Shoppen an 7 Tagen – eine Glaubensfrage

Das denken Kunden wirklich über verkaufsoffene Sonntage

+
Am Alten Peter enthüllten Gegner des verkaufsoffenen Sonntags ein Protest-Transparent.

München - Zum Stadtgründungsfest am Sonntag hatten die Läden geöffnet. Gut oder schlecht? Sehen Sie in der Fotostrecke, was die Kunden wirklich über den verkaufsoffenen Sonntag denken.

Menschenmassen, so weit das Auge reicht. Laute Musik dringt aus den Läden. Die Stadt hat seinen ersten verkaufsoffenen Sonntag! Tausende Münchner strömten am Sonntag in die Fußgängerzone. „Wir sind positiv überrascht“, sagt Wolfgang Fischer vom Handelsverband City-Partner.

Im Vorfeld hatten die Kirche und die Gewerkschaften gegen den Sonntag protestiert. Verdi will sogar klagen, um für die Zukunft Klarheit zu haben. Der stellvertretende Bezirksgeschäftsführer von Verdi Georg Wäsler sagt: „Dieser verkaufsoffene Sonntag ist eine Vorstufe zur Abschaffung des Ladenschlussgesetzes.“ Für Fischer ist die Klage reine Polemik. „Verdi hat sich total verkalkuliert.

Viele Unternehmen sagen, dass sogar mehr Mitarbeiter arbeiten wollten, als sie brauchen“, sagt er. Schließlich locke durch die Tarifverträge ein kräftiger Zuschlag aufs Gehalt. Der Stadtrat hat beschlossen, dass es ab jetzt bei jedem Stadtgründungsfest möglich sei einzukaufen. Dies versucht Verdi mit der Klage zu verhindern. Und die Münchner? Genießen das Sonntags-Shoppen. Die tz hat in einige Einkaufstüten geschaut.

Steffi Kern und Alex H.

Steffi Kern, arbeitet im Onlinemarketing, und kommt aus München: "Ich finde das eine super Sache! Ist doch toll, dass ich mir aussuchen kann, wann ich einkaufe. Ich bin aber dagegen, dass jeden Sonntag die Läden offen sind. So ein verkaufsoffener Sonntag sollte was Besonderes sein. Einmal im Monat wäre schön. Ich würde eher Spätis wie in Berlin einführen! Ich habe mir heute zwei Nagellack für je 17 Euro gekauft. Meinen Freund habe ich einfach mitgeschleppt."

Alex H. (28) ist Doktorand aus München: "Ich habe nichts gekauft. Eigentlich war ich auf der Suche nach einer Sonnenbrille. Ich bin kein Fan des verkaufsoffenen Sonntags. Ich mag es lieber, sonntags in Ruhe zu schlendern – ohne offene Läden, ohne den ganzen Trubel – und ohne andauernd Kinderwägen ausweichen zu müssen! Also: Läden zulassen am Sonntag. Ich hätte schließlich auch einfach am Samstag nach meiner Brille schauen können!"

Angela Forster.

Angela Forster (41) ist Kirchenmusikerin aus München: "Ab und zu ist der verkaufsoffene Sonntag eine gute Sache. Aber nicht immer! Die Leute brauchen auch ab und zu frei. Ich habe auch eine Sechs-Tage-Woche und weiß, dass es wichtig ist, Zeit für die Familie zu haben. Gerade im Advent fände ich Einkaufen praktisch. Ich habe mir Sandalen für 80 Euro, Williamsbrand für 30 Euro, Vasen für zwölf Euro und das Milchkännchen für vier Euro gekauft. Die Schuhe und der Schnaps waren heute reduziert."

Uwe Jost.

Uwe Jost (60) ist Selbstständiger aus Garching: "Ich habe mir bei Hirmer zwei Hemden für je 90 Euro und eine Hose für 100 Euro gekauft. Die waren aber nicht wegen heute reduziert. Ich finde die Argumente von Verdi und der Kirche einfach nicht mehr zeitgemäß. Ich bin auch für Öffnungszeiten bis 22 Uhr! Man muss einfach mehr Leute einstellen und in drei Schichten arbeiten. Sonntags sollte immer offen sein – schließlich wird ja damit auch viel Geld gemacht."

Christina Klink und Andreas Stefani.

Christina Klink (22) und Andreas Stefani (25), beide Studenten: "Wir finden so einen verkaufsoffenen Sonntag echt praktisch. Der Sonntag ist oft einfach langweilig. Aber eigentlich ist es ja unnötig, weil man ja auch sechs Tage in der Woche Zeit zum Shoppen hat. Aber einmal im Monat wäre das eine tolle Sache! Öfter wäre nicht so gut, weil ja auch jemand arbeiten muss. Heute ist die Atmosphäre wegen der ganzen Musik auch besonders schön. Wir haben ein T-Shirt, eine Hose und eine Tasche für das Joggen für insgesamt 30 Euro gekauft."

Christian Wiesinger.

Christian Wiesinger (23) ist ­Bankkaufmann aus Freistadt: "Ich habe mir für 120 Euro T-Shirts, eine Hose, Armbänder und Schuhe von H&M und Zara gekauft. Ich finde diesen Sonntag eine gute Sache – von mir aus jeden Sonntag! Ich wohne in Österreich, da gibt es sowas öfter. Ich glaube auch, dass die Belastung für die Angestellten nicht zu groß ist. Die Mitarbeiter bekommen ja ­dafür auch einen freien Tag dazu."

von Florian Fussek

Fotostrecke: So feiert München seinen 857. Geburtstag

So feiert München seinen 857. Geburtstag

Auch interessant

Meistgelesen

Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare