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Demenz! Von Norwegen auf den Mittleren Ring

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Die Landshuter Allee © bod

München - Rätselraten um einen Norweger (64), der auf der Landshuter Allee herumirrte: Der an Alzheimer leidende Mann sollte eigentlich in einem norwegischen Pflegeheim sein.

Woher er kam, hat niemand gesehen. Wohin er wollte, wusste er selbst nicht mehr. Und so kam es, dass ein einziger, völlig harmloser Mann am Sonntagabend in München kurzzeitig fast für ein Verkehrschaos und zudem einen größeren Polizeieinsatz sorgte. Denn der ältere Herr stand auf der Mittelspur der schnellsten und vielbefahrensten Straße Münchens – dem Mittleren Ring!

Um 18.15 Uhr gingen bei der Münchner Polizei mehrere Handy-Notrufe von Autofahrern auf der Landshuter Allee ein: „Auf Höhe der Aral-Tankstelle läuft ein Fußgänger mitten auf dem Ring herum. Das ist absolut lebensgefährlich!“ Mit Blaulicht rasten mehrere Moosacher Polizisten los, konnten den Mann unverletzt von der Straße holen. Doch auf Ansprache reagierte er nicht, wirkte völlig verwirrt.

Ein Blick in seinen Ausweis lüftete zumindest einen Teil des Geheimnisses: Nordgaard S. (64) ist Norweger, lebt in der Stadt Fjellhamar östlich von Oslo und spricht kein Wort deutsch. Über die norwegische Botschaft in Berlin fand die Polizei seine Schwester, die in Braunschweig lebt. Auch sie hatte keine Ahnung, dass ihr Bruder in Deutschland ist.

Der 64-Jährige leidet unter der Alzheimer-Krankheit, hatte offensichtlich auch keinerlei Medikamente dabei. In Fjellhamar lebt er in einem Wohn- und Service-Center für alte und behinderte Menschen. Er wurde dort noch gar nicht als vermisst gemeldet.

Wie Nordgaard S. die gut 1600 Kilometer lange Reise nach München bewältigte, ist ein einziges Rätsel. Denkbar wäre, dass er vielleicht mit der Fähre von Oslo nach Kopenhagen fuhr und dort in den Nachtzug nach München stieg. Er war nicht unterkühlt und wirkte auch nicht übermäßig hungrig oder durstig. Nach einer Nacht in einer psychiatrischen Klinik wurde er am Montag von Botschaftsangehörigen abgeholt. Mittlerweile ist er offenbar wieder wohlbehalten in seine kleine Wohnung in Fjellhamar zurückgekehrt.

Dorita Plange, Markus Christandl und Armin Linder

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