Betrugsschaden 2020 lag bei 4,6 Millionen Euro

Münchner Staatsanwältin macht Telefon-Betrügern das Leben schwer - Callcenter in Izmir hochgenommen

Staatsanwältin Ulrike Hahn (49) ist eigens in die Türkei gereist, um die Jagd nach den Betrügerbanden zu koordinieren.
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Staatsanwältin Ulrike Hahn (49) ist eigens in die Türkei gereist, um mit den Behörden des Landes die Jagd nach den Betrügerbanden zu koordinieren.

6113 Betrugstaten durch falsche Polizisten gab es 2020 in München – nie waren es mehr. Eine Münchner Staatsanwältin berichtet, wie sie mit den Behörden im Ausland zusammenarbeitet.

München - Falsche Polizisten halten Bayerns Ermittler auf Trab. „Das ist eine besonders schamlose Betrugsmasche. Die bayerische Justiz geht mit aller Härte dagegen vor“, sagt Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (50, CSU). Doch die Strafverfolgung ist schwierig – denn die Hintermänner sitzen oft in der Türkei oder Osteuropa. Von dort aus rufen sie die Senioren in München* an – und gaukeln ihnen vor, dass Gefahr durch Einbrecher drohe und ein Beamter deshalb ihre Wertsachen abholen müsse. Allein in der Landeshauptstadt betrug der Schaden für 2020 mehr als 4,6 Millionen Euro. Dabei wurden nur 51 Taten vollendet – doch die Folgen für die Opfer „sind erheblich“, weiß Eisenreich.

Telefon-Betrüger: Ermittlungserfolg in der Türkei - 39 Festnahmen

In diversen Fällen ist es Polizei* und Staatsanwaltschaft bisher schon gelungen, die Abholer festzunehmen – sie sind am leichtesten greifbar, weil sie direkt zu den Geschädigten gehen und deren Wertsachen oft an der Haustür mitnehmen. Die Hintermänner im Ausland sind für deutsche Behörden dagegen schwer zu fassen – wichtig ist dafür auch die Zusammenarbeit mit den Behörden im jeweiligen Land, weiß Ermittlerin Ulrike Hahn (49) von der Staatsanwaltschaft München I. Sie ist in den vergangenen Monaten in die Türkei gereist, um dort mit anderen Ermittlern Informationen auszutauschen. „Mein Besuch sollte der Verstärkung der internationalen Zusammenarbeit dienen“, sagt die Staatsanwältin.

Der Erfolg konnte sich sehen lassen: In Izmir gelang es den türkischen Behörden Ende Dezember 2020 ein Callcenter hochzunehmen, insgesamt 39 Täter wurden festgenommen – einer der größten Ermittlungserfolge gegen Trickbetrüger, der auch auf Hinweisen aus München basierte (wir berichteten). „Wenn wir nur in München* ermitteln würden, erwischen wir auch nur hier vor Ort die Täter. Die Hintermänner machen aber immer weiter, deswegen ist es wahnsinnig wichtig, dass wir mit den ausländischen Behörden zusammenarbeiten“, erklärt Ulrike Hahn das Vorgehen. Denn dort sitzen in den gut organisierten Banden die sogenannten Logistiker und Keiler, die gut Deutsch sprechen, letztere tätigen die Anrufe.

Telefon-Betrüger: Callcenter in Izmir hochgenommen

Bereits seit mehreren Jahren stellt die Münchner Staatsanwaltschaft immer wieder Rechtshilfeersuchen an die Türkei, so auch Anfang 2019. „Daraufhin haben die türkischen Behörden eigene Ermittlungen angestellt – auch gegen Personen, gegen die wir in München ermitteln“, sagt Hahn. Das habe dann schon zu einem Schlag gegen ein Callcenter mit mehreren Festnahmen geführt. „Das Strafverfahren läuft – und zwar auch gegen Beschuldigte aus der großen Festnahme in Izmir.“ Der Zugriff in Izmir durch die türkischen Behörden stand auch im Zusammenhang mit einem weiteren Rechtshilfeersuchen vom August 2019. Wieder gab es intensiven Informationsaustausch – und wichtige Fahndungserfolge.

Mittlerweile leite die türkische Polizei auch Informationen an die AG Phänomene weiter, sagt Hahn. 26 Beamte ermitteln dort in der Arbeitsgruppe der Münchner Polizei, in enger Zusammenarbeit mit zwei spezialisierten Staatsanwältinnen. „Langfristig ist der Plan, dass die Zusammenarbeit nicht nur zwischen den Polizeibehörden, sondern auch auf der Ebene der Justiz stattfindet“, sagt Hahn. Damit die Trickbetrüger zurückgedrängt werden können – und die Taten weniger werden. Dieses Ziel verfolgt auch Bayerns Justizminister: „Wir wollen den Verfolgungsdruck auf international agierende Betrüger, Schleuser, Drogen- und Waffenhändler noch weiter erhöhen“, sagt Georg Eisenreich. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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