In München steht kein Hofbräuhaus

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München ist ein Dorf.

München - Immer wieder muss man sich als Münchner von Nicht-Hiesigen sagen lassen: „München ist ein Dorf!“ Mit dieser Behauptung haben diese Leute vielleicht gar nicht mal Unrecht, kommt ganz auf die Betrachtungsweise an.

Immer wieder muss man sich als Münchner von Nicht-Hiesigen sagen lassen: „München ist ein Dorf!“ – Diese Menschen wissen nicht, dass München die besten und meisten Orchester, das größte deutsche Opernhaus, die (mit Berlin) herrlichsten Museen, eine höchst lebendige Theaterszene und vieles mehr hat. Und natürlich den FC Bayern.

Doch vielleicht meinen diese Menschen ja das etwas andere München. Und dann hätten sie recht. Dieses München liegt im tiefsten Niederbayern nördlich von Passau, gehört zur Gemeinde Hutthurm, ist noch einmal rund 400 Jahre älter als die Millionenstadt. In diesem München steht kein Hofbräuhaus. Und: Es ist nur ein paar Fahrminuten von Prag entfernt. Doch davon später.

Draxinger ist Münchens Chef

Wir entdecken den Ort mit dem Finger auf der Landkarte. Hier unser Bericht über München 2, das nur strahlt, weil es so schön ist. München liegt 504 Meter über dem Meer und ist, laut Kalender der Gemeinde, „erfüllt von Hühnergegacker und Vogelsang. Obstbäume langen mit fruchtschweren Armen auf die Dächer“. Sie merken schon: Einem wahren Idyll sind keine poetischen Grenzen gesetzt. München hat derzeit ca. 150 Einwohner und wurde wahrscheinlich von Mönchen aus dem Benediktinerkloster Niederaltaich gegründet. Doch München ist vor allem eins: ein wahres Kleinod im Bayerischen Wald.

Das zeigt uns Max Draxinger (53), der dritte Bürgermeister der Gemeinde, hauptberuflich Krankenpfleger und derzeit Münchens Chef. Ohne Draxinger wäre uns auch der Weg zum Münchner Original verwehrt geblieben. Dem Pausl-Bauer. Der hat grad sein Mittags-Giggerl mit Knödl gegessen. Seit 1688 ist seine Familie als Bauern hier ansässig, sagt der 84-Jährige. Er selbst, Martin, ist mit drei Schwestern aufgewachsen. Mittlerweile hat er sieben Enkel. Einer seiner Verwandten hat 13 Kinder, erzählt der Pauslbauer. Und einer aus der Familie, der Grünberger Alfons, war Bürgermeister von Hutthurm.

Er selbst blickt, Ehrensache, auf eine lange Münchner Karriere zurück. War Gemeinderat, Feuerwehrkommandant und überhaupt „ein sehr geselliger Mensch“, schmunzelt Bürgermeister Draxinger. „Im großen München?“, fragt der Pauslbauer. „Ja, freilich war ich da schon. Auf dem Oktoberfest, zu Bayern-Spielen. Aber hier ist es schöner, friedlicher.“ Ihr München sprechen die Einwohner nicht „Minga“ aus, sondern „Minicha“. Und die Dorfkapelle ist zwar nicht ganz so groß und alt wie die Frauenkirche, passt sich aber herrlich ins, nun ja, Zentrum ein. Sie liegt quasi an der Hauptstraße, am Mittleren Ring, und wurde 1834 errichtet. Nach Prag sind es nur ein paar Kilometer, fünf Fahrminuten. Auch dieser Ort gehört zur Gemeinde Hutthurm (die übrigens ein eigenes, sehr wohlschmeckendes Bier hat) und ist, was kein echter Münchner bezweifeln würde, zwar deutlich größer, aber lange nicht so schön, alt (gegründet um 1000 n. Chr.) und idyllisch wie München.

Fleißige und strebsame Menschen

Und so faustdick hinter den Ohren dürfte es Prag auch nicht haben. Denn als einst OB Ude urlaubte, statt der Meisterfeier des FC Bayern beizuwohnen, schickte der Bürgermeister Baumann (CSU) ein Fax: „Ich lade den FC Bayern zur Meisterfeier nach München (Marktgemeinde Hutthurm) ein! Wir würden dem Rekordmeister einen rauschenden Empfang bereiten, und selbstverständlich würde ich als Bürgermeister von München persönlich anwesend sein“, steht da. Eine Antwort kam allerdings nicht. Dabei könnte sich jeder Fußball-Profi von den Münchnern eine Scheibe abschneiden. Über den Ort heißt es in einer Chronik: „Es wohnen dort fleißige und strebsame Menschen.“

Matthias Bieber

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