Ikone verstarb mit 65 Jahren

Trauer um Münchner Star-Friseur Meir - Wegbegleiter nach Beerdigung verstimmt: „Hätte er sich doch gewünscht“

Starfriseur Gerhard Meir trägt bei der Trauerfeier von Helmut Dietl ein Foto des verstorbenen Regisseurs
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Im Alter von 65 Jahren verstorben: Gerhard Meir wurde bereits beigesetzt.

Nach dem Tod von Starfriseur Gerhard Meir ist eine große Trauerfeier anberaumt. Deren Umfang hängt auch von den Corona-Entwicklungen ab. Freunde und Wegbegleiter sind derweil verstimmt.

  • In der Nacht zum 11. September verstarb Starfriseur Gerhard Meir in seiner Wohnung.
  • Bereits Tage vor der Trauerfeier wurde die Münchner Ikone beigesetzt.
  • Darüber sind einige Freunde und Wegbegleiter verwundert.

München - Es ist, als wäre er noch da. Vor dem Salon von Starfriseur Gerhard Meir († 65) an der Ludwigstraße steht seine Tasse Kaffee neben seinen Zigaretten und dem Aschenbecher: In einer Prosecco-Flasche steckt eine Rose. Und wie jeden Tag seit 20 Jahren hat Mitarbeiterin Zekiye Iorio auch am Dienstag ihrem Chef Kaffee gekocht. So als wäre nichts geschehen, als wäre er noch da und nicht in der Nacht zum 11. September in seiner Wohnung nebenan gestorben.

„Wir Mitarbeiter haben das noch gar nicht realisiert“, sagt Zekiye Iorio und setzt sich auf den zweiten Stuhl an Gerhards Tischchen vor dem Salon. Sie erzählt, dass ständig das Telefon läutet, Stammkunden und Freunde anrufen, um ihr Beileid zu erklären, ihr Entsetzen und ihre Trauer auszudrücken und auch, um zu erfahren, wie es denn nun weitergeht mit dem ­Salon. Wer über Google den Friseursalon sucht, bekommt den Hinweis „Dauerhaft geschlossen“.

München: Starfriseur Meir tot - Heimliche Beerdigung auf Friedhof am Perlacher Forst

Das aber stimmt nicht, die Mitarbeiter machen weiter, solange sie dürfen; die Scheren klappern unentwegt. „Es wäre unser Herzenswunsch, als Salonfamilie sein Lebenswerk fortzuführen“, sagt Zekiye Iorio. Ihr Kollege Christian Bräuer ist gerade in Sachen Organisation der Trauerfeier unterwegs. Ob das klappt, hängt von den Erben ab - Gerhard Meirs Brüder ­Michael (60) und Alexander (58). Sie hatten alle ein gutes Verhältnis zueinander.

Umso unverständlicher ist es für Meirs langjährige Freunde, die eine große Traueranzeige in der SZ aufgegeben haben, warum Meir seinen letzten Weg ohne sie gehen musste. Die Brüder hatten sich für eine heimliche Beerdigung auf dem Friedhof am Perlacher Forst entschieden, wo schon Meirs Eltern und ein Bruder beigesetzt sind. Nur das Sarg-Bouquet und ein einziger Kranz schmücken das Grab, in dem der Liebling der Münchner Society letzten Freitag in aller Stille seine letzte Ruhe fand.

Letzte Ruhestätte: Auf dem Friedhof am Perlacher Forst liegt Gerhard Meir an der Seite seiner Eltern uns seines Bruders Josef begraben.

Starfriseur Meir in München gestorben: Freunde und Wegbegleiter hätten gerne Abschied genommen

„Der arme Gerhard - das hätte er sich doch gewünscht, dass die ganze Gesellschaft kommt“, sagt Uschi Prinzessin zu Hohen­lohe, die mit vielen anderen die Traueranzeige unterzeichnet hat.

Auch Modelady und Autorin Maja Schulze-Lackner ist darüber bestürzt - sie waren seit fast 50 Jahren befreundet. „Ich hab’ den Gerhard schon entdeckt, als er 17 war - in einem Nymphenburger Salon. Er hat jahrelang meine Modenschauen frisiert und war einer der rührigsten und nettesten Menschen, die ich kenne; er hat nie etwas Böses über jemanden gesagt.“

Auch Society-Kolumnistin Marie von Waldburg weiß nur Feines über den treuen Freund Gerhard zu berichten - seine Großzügigkeit sei aber gern ausgenutzt worden. Auch sie hätte ihn auf seinem letzten Weg begleitet, wo er doch seine ganzen Nöte der vergangenen Jahre immer mit ihr geteilt hat.

Gedenken an den Starfriseur: Im Salon steht ein Gedenkschrein für Gerhard Meir.

Starfriseur Meir tot: 150 Menschen haben sich zur Trauerfeier angekündigt

Für die Trauerfeier am 3. Oktober in der Ludwigskirche ist im Salon eine Sammelbox aufgestellt. Musik von Bach und Beethoven soll erklingen, wenigstens diese Abschiedsfeier soll Meir gerecht werden. Allein die neuen Corona-Regeln* könnten die Pläne durchkreuzen. Noch sei völlig unklar, wie viele Menschen dabei sein dürfen, so seine Mitarbeiterin Zekiye Iorio. 150 Menschen haben sich schon angemeldet.

„Tot ist nur, wer vergessen wird“, grüßt Axel ­Schaffer vom benachbarten Stammhaus der edlen Küchenstudio-Kette Dross & Schaffer herüber. Den Gerd, den ersten Figaro auf einem roten Teppich, den wird München nie vergessen! (Susanne Sasse, Ulrike Schmidt) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Bereits in den vergangenen Jahren hatte Meir immer mal wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen - etwa Burnout, einem Schlaganfall oder Herzattacken. Auch von einer Not-OP* erholte er sich rasch wieder.

Die Trauer nach dem Tod von Gerhard Meir ist groß in München

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