Zwischen Luxussanierung und Leerstand

Eine Stadtplanung zum Schaudern

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Pestalozzistraße: Das Wohn- und Geschäftshaus gehört der Stadt, schon 2006 wurden hier die ersten Wohnungen geräumt, seit 2011 auch alle Büros. Die Stadt plant seit Jahrzehnten einen Neubau, für den die Blumenstraße um eine Spur verringert werden soll. Der Bezirksausschuss und die Goldgrund-Aktivisten schlugen vor, das Haus erst mal als Asylunterkunft oder für ein Ausbildungs-Hotel für sozial Schwache zu nutzen und später auf der Fahrspur anzubauen. OB Dieter Reiter und seine SPD wollen das Haus schnell abreißen. Es soll ein kleineres Wohnhaus hin.
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The Seven: Das Hochhaus mit dem großzügigen Grundstück diente einst der Allgemeinheit als Heizkraftwerk. Die Stadtwerke verkauften es meistbietend an ein Konsortium aus der Stuttgarter LBBW und der Oberhachinger aiP Immobilienentwicklung. Während der Bezirksausschuss soziale Nutzungen wünschte, wurde aus dem Bau ein Luxus-Wohnturm mit Objekten, von denen das teuerste 20 Millionen Euro gekostet haben soll. Die Stadt blätterte für eine Kita auf dem privatisieren Stadt-Grundstück über fünf Millionen Euro hin.
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Kastaniengarten: Schon auf Fotografien von Karl Valentin war der Kastaniengarten an der Reichenbachbrücke zu sehen. Lange saßen im Schatten der Bäume die Gäste der Trattoria Santini, danach der Ruby-Bar. Jetzt errichtet die Münchner Conzept Bau dort ein exklusives Wohngebäude – die Glockenbachsuiten mit Dachterrassen und Isarblick. Als Quadratmeterpreise wurden voriges Jahr zwischen 7600 und 14 000 Euro genannt. Als Ersatz für die uralten, gefällten Kastanien sollen Pappeln dienen, die man an der Fraunhoferstraße pflanzen will.
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Müllerstraße 2-6: Hier ließ bzw. lässt die Stadt drei Häuser leer stehen, weil man sie für einen Neubau abreißen wollte. Nachdem die Goldgrund-Gorillas im Frühjahr 2013 eine Wohnung öffentlichkeitswirksam für wenig Geld renoviert hatten, kam ein Gesinnungswandel: Der Stadtrat beschloss, ein Haus renovieren und nur zwei für einen Neubau abreißen zu lassen. Doch Goldgrund ließ nicht locker und schlug ein Wohnprojekt für junge Asylbewerber, Obdachlose und Mütter vor. In zwei Wochen will OB Dieter Reiter mit den Aktivisten darüber verhandeln.
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Schon 2013 zog der Horror-Trupp durch München.

München - Lieb gewonnene, gemütliche Ecken werden abgerissen, alteingesessene Münchner von Luxussanierern vertrieben: Aktivisten rufen jetzt zum Protest auf!

Schon 2013 zog der Horror-Trupp durch München.

Lieb gewonnene, gemütliche Ecken werden abgerissen, alteingesessene Münchner von Luxussanierern vertrieben, überall schießen geschleckte Hochglanz-Fassaden aus dem Boden. Ein bunter Haufen von Aktivisten ruft zum Protest: Zu Halloween findet ein „Stadtplanungs-Horrortrip“ durch die Innenstadt statt.

Wenn am Freitag um 18 Uhr die gruseligen Gestalten am Roßmarkt vom Kommunalreferat Richtung Stadtplanungsamt losmarschieren, wird es kaum Süßes geben für städtische Grundstücksverwalter, Stadtplaner und Investoren. Denn das Bündnis für bezahlbares Wohnen, die Altstadtfreunde, Green City, das Bündnis Gartenstädte und andere Organisationen sind stinksauer. Maximilian Heisler vom Bündnis für bezahlbares Wohnen: „München wird zunehmend auf Hochglanz poliert. Immer mehr Menschen, die sich das nicht leisten können, werden aus der Innenstadt verdrängt. Es gibt immer mehr Negativbeispiele.“

Die tz zeigt vier Stationen einer Stadtplanung-Tour zum Schaudern. Klicken Sie oben!

J. Welte

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