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München steht Schlange: Nach Lockdown nehmen Besucher für Nacht der Museen langes Warten gerne in Kauf

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Junge Leute unterwegs in Sachen Kunst: Vor dem „muca“ musste man in der Langen Nacht lange warten.
Junge Leute unterwegs in Sachen Kunst: Vor dem „muca“ musste man in der Langen Nacht lange warten. © Oliver Bodmer

Endlich wieder nachts im Museum. Am Samstag fand die erste Lange Nacht der Museen nach der Corona-Zeit statt und die Freude hätte nicht größer sein können.

Lange Schlangen vor den Museen. Jeder wollte die Nacht ausnutzen, um möglichst viel zu sehen und vielfältige Ausstellungen zu besuchen.

München: Nach Corona-Lockdown großer Ansturm bei Langer Nacht der Museen

Wer es einmal hineingeschafft hatte, war begeistert. Zum Beispiel Nikita Francini, 31, Arzthelferin aus München*, in der Villa Stuck. Sie war das este Mal bei der Langen Nacht dabei und stand nun vor Franz von Stucks so berühmtem wie komischem Bild „Dissonanz“ – auf dem der kleine Daphnis unbeholfen in die Panflöte bläst, sodass sich der gequälte Pan vor lauter Schreck die Ohren zuhält. „Das Bild ist echt lustig“, sagt Francini, „es verdeutlicht Dissonanz wirklich sehr gut.“

Interessiert: Familie Hölscher im Nationalmuseum
Interessiert: Familie Hölscher im Nationalmuseum. © Bodmer

Die Tickets waren heiß begehrt und bereits um 19.30 Uhr ausverkauft. Insgesamt 92 Ausstellungen und Museen nahmen an der Langen Nacht teil, die von 18 bis 1 Uhr dauerte. Auch Lichtinstallationen wie am Bayerischen Hauptstaatsarchiv (oder der St.-Korbinians-Kirche) gehörten in das Programm und begeisterten die Zuschauer. Hier erstrahlten alte Schriftstücke auf der Fassade des Gebäudes, um den Besuchern dessen Bedeutung näherzubringen. Sie ist noch bis 14. November zu sehen. Das Nationalmuseum hat sich anlässlich des 200. Geburtstages von Prinzregent Luitpold eine Sonderausstellung über Abrisse seines Lebens einfallen lassen. Darin sind auch Kopfbedeckungen des Prinzregenten zu sehen und ein gewaltiger Tafelaufsatz, den Luitpold zu seinem 25-jährigen Thronjubiläum erhielt. „Wir waren hier noch nie“, sagte Birgit Hölscher (42), die mit ihrem Mann Axel (46) und Tochter Marie gekommen war. „Aber dafür gibt es ja die Lange Nacht der Museen, da haben wir uns vorgenommen, mal zu schauen, ob etwas für unsere Tochter dabei ist.“

München: Sonderausstellung über das Nachtleben ging vielen Besuchern nahe

Das sudetendeutsche Museum in der oberen Au zeigt die Tradition und die Geschichte der Sudetendeutschen. Lesungen im zweiten Stock begleiten diese. „Ich finde die Ausstellung sehr interessant, ich glaube, weil mein Opa Sudetendeutscher ist“, sagte Studentin Judith Kaiser (23), die mit ihrer Freundin Lara Fernandez Brudny (20) vorbeigeschaut hatte. Auch Lara zeigte sich beeindruckt: „Für mich ist die Diskussion über Identität sehr interessant, weil ich selber nicht aus Deutschland bin und die Diskussion über das Daheimsein betrifft mich ja auch.“

„Dass die so wild waren . . .“: Sarah und ihr Vater Torsten Opitz in der Clubkultur-Schau im Stadtmuseum.
„Dass die so wild waren . . .“: Sarah und ihr Vater Torsten Opitz in der Clubkultur-Schau im Stadtmuseum. © Bodmer

Die Sonderausstellung im Stadtmuseum über das Nachtleben in München ging vielen Besuchern nahe – war das Nachtschwärmen doch Corona-bedingt lang nicht möglich. „Clubkultur, das ist ja auch Historie“, sagte Torsten Opitz (54) aus Dorfen, der mit Tochter Sarah (21) durch die Ausstellung streifte. Die musste feststellen, dass frühere Generationen es ganz schön krachen ließen: „Es war für mich schon erstaunlich, dass es so wild war.“

Amüsiert: Nikita Francini in der Villa Stuck
Amüsiert: Nikita Francini in der Villa Stuck. © Bodmer

Letztlich fanden die Besucher die langen Wartezeiten vor den Museen von bisweilen mehr als einer halben Stunde gar nicht so wild. Denn sie wussten: Das Warten würde sich lohnen. MARIE-THERES WANDINGER *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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