"Indiskutabel!" Protest formiert sich

Die Stadt macht drei Bürgerbüros dicht

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Auch das Bürgerbüro in der Riesenfeldstraße soll geschlossen werden

München - Das KVR will drei Bürgerbüros in München schließen! Zwar soll ein neues entstehen und in anderen die Kapazitäten aufgestockt werden - doch der Protest formiert sich schon.

Immer kompliziertere Pass-Formalitäten, weniger Personal und mehr Einwohner: Die Warteschlangen in den sechs Bürgerbüros der Stadt werden immer länger. Doch Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle will drei Büros schließen! Der Protest formiert sich schon.

Wer im Münchner Norden, im Süden und in Neuhausen wohnt, muss sich künftig auf weitere Wege gefasst machen, wenn er einen Reisepass beantragen oder sein Auto abmelden will. KVR-Chef Blume-Beyerle will die Bürgerbüros in der Leonrodstraße (Neuhausen), der Forstenrieder Allee und der Riesenfeldstraße (Milbertshofen) schließen. Im Gegenzug sollen die Kapazitäten der Büros in der Orleansstraße (Haidhausen) und der Landsberger Straße (Pasing) steigen sowie ein neues, großes Bürgerbüro in der Belgradstraße (Schwabing-West) entstehen. Im April befasst sich der Stadtrat mit den Plänen. Blume-Beyerle argumentiert, dass alle Bürgerbüros künftig innerhalb von 20 Minuten mit Bus, Bahn und Tram erreichbar seien. Die Struktur soll die Abläufe beschleunigen. KVR-Sprecherin Daniela Schlegel erklärt: „Wenn es Krankheitsausfälle gibt, kann man die in einer großen Dienststelle leichter kompensieren, als in einer kleinen.“

Dabei sind die Bürgerbüros, die der KVR-Chef schließen will, mehr als ausgelastet: Die Stelle in der Leonrodstraße verzeichnete 2011 mit 80 000 Besuchern gegenüber 2006 einen Zuwachs von 34 Prozent, auch in der Riesenfeldstraße und der Fürstenrieder Allee stiegen die Zahlen. Noch im Frühjahr 2011 wollte das KVR das Bürgerbüro in die Landshuter Allee 8-10 umziehen lassen. Davon ist nun nicht mehr die Rede. Die Neuhauser Bezirksausschuss-Chefin Ingeborg Staudenmeyer (SPD) will sich dem Spardiktat nicht beugen: „Also müssen wir mit Anträgen Stadtrat und Verwaltung überzeugen.“ Die Stadtteil-CSU hat bereits einen Dringlichkeitsantrag gegen die Schließung eingebracht.

Auch Hans Bauer (SPD), Vorsitzender des BA 19, wettert: „Die Schließung unseres Bürgerbüros in Fürstenried ist absolut indiskutabel!“ In Fürstenried fehlen laut KVR „Erweiterungsmöglichkeiten“. Bauer entgegnet: „In der selben Liegenschaft gibt es Räumlichkeiten, die man anmieten könnte.“ Auch Antonie Thomsen (SPD), BA-Chefin von Milbertshofen, kann über den KVR-Plan nur den Kopf schütteln: „Unser Bürgerbüro wird wahnsinnig gut besucht. Es wurde erst kürzlich renoviert.“

Der Kampf um die Bürgerbüros hat auch den Stadtrat erreicht. CSU-Fraktionschef Josef Schmid wettert: „Wir werden uns massiv gegen die weitere Reduzierung von Service und Bürgerfreundlichkeit stellen und uns gegen Bürgerferne wehren.“

D. Schmitt, J. Welte

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