Weitere Details bekannt geworden

Neue Erkenntnisse zu spektakulärem Ausbruch aus Stadelheim: So lief die Knast-Flucht im Karton

Die spektakuläre Flucht eines Gefangenen aus dem Gefängnis in Stadelheim beschäftigt die Behörden. Der Mann hatte sich in einem Stapel präparierter Kartons versteckt.

München - Die Knast-Flucht und ihre Folgen: Anfang Februar war der des Mordes Verdächtigte David H. (24) aus der JVA Stadelheim geflohen – als erster Häftling seit Jahrzehnten. Nach Informationen unserer Zeitung hat er seinen Ausbruch aber teuer bezahlt: H. verletzte sich schwer am Knie. „Er musste im Klinikum Schwabing operiert werden“, sagt sein Vater. Zudem wurde die Flucht im Gefängnis disziplinarisch geahndet: David H., der als mutmaßlicher Mörder in U-Haft sitzt, musste bis Ende Februar in Arrest – und wurde von Stadelheim in München* in die JVA Gablingen bei Augsburg verlegt.

München: Staatsanwaltschaft ermittelt nach Flucht aus Stadelheim auch gegen Mitgefangene

Wie seine Flucht überhaupt gelingen konnte, ist jetzt erst in allen Details geklärt. „Wir führen bei der Staatsanwaltschaft München I ein Verfahren gegen drei Mitgefangene, die den Lkw beluden, in dem der Ausbrecher David H. versteckt in einem Stapel präparierter Kartons die JVA verlassen konnte“, sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Einer der Mithäftlinge sei durch David H. belastet worden, „jedoch hat dieser die Aussage später widerrufen“, so Leiding. Für die Ermittler werde es schwierig, „einen Tatnachweis dafür zu bringen, dass die Gefangenen wussten, dass H. in einer der Paletten versteckt war“. Wie geht es jetzt weiter in dem Fall? Leiding: „Derzeit erhalten die Verteidiger Akteneinsicht, diese werden noch Stellungnahmen abgeben wollen. Mit einem Abschluss des Verfahrens ist daher nicht vor sechs bis acht Wochen zu rechnen.“

Der Vater des Flüchtigen David H. zeigt die Stelle, an der die Polizisten seinen Sohn schnappten.

Flucht aus München-Stadelheim: 24-Jähriger besuchte nach Gefängnis-Ausbruch seinen Vater

Nach Informationen unserer Zeitung hatte sich David H. verletzt, als er auf der Autobahn von dem fahrenden Laster gesprungen war. Sein Vater allerdings will beobachtet haben, dass die Polizisten den 24-Jährigen bei der Festnahme verletzt haben. Jetzt prüft das Landeskriminalamt den Fall. „Ich kann ein laufendes Ermittlungsverfahren gegen die festnehmenden Beamten bestätigen“, sagt LKA-Sprecher Fabian Künzig. Basis dafür sei „der begründete Verdacht einer strafbaren Handlung“, der jetzt geprüft werde. Konkret geht es nach unseren Informationen um eine mögliche Körperverletzung im Amt. „Die Ermittlungen werden von der Abteilung Personal des Polizeipräsidiums München* in dienstaufsichtlicher Hinsicht begleitet“, ergänzt Polizeisprecher Werner Kraus. „Hierbei wird zunächst das Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen abgewartet. Ein Grund für sofortige disziplinarrechtliche Maßnahmen war nach dortiger Einschätzung nicht gegeben.“

Der 24-jährige David H. floh aus Stadelheim.

Mit Hubschrauber und Spezialkommando wurde am 9. Februar nach David H. gefahndet, der nach der Flucht seinen Vater im Hasenbergl besucht hatte. Der sagt: „David hätte untertauchen können, aber das wollte er gar nicht. Es war klar, dass er zurück nach Stadelheim geht.“ Für die Polizei nicht. Beamte überwältigen den 24-Jährigen zwei Stunden nach dem Ausbruch am Einkaufszentrum mira in der Schleißheimer Straße.

Die hohe Mauer und die Kameras haben nichts genützt: David H. gelang die Flucht.

Seither sitzt er wieder hinter Gittern. „Zu den Konsequenzen im Vollzug können wir mitteilen, dass die bayerischen Justizvollzugsanstalten durch ein an die örtlichen Gegebenheiten angepasstes, umfassendes Schutzkonzept gesichert sind, das ständig überprüft und weiterentwickelt wird“, sagt Justizsprecherin Andrea Leonhardt. In Stadelheim konnte David H. dieses System überwinden. „Nach der Entweichung haben wir unsere organisatorischen Abläufe und die Sicherungsmaßnahmen in jeder Hinsicht erneut intensiv überprüft. Soweit erforderlich wurden und werden Abläufe und Maßnahmen weiter optimiert“, sagt Stadelheims Gefängnisdirektor Michael Stumpf.

Bis zu seinem Prozess bleibt David H. weiter in U-Haft. Der Porsche-Mordfall, in dem H. angeklagt ist, wird ab 26. April am Münchner Landgericht verhandelt.*tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Andreas Gebert/dpa

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