Ergebnis der Testfahrten

Stadt testet Ampeln für Grüne Welle

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In der Schleißheimer Straße müssen Autos jetzt angeblich weniger halten und sind schneller unterwegs – aber nicht zu den Stoßzeiten!

München - Grüne Wellen in München? Viele Autofahrer glauben, dass diese gar nicht existieren. Die Stadt beteuert, dass bereits daran gefeilt wurde. Es bleibt jedoch ein großes "ABER".

Treffen sich zwei Autofahrer, sagt der eine: „Du, in München gibt es Grüne Wellen!“ Guter Witz? Zuletzt zweifelte die FDP daran: „Die Verwaltung versucht die Öffentlichkeit immer wieder davon zu überzeugen, dass es in München Grüne Wellen gäbe. Zweifel daran haben nicht nur Liberale, sondern auch Taxler und Vielfahrer.“

Dabei würde Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle da­rauf schwören: Es gibt genau genommen nicht eine Grüne Welle – sondern rund 145! Vor drei Jahren hat der Stadtrat die Behörde beauftragt, die Ampelschaltungen weiter zu verbessern. Am Dienstag hat Blume-Beyerle im Rathaus erstmals Fakten für die ersten zwölf Straßen auf den Tisch gelegt – und ein großes Aber …

Fazit: Die Optimierung habe sich gelohnt. „Die Werte zeigen, dass der Verkehrsablauf deutlich verbessert und der Schadstoffausstoß reduziert werden konnte“, stellt der KVR-Chef fest. Die Behörde hat Dutzende Testfahrten unternommen: pro Straße zu drei Tageszeiten je fünf – also insgesamt 15 pro Strecke. Dann wurde an den Ampelschaltungen geschraubt. Dann gab es wieder 15 Fahrten.

Beispielsweise hat sich in der Schleißheimer Straße innerhalb des Mittleren Rings die Zahl der Ampelstopps angeblich um 47 Prozent, die Fahrtzeit um 20 Prozent und der Ausstoß von Kohlendioxid um 21 Prozent reduziert (siehe Tabelle). Das Mess­ergebnis des KVR: Die Autos mussten in Richtung Norden statt 3,6-mal nur noch 1,6-mal an den 15 Ampeln halten. Die Strecke schafften sie statt in 5 Minuten und 14 Sekunden nur in 4 Minuten und 33 Sekunden.

Und jetzt kommt das große Aber: Diese Gewinne lassen sich laut KVR ausgerechnet nicht zu Stoßzeiten ermitteln – leider, leider. Von 7 bis 9 Uhr und 16 bis 18 Uhr seien die Straßen so voll, dass durch den Stau die Autos so ungleichmäßig fahren, dass die beste Grüne Welle nichts brächte. Das KVR tröstet Autofahrer, dass die Grüne Welle immerhin in 20 von 24 Stunden funktioniere.

Nichts gebracht hat dagegen die Dynamische Grüne Welle. Die schaltet ihre Programme nicht zu festen Uhrzeiten um, sondern je nach Verkehr. Das brachte auf der Teststrecke am Frankfurter Ring zwar Verbesserungen, dafür mussten in den Seitenstraßen die Autos teilweise dreimal so lang an den Ampeln warten! Darum will Blume-Beyerle weiter an normalen Grünen Wellen arbeiten.

Der Stadtrat war einverstanden und genehmigte die geforderte Stelle plus 200 000 Euro.

So wurden Grüne Wellen verbessert

Das Kreisverwaltungsreferat hat sich bislang diese Grünen Wellen vorgenommen und nach Testfahrten optimiert. Auf allen Strecken mussten die Testfahrer weniger stoppen, waren schneller unterwegs und verpesteten die Luft weniger – aber nur außerhalb der Stoßzeiten!

Strecke Stopps Fahrzeit CO2
Schleißheimer Straße (innerhalb Mittlerer Ring) -47% -20% -21%
Von-der-Tann- / Prinzregentenstraße -36% -16% -6%
Max-Planck- / Einsteinstraße -30% -13% -5%
Ludwig- / Leopoldstraße -41% -23% -19%
Landsberger Straße -17% -7% -8%
Schwanthalerstraße -20% -24% -40%
Franz-Josef-Strauß- / Thomas-Wimmer-Ring -42% -34% -45%
Blumen- / Frauenstraße -34% -30% -40%
Sonnenstraße -22% -35% -40%
Lenbachplatz / Maximilianstraße -73% -49% -32%
Elisen- / Marsstraße -33% -12% -21%
Schleißheimer Straße (außerhalb Mittlerer Ring) -41% -9% -6%

David Costanzo

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