Streit auch um Buslinie und Radweg

Für 80-Millionen-Prestigeprojekt sollen Bäume gefällt werden - jetzt werden mögliche Alternativen diskutiert

Erlen und Ulmen stehen inmitten der Baustellen an der Thalkirchner Straße.
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Sie sollen dem Projekt der Stadtwerke weichen: Noch stehen die Erlen und Ulmen an der Thalkirchner Straße.

Ökologisch sinnvoll soll ein neues Projekt der Stadtwerke München sein. Dem Bau würden jedoch 14 Bäume zum Opfer fallen. Deshalb wehrt sich die Politik dagegen.

München - Ein Projekt der Stadtwerke München* (SWM) an der Thalkirchner Straße sorgt für Aufruhr. Denn: Hier in der Isarvorstadt soll ein Stück der Trasse für die Fernkälteleitung vom Heizkraftwerk Süd zum Stachus verlegt werden, ein 80-Millionen-Euro-Prestigeprojekt und als ökologisch sinnvoll eingestuft. Doch: Zur Verlegung der Rohre, die rund vier Monate dauern soll, sollen Bäume fallen - wenn es nach den SWM geht.

Von fünf möglichen Fernkälte-Trassen hat sich die Thalkirchner Straße zwischen Reifenstuel- und Zenettistraße als einzig mögliche Strecke herausgestellt, so SWM-Baustellenkoordinator Peter Hartung.

Doch es gibt ein Problem: Entlang der Thalkirchner Straße stehen vierzehn große Ulmen und Grüne Erlen. Aus Sicht des Baustellenplaners sind große Bäume nah am Baustellenrand hochpro­blematisch. Fahren Baumaschinen über ihre Baumscheiben oder wird das Erdreich erschüttert, können sie sterben oder umfallen.

Stadtwerke-Prestigeprojekt: Trotz Baumfällarbeiten sollen Busse und Radler weiter verkehren dürfen

Die SWM hat das Fällen der Bäume als obligatorisch eingestuft. Es müsse sowohl ein Fuß- als auch ein Radweg* bleiben sowie Lieferzufahrten für Firmen. Sogar die Buslinie soll während der Bauzeit weiter hier durchfahren.

Hartung stellte sich nun in der Turnhalle der Mathilde-Eller-Schule besorgten Bürgerfragen und den Fragen des Bezirksausschusses (BA) Ludwigs-/Isarvorstadt. Der BA sollte die Fällungen kurzfristig abnicken, weil die SWM die Fällungen nicht termingerecht beantragt hatten. Als Bürgerin sprach die Grüne* Silvia Haas sich für den Erhalt des Baumbestandes aus. „Was heute gefällt wird, ist unwiederbringlich verloren“, so die Ex-BA-Politikerin. „Die Ersatzpflanzen der Stadt sind klein, es dauert 40 Jahre, bis vergleichbar große Bäume wachsen.“

Stadtwerke-Prestigeprojekt: CSU setzt sich die Grüne für Erhalt der Bäume ein

Martin Ruckert (CSU*) sprach sich wie andere BA-Mitglieder für den Erhalt der Bäume aus. Man könne auf den Radweg temporär verzichten. „Die Buslinie 62 kann umgeleitet werden“, regte eine andere Anwohnerin an.

Die Lokalpolitiker stoppten die Bauplanung erst einmal. Sie ließen auch das Totschlag-Argument von Hartung nicht gelten: Die Bäume seien dem Klimawandel von ihrer Art her doch ohnehin nicht gewachsen! Man stimmte einstimmig und parteiübergreifend für eine Vertagung. Nun prüfen die SWM mögliche Alternativen. (Bettina Ulrichs) *tz.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Die Zahl der Baustellen in München explodiert aktuell geradezu - wir verschaffen einen Überblick. Die Rathaus-SPD hat ein neues 100-Millionen-Euro-Paket für München vorgestellt - inklusive Verkehrswende und Wohnbauplänen.

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