühle Luft aus den Alpen in Richtung Stadt. „Das Stadtklima ist im Sommerhalbjahr an etwa 20 bis 60 Tagen vom Alpinen Pumpen beeinflusst. Vor allem in der Nacht, in der zu hohe Temperaturen den Erholungsschlaf stören, und vormittags zeigen unsere Messungen und Modellergebnisse den größten Abkühlungseffekt.“

Das Alpine Pumpen lindert mithin etwas die Auswirkungen des Klimawandels, aber nicht vollständig. Die Temperaturmessungen in München zeigen eine deutliche Zunahme der mittleren Jahrestemperatur seit Messbeginn 1955. 2018 war das seither wärmste Jahr und mit 11,4 Grad um 1,9 Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt (1971 – 2000).

Ohne Frischluftzufuhr aus den Alpen kommt München ins Schwitzen und die Zahl der Sommertage steigt, wie DWD-Experte Tobias Fuchs und Umweltreferentin Stephanie Jaobs auf einer Grafik zeigen. 

München: Die Zahl der Hitze- und Sommertage hat deutlich zugenommen 

Auch die Anzahl der Hitze- und Sommertage und somit die Wärmebelastung haben deutlich zugenommen. Meteorologen sprechen von einem Sommertag bei Temperaturen über 25 Grad, von einem Hitzetag, wenn das Thermometer über 30 Grad steigt. 2018 gab es 81 Sommertage, ein Jahr zuvor 65. „Die bereits gemessene Temperaturzunahme aufgrund des Klimawandels wird sich in Zukunft noch verstärken“, sagt Fuchs.

Klimawandel in München: Jährlich bis zu 30 Sommertage mehr

Die Simulationen zeige, dass sich im günstigen Fall die Anzahl der Sommertage im Stadtgebiet bis 2050 gegenüber dem Zeitraum 1971 bis 2000 um 35 bis 40 Prozent erhöht. „Im ungünstigen Fall kann es sogar zu einer Verdopplung der Sommertage kommen.“

Vergangenheit und Zukunft: Die Klimamodelle für München.

Stadt München muss auf seine Frischluftschneisen achten

Umweltreferentin Stephanie Jacobs sagte zu der vorgelegten Studie: „Die Ergebnisse zeigen es sehr deutlich: Der Klimawandel schreitet voran. Die Wärmebelastung in der Stadt steigt. Deshalb müssen wir engagiert im Klimaschutz handeln und uns gleichzeitig bestmöglich auf die Veränderungen vorbereiten.“ Gleichzeitig müsse die Stadt darauf achten, dass Frischluftschneisen nicht zugebaut würden. Das gelinge aber nur in enger Kooperation mit dem Umland. „Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, dem Klimawandel auch auf planerischer Ebene zu begegnen. Hier sind vertiefende stadtklimatische Gutachten nötig.“


Schweizer Klimaforscher haben 2019 schon eine Studie veröffentlicht. Die Experten der Züricher Elite-Uni ETH gehen davon aus, dass 80 Prozent aller Städte bis 2050 ein deutlich verändertes Klima haben.  

Der Klimawandel macht der heimischen Flora zu schaffen. Viele Bäume sind mit der Hitze und der Trockenheit der vergangenen beiden Sommer nicht klargekommen. Das wohl prominenteste Baum-Opfer ist die Robinie vom Marienhof.

Der Stadtrat in München hat den Klimanotstand im Dezember 2019 ausgerufen. Bis 2035 soll die Stadt nun klimaneutral werden. Die Klima-Debatte wird immer hitziger, vor allem das Heizkraftwerk Nord sorgt für Diskussionen. In Tirol kann eine asiatische Tigermücke bereits überwintern, wie Forscher nun belegen konnten.

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