„Ohne Deckel laufen uns die Kosten davon“

Stadt schiebt Kostenexplosion beim Gasteig Riegel vor: Markanteste Änderung könnte verworfen werden

Der Gasteig in München: Nach Zwangsschließung - Bayerische Bühnen leuchten aus Protest rot
+
Der Gasteig in München: Nach Zwangsschließung - Bayerische Bühnen leuchten aus Protest rot

Grün-Rot zieht bei der Gasteig-Sanierung einen klaren Kostendeckel ein. 450 Millionen Euro sind das Limit für die Erneuerung des Kulturtempels.

  • Die Kosten für die Sanierung des Gasteigs sollen nicht explodieren.
  • Deshalb will die rot-grüne Stadtregierung einen Kostendeckel einführen.
  • Dabei könnten einige markante Umbau-Details auf der Strecke bleiben.

München - Es sei ein „Bekenntnis zur Sanierung des Gasteigs“, wie SPD-Kulturpolitikerin Julia Schönfeld-Knor am Dienstag (10. November) bei einer Pressekonferenz deutlich macht. Einerseits. Andererseits hat sich die Koalition auch auf eine „Generalsanierung light“ verständigt, wie es der Grünen-Fraktionsvorsitzende Florian Roth ausdrückt. Was als klarer Arbeitsauftrag an die Geschäftsführung und das Wirtschaftsreferat zu verstehen ist, dem der Gasteig untersteht. Noch im Dezember erwartet die Politik Vorschläge, um die Kosten zu senken. Dann will der Stadtrat die Sanierung und deren Umfang endgültig beschließen.

Sanierung des Gasteigs: Geplante Kosten bereits jetzt schon gestiegen

Bei welchen Einzelprojekten gespart werde, da seien der Kreativität keine Grenzen gesetzt, erklärt Roth. Selbst die im Architekturentwurf vorgesehene üppige Glasfassade ist offenbar als Einsparpotenzial nicht mehr unantastbar. Allerdings gibt es nach Meinung von Grünen und SPD mehrere Möglichkeiten, die Kosten herunterzufahren. Faktum ist, dass sich die ursprünglich geplante Summe von 450 auf 536 Millionen Euro erhöht hat, nachdem alle Hauptnutzer wie Philharmonie, Stadtbibliothek, Volkshochschule oder die Musikhochschule ihre speziellen Bedarfe angemeldet haben. „Ohne einen Deckel laufen uns die Kosten davon“, warnt SPD-Fraktionschefin Anne Hübner. Sie verweist auf das Gasteig-Interimsquartier in Sendling, für das München* Hübner zufolge inklusive Betriebs- und Mietkosten nun schon 150 Millionen Euro aufwenden muss. Anfangs war noch von 90 Millionen Euro die Rede.

Nach den Vorstellungen der Rathaus-Regierung sollte ein Generalübernehmer die Sanierung des Gasteigs vorantreiben. Beim Neubau des Volkstheaters auf dem Viehhof-Gelände funktionierte das Modell. Bei diesem Projekt – die Eröffnung ist im Herbst 2021 vorgesehen – dürfte der Kostenrahmen in Höhe von 131 Millionen Euro eingehalten werden. Roth betont, eine Summe von 450 Millionen Euro bedeute „kein Billigheimer-Modell“. Hübner macht klar: „Es muss trotzdem möglich sein, für alle Nutzer einen Mehrwert zu schaffen.“ Den Zeitplan sehen Grüne und SPD nicht in Gefahr. Trotz des Spardiktats soll der Gasteig bis 2025 zu einem modernen Kulturzentrum umgebaut werden.

Sanierung des Gasteigs: Nicht jedes Detail könnte verwirklicht werden

Architektonischer Höhepunkt soll die von Weitem sichtbare gläserne „Kulturbrücke“ sein, die künftig alle Gebäudeteile des Gasteigs verbindet. Ferner ist ein Aussichtspunkt hoch über der Isar geplant. Dort soll es auch ein kleines Dachrestaurant geben – und einen einzigartigen Panoramablick über München. Womöglich steht nun das eine oder andere Detail dieser Gesamtplanung auf der Kippe. Die Modernisierung der in die Jahre gekommenen technischen Anlagen gilt indes als zwingend.

Die Vision vom neuen Gasteig muss abgespeckt werden. Selbst die große Glasfassade gilt nicht mehr als unantastbar. Mehr als 450 Millionen Euro will der Stadtrat für das Projekt nicht ausgeben.

Grüne und SPD erneuern unterdessen ihr Angebot an den Freistaat, sich über ein Gesamtkonzept für Münchens Konzertsäle einig zu werden. Bekanntlich will die Staatsregierung im Werksviertel ein neues Konzerthaus bauen. Die Stadt wiederum saniert die Philharmonie im Gasteig, die 2500 Plätze beherbergt. Überdies soll im Oktober 2021 der Interimsbau in Sendling (1800 Plätze) nahe dem Heizkraftwerk eröffnet werden. Kaum vorstellbar, dass dieser Bau nach wenigen Jahren wieder abgerissen wird. Eine gemeinsame Nutzung beider Säle von Stadt und Freistaat – also von Philharmonikern und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks – hält Roth für denkbar.

Die CSU kritisiert den Sparplan von Grün-Rot. Derart zukunftsweisende Investitionen dürften nicht komplett der Corona-Krise* untergeordnet werden, sagt Fraktionschef Manuel Pretzl. An der Fassade will die CSU festhalten. Kulturreferent Anton Biebl (parteilos) erklärt am Dienstag, wichtig sei, dass der Gasteig „unsere Stadt bereichert und auch in 20 Jahren noch attraktiv und konkurrenzfähig ist“. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare