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Stadt entscheidet über Sonderregel für alte Öfen - „In der aktuellen Gaskrise müssen wir uns vorbereiten“

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Von: Sophia Oberhuber

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Symbolfoto: Eine Frau wirft ein Holzscheit in einen Kaminofen. Berlin, 21.02.2020 Berlin Deutschland *** Symbol photo A
Unter gewissen Voraussetzungen darf es in alten Öfen wieder brennen. Das besagt eine Allgemeinverfügung, die der Freistaat vorgeschlagen hatte. © Thomas Trutschel/photothek.de via www.imago-images.de

Im Winter könnte das Gas in Deutschland knapp werden. Wer mit einem Kamin heizen möchte, der muss bestimmte Bedingungen erfüllen - unter anderem mit Blick auf Emissionen. Holzöfen, die die Grenzwerte eigentlich nicht einhalten, sollen nun aber zeitweise wieder in Betrieb genommen werden dürfen. Das ist für München geplant.

München - Der Winter kommt näher, das Gas in Deutschland wird knapp. Um die Wohnung oder das Haus aber mit einem eigenen Kamin heizen zu dürfen, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Eine davon: Ein Kamin darf nur eine gewisse Menge an Feinstaub und Kohlenmonoxid ausstoßen. Bisher. Denn eine Allgemeinverfügung des Freistaates erlaubt, dass man stillgelegte Holzöfen zeitweise wieder nutzen darf, auch wenn sie diese Grenzwerte nicht einhalten. Die Stadt München will die Verfügung nun erlassen.

Freistaat Bayern hat Behörden aufgefordert, die Ofen-Verfügung zu erlassen

Ende Juli hatte das Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz (StMUV) die bayerischen Behörden aufgefordert, eine Allgemeinverfügung zu erlassen. Demnach dürfen bereits stillgelegte Holzöfen bis maximal 31. August 2023 wieder genutzt werden - und das obwohl die Kamine nach geltendem Recht zu viele Emissionen ausstoßen.

Das sei gerechtfertig, weil die Bundesregierung unter anderem die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen hatte. „In der aktuellen Gaskrise müssen wir uns vorbereiten“, sagte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) vor einigen Wochen.

München: Von etwa 3600 stillgelegten Öfen weiß die Stadt

Über diese Verfügung entscheidet am Mittwoch der städtische Verwaltungs- und Personalausschuss. Laut der Sitzungsvorlage weiß die Stadt von etwa 3600 Öfen in München, die zwar stillgelegt, aber nicht abgebaut wurden. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil die Ofeninhaber die Stilllegung teils auch nur ihrem Kaminkehrer mitteilen würden.

Holger Frischhut ist stellvertretender Landesinnungsmeister 
beim Landesinnungsverband für das 
Bayerische Kaminkehrerhandwerk.
Holger Frischhut ist stellvertretender Landesinnungsmeister beim Landesinnungsverband für das Bayerische Kaminkehrerhandwerk. © MANFRED BERNHARD

Ob die Inhaber der 3600 Öfen ansonsten mit Gas heizen würden, ist der Stadt nicht bekannt. Das ist aber Voraussetzung, um die Ausnahme überhaupt wahrnehmen zu können. „Es wird sich im Endeffekt wohl um eine überschaubare Zahl an Öfen handeln“, schätzt Holger Frischhut vom Landesinnungsverband für das Bayerische Kaminkehrerhandwerk. Zudem gestalte es sich aktuell schwierig, überhaupt Brennholz zu ergattern. Erster Ansprechpartner für die Sonderregel sei der eigene Kaminkehrer.

Gaskrise in München: Umweltschutz versus Gasknappheit - „Das ist ein schwieriger Spagat“

Frischhut befürwortet die Maßnahme - versteht aber auch Kritiker: „Zum einen wird durch die Öfen natürlich Feinstaub freigesetzt. Zum anderen erhalten Bürger damit aber Versorgungssicherheit. Das ist ein schwieriger Spagat.“

Den muss nun die Stadt München meistern - auch wenn ihr sowieso wenig Wahl bleibt. Sie muss die Weisungen des Freistaates grundsätzlich umsetzen, so das Referat für Klima- und Umweltschutz (RKU). Nach Einschätzung des RKU würden sich die Emissionen der alten Öfen auf die Umwelt auswirken. Für eine ausführliche Studie sei angesichts der Dringlichkeit keine Zeit gewesen. Die menschliche Gesundheit sei aber nicht gefährdet. Anders im Falle eines Winters in Kombination mit einer Gasknappheit.

Vorausgesetzt der Ausschuss stimmt am Mittwoch zu, dürfen die alten Öfen also wieder brennen. Allerdings nur von 15. September bis 31. Mai 2023. Denn auf diesen Zeitraum hat das RKU die Ausnahme für die Stadt München begrenzt.

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