Car-Sharing & Ladestationen für E-Autos

E-Offensive: So rüstet sich München für die Zukunft

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Lastenfahrrad statt Lieferwagen: Marcello Succu liefert Pakete umweltfreundlich, hier fährt OB Reiter mit.

Elektroautos, Car-Sharing, Lastenfahrräder statt Lieferwagen: Die Mobilität wandelt sich, drohende Fahrverbote verschärfen den Druck. Nun wurde das Forschungsprojekt „City2Share“ gestartet.

München - Es war ein zeitlicher Zufall: Am Donnerstag traf sich Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mit den Oberbürgermeistern der sechs größten bayerischen Städte. Thema: Welche Maßnahmen können ergriffen werden, um die Luftbelastung durch Abgase zu reduzieren? Der Hintergrund ist klar: Seehofer hält nichts von flächendeckenden Fahrverboten, Münchens OB Dieter Reiter (SPD) schließt sie hingegen nicht aus.

Noch bevor sich Seehofer am Nachmittag mit den Kommunalpolitikern traf, fanden in München zwei öffentlichkeitswirksame Termine statt. Es ging um alternative Mobilitätskonzepte und damit letztlich um das Thema Luftreinhaltung. Bürgermeister und Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU) machte bei seiner Pressekonferenz deutlich, dass gerade für die Wirtschaft Mobilität existenziell wichtig sei.

Jungunternehmer von ParkHere wollen Parkplatzsuche erleichtern

80 Ladestationen im Stadtgebiet

Aufgrund der Diesel-Debatte möchte Schmid daher die E-Offensive beschleunigen. 80 Ladestationen gibt es bislang im Stadtgebiet. 100 weitere sind bis Jahresende geplant, und in den nächsten zwei Jahren sollten es auch jeweils 100 zusätzliche sein. Nun will Schmid pro Jahr 150 installieren.

Außerdem möchte der Bürgermeister mehr Anreize für den Kauf eines Elektrofahrzeugs schaffen. So sollen E-Fahrzeuge auf öffentlichen Stellplätzen künftig kostenlos parken dürfen. Die CSU-Fraktion plant einen entsprechenden Antrag. Dass von dieser Idee auch die Wirtschaft profitieren könnte, da ist sich der Bezirksvorsitzende München und Vizepräsident des Wirtschaftsbeirates Bayern, Hans Hammer, sicher: „Gerade kleine Handwerksbetriebe, die in der Innenstadt keine Ausweise zum Parken kriegen.“

Studie belegt: München ist die Carsharing-Hauptstadt

Viele Bestellungen per Internet

Wie hoch der Parkplatzdruck ist, und wie häufig gerade Lieferdienste in zweiter Reihe stehen bleiben, kann man tagtäglich in der Innenstadt beobachten. Ein Grund dafür: Fast jeder bestellt heutzutage Dinge im Internet. Und jeder weiß, dass diese Pakete geliefert werden müssen. Mit dem Auto natürlich. „Das kann man kritisieren oder nicht. Es ist halt so“, stellte OB Dieter Reiter (SPD) am Donnerstag nüchtern fest. Die Herausforderung für die Zukunft sei aber: Wirtschaft und Kommunen müssten Wege finden, wie die Verteilung umweltfreundlich funktioniert, so der OB.

Am Donnerstag erfolgte der Startschuss für das vom Bund geförderte Projekt „City2Share“, das dieses Ziel verfolgt. Der Zustell-Service UPS deponiert an drei Plätzen im Glockenbachviertel, am Schlachthof und an der Kidlerstraße Container.Dort holen die Kuriere Pakete ab und liefern sie per Lasten-Fahrrad aus. Drei Lieferwagen spart man sich dadurch laut UPS in der Isarvorstadt und in Sendling ein. 

Ist Carsharing ein Auslaufmodell?

Mobilitätsstationen mit MVG-Mieträdern in Planung

Projektpartner sind die Stadt, lokale Firmen wie BMW, Unis und Umweltverbände. Am Glockenbach, Zenettiplatz, Goetheplatz und am Harras sollen bis Mai 2018 parallel dazu Mobilitätsstationen mit MVG-Mieträdern, Car-Sharing-Parkplätzen, Ladesäulen für E-Autos oder Fahrrad-Pumpstationen entstehen. Derartige Mobilitätskonzepte seien ein „unumkehrbarer Prozess“ im Sinne einer hohen Lebensqualität in Innenstädten, sagte Gerd Schuster von BMW.

Sinn von City2Share ist es, in ausgewählten Quartieren eine effizientere Nutzung des Straßenraums und eine Steigerung der Aufenthalts- und Wohnumfeld-Qualität zu erreichen. „Wir brauchen intelligente Lösungen“, so Martin Klamt vom städtischen Planungsreferat.

Frank Sportolari, Deutschlandchef von UPS, räumte ein, dass schwere und sperrige Pakete natürlich nach wie vor mit Fahrzeugen ausgeliefert würden. Aber von den täglich etwa 350 Stopps in der Isarvorstadt können laut Franz-Xaver Eckmann, Niederlassungsleiter für das zuständige Logistikzentrum in Garching, nun 270 bis 300 Stopps von Fahrrad-Kurierfahrern erledigt werden.

Klaus Vick, Sascha Karowski

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