Stammstrecke: Auch  Bayerischer Hof klagt

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Baulaster und jahrelang Lärm vor dem Bayerischen Hof: Mit Klagen vor dem Verwaltungsgerichtshof will das Luxushotel erreichen, dass die Pläne für Münchens größte Baustelle noch einmal geändert werden. Damit sollen die Auswirkungen für Gäste und Anlieger abgemildert werden.

München - Die Allianz gegen die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München wird größer. Nicht nur am Marienhof gibt es Proteste, sondern auch am Promenadeplatz.

Nach prominenten Geschäfts- und Gebäudebesitzern am Marienhof (u.a. Dallmayr, Prinz Albert von Thurn und Taxis) gibt es jetzt Klagen von Betroffenen am Promenadeplatz. Am Donnerstag werden die Einwände des Hotels Bayerischer Hof vor dem Verwaltungsgerichthof verhandelt. Die wichtigsten Fragen zu Münchens umstrittenster Baustelle:

Wer sind die neuen Kläger? Unter ihnen ist neben dem Bayerischen Hof (siehe Artikel unten) auch die INKA Promenadeplatz GmbH, ein Unternehmen der Augustiner-Chefs Hans und Jannik Inselkammer. Die Klagen richten sich gegen den Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahnbundesamtes für den mittleren Abschnitt der Stammstrecke vom Stachus bis zum Isarufer.

Um was geht’s in der Klage? Im Grunde um das Gleiche wie am Marienhof. Sechs Jahre Baustelle, sechs Jahre Lärm und Dreck: Das könnte zu Lasten der Kundschaft und des Geschäfts gehen. Die Inselkammers führen zudem ins Feld, dass der S-Bahnbetrieb durch Erschütterungen die Computer einer Bank stören könnte, die zu ihren Mietern gehören.

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Wie werden 300 000 Kubikmeter Erde abtransportiert? Die Planer rechnen mit 46 000 Lkw-Ladungen! Sie sollen größtenteils über Dienerstraße, Hofgraben und Maximilianstraße Richtung Osten weggekarrt werden. Besonders schwere und lange Laster rollen aber auf der Westroute über den Promenadeplatz zur Elisenstraße.

Wer vertritt die Kläger? Der Bayerische Hof wird von der Kanzlei Bub, Gauweiler und Partner vertreten. Gauweiler spricht von „einer zu unsensiblen Planung in der besten Stube der Stadt“ und sieht massiven Nachbesserungsbedarf. Die Marienhof-Kläger vertritt Dr. Wolfgang Leitner (Kanzlei Labbé und Partner). Beide betonen: „Wir sind nicht gegen die 2. Stammstrecke, sondern gegen die Art und Weise der Umsetzung.“ Leitner schlägt etwa den unterirdischen Abtransport des Erdreichs vor.

Wann wird entschieden? Marienhof: Mitte Februar. Promenadeplatz: Anfang März.

Wie geht es dann weiter? Stimmt das Gericht den Klägern zu, könnte im schlimmsten Fall der komplette Planfeststellungsbeschluss gekippt werden. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass punktuell nachgebessert wird.

Weitere Baustelle: Für den 3. Abschnitt (Isar bis Leuchtenbergring) gibt es 1.400 Einwendungen von Stammstrecken-Gegnern.

Stefan Dorner

Deshalb klagt das Luxushotel

Daten und Fakten zur Mega-Baustelle: 

Kosten: 1,63 Milliarden Euro

Bauzeit: geplant von 2012 bis 2018

Verlauf: Laim, Hauptbahnhof, Marienhof (tiefste Stelle 40 Meter), Leuchtenbergring

Das Eisenbahnbundesamt (EBA) hat einen Planfeststellungsbeschluss für den Marienhof-Abschnitt gefasst. Das heißt: Hier besteht, anders als im Osten und Westen, Baureife.

EBA-Sprecher Moritz Huckebrink: „Wir können zum laufenden Verfahren keine Stellungnahmen abgeben.“

Innegrit Volkhardt, Hotelchefin im Bayerischen Hof, erläutert in der tz, wieso sie Klage eingereicht hat gegen den Bau der zweite Stammstrecke nach ­jetzigem Plan. Ihrer Meinung nach braucht München die zusätzliche Röhre, allerdings sieht sie in der Umsetzung noch gewaltigen Handlungs- und Nachbesserungsbedarf.

Frau Volkhardt, nach den Marienhof-Anrainern klagen jetzt auch Betroffene am Promenadeplatz gegen die Art und Weise, wie die zweite Stammstrecke gebaut werden soll.

Welche Bedenken haben Sie?

Innegrit Volkhardt: Dem Bayerischen Hof geht es in erster Linie um den Schutz der Gäste vor Lärmemissionen, verursacht durch die Lastwagen, die für den Aushub eingesetzt werden.

Welche Lösungsvorschläge könnten Sie sich vorstellen?

Volkhardt: Uns geht es da­rum, dass eine enge Abstimmung stattfindet – und dass zum Beispiel Sondertransporte so abgestimmt werden, dass man die Notwendigkeiten hier im Haus berücksichtigt.

Ihnen geht es auch um den sogenannten passiven Lärmschutz, sprich Schallschutz in den Fenstern ...

Volkhardt: Wir verfügen selbstverständlich bereits über Schallschutzfenster. Nur im Falle einer größeren Lärmbelästigung wäre die Aufrüstung der Schalldämpfung mit zusätzlichem Schutz eine mögliche Option.

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Braucht München die zweite Stammstrecke überhaupt?

Volkhardt: Der Bayerische Hof möchte die zweite Stammstrecke weder verhindern noch stoppen. Sie wird zahlreichen Touristen wie Münchnern eine willkommene Erleichterung der Reiseplanung sein.

Wie groß sehen Sie ihre Erfolgsaussichten, dass der Verwaltungsgerichtshof den bestehenden Planfeststellungsbeschluss abändern lässt und die Einwände der Anrainer berücksichtigt?

Volkhardt: München ist ein beliebtes, touristisches Ziel und eine Stadt, die sehr ­umsichtig mit der eigenen Bauplanung umgeht. Daher sind wir zuversichtlich, dass eine zufriedenstellende Lösung möglich sein wird.

Interview: DOS

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