222-Millionen-Projekt

Stellwerk Ost: Weichenstellung für mehr Pünktlichkeit bei der S-Bahn

Stellwerk Ost: Die zentrale Schaltstelle für den Schienenverkehr am Ostbahnhof München (Archivfoto).
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Stellwerk Ost: Die zentrale Schaltstelle für den Schienenverkehr am Ostbahnhof München (Archivfoto).

„Störung am Stellwerk“ - für S-Bahn-Chaos in München ist oft eine marode Schaltzentrale verantwortlich. Das ist bald Geschichte.

München - Das Stellwerk am Ostbahnhof ist berühmt-berüchtigt – selbst beim Bayerischen Ministerpräsidenten. „Das alte Relais-Stellwerk hat viele Jahre lang gute Arbeit geleistet, aber inzwischen ist es schlichtweg überfordert“, erklärte Markus Söder (CSU). Ständig dessen Störungsanfälligkeit, die sich auf die ganze Region auswirken würden. „Jedes Mal bricht am Bahnsteig das Chaos aus.“ Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) liege ihm ständig mit den Klagen über das störanfällige Ostbahnhof-Stellwerk aus den 60er-Jahren in den Ohren.

Das soll nun bald vorbei sein. Die Bahn baut an der Friedenstraße, direkt gegenüber vom Technischen Rathaus, ein neues Stellwerk. „Neben der zweiten Stammstrecke ein Schlüsselelement des Bahnausbaus in München“, sagte Ronald Pofalla, ehemaliger CDU-Kanzleramtschef, Bundesminister für besondere Aufgaben und jetzt Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn. „Die Münchner S-Bahn ist das Rückgrat der Mobilität in der ganzen Region.“ Damit noch mehr Menschen vom Auto auf die klimafreundliche Bahn umsteigen, brauche es ein zuverlässiges und pünktliches Angebot.

München-S-Bahn: Nie wieder Stellwerkstörung ab Mitte 2023?

Im Mai hat das Bundeseisenbahnamt grünes Licht für den Bau des neuen Stellwerks gegeben. „Das wurde deutlich schneller abgewickelt als üblich“, lobte Pofalla. Im Oktober sollen die Baumaßnahmen starten. Mitte 2023 soll es schrittweise in Betrieb gehen, wie von Beginn an vorgesehen. Er habe etwas am Zeitplan gezweifelt, gab Söder zu. „Die Bahn ist manchmal wie der Vatikan: Es kommt schon irgendwann, aber man denkt halt in größeren Zeitzonen.“ 

München: Stellwerk Ost - 222 Millionen-Projekt für mehr Pünktlichkeit

222 Millionen Euro kostet das neue Stellwerk, von dem aus DB-Mitarbeiter per Mausklick zunächst rund 70 neue Signale und 60 Weichen steuern werden. Nach Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke werde auch dieser Bereich hinzukommen, später dann noch die Fernbahngleise und die Strecke nach Giesing. 

Gut angelegtes Geld, meinte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in seiner Video-Botschaft. Im Nahverkehrshotspot seien täglich rund 840.000 Menschen unterwegs. „Die Digitalisierung des Schienenknotens München ist ein Hauptbaustein für den Bahnausbau in Bayern.“

Man dürfe sich da nicht „drei Leute vorstellen, die an einem Schaltsystem rumfummeln, das sind hochkomplexe Steuerungselemente und Superprofis“, so Söder. Hier entstehe ein „echt hochwertiges digitales Kompetenzzentrum“. Tatsächlich wird es aber „nur“ ein elektronisches, kein digitales Stellwerk. „Aber mit ganz starken digitalen Elementen“, meinte der Ministerpräsident auf Nachfrage. Er hoffe, dass das alte Werk noch zwei Jahre einigermaßen störungsfrei durchhalte. „Da die Stammstrecke nun doch länger braucht, wäre es ein echtes Problem gewesen, mit dem alten Stellwerk noch so lange weiterzumachen.“ So aber werde „das Gehirn des öffentlichen Nahverkehrs im Großraum München auf eine neue Bewusstseinsstufe gestellt“.

Sind am Zug: Markus Söder und DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla.

München und das Umland wüchsen, „wir wollen hier zur Modellregion für ganz Deutschland werden“. Die Mobilität spiele dabei eine zentrale Rolle. Die geplanten Verbesserungen – mehr Züge, besserer Service im Zug, dazu ein reibungsloser Ablauf – hätten auch etwas mit Lebensqualität zu tun, betonte Söder. Das Bekenntnis zu einem starken ÖPNV und zu besserem Klimaschutz könne jedoch funktionieren, wenn man die Akzeptanz der Bürger habe – was mittlerweile zum dauerhaften Spagat geworden sei. Wie zum Beweis protestierten vor dem Gelände die Bürgerinitiativen für den Bahntunnel Johanneskirchen und für eine anwohnerfreundliche Trasse der Truderinger/Daglfinger Kurve.

360-Grad-Videos der 2. Stammstrecke: So sehen die neuen Haltestellen aus

Einschränkungen auf der Stammstrecke an den Wochenenden

Im Jahr 2028 soll die zweite Stammstrecke in Betrieb gehen – dafür wird schwer gewerkelt. An den kommenden sechs Wochenenden ist die bestehende Stammstrecke wieder betroffen (16. Juli bis 23. August), sie kann nur auf einem Gleis durchfahren werden.

  • Start ist am Freitag, 16. Juli 2021 von 22.30 Uhr durchgehend bis Montag, 4.30 Uhr.
  • Es kommt zu Fahrplanänderungen und Umleitungen.
  • Nur die S6 und S7 fahren an diesen Wochenenden ohne Unterbrechungen durch die Stammstrecke. Alle anderen Linien enden vorzeitig und/oder werden umgeleitet.
  • Zwischen Hackerbrücke und Ostbahnhof fährt außerdem die S8. Zwischen Pasing (Gleis 2) und Heimeranplatz (Gleis 11) verkehrt zudem – jeweils am Samstag von 8 bis 21 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 19 Uhr – eine Pendel-S-Bahn (S20) im 20-Minuten-Takt.

An den Wochenenden laufen laut Bahn, insbesondere Kabel- und Brückenarbeiten sowie Arbeiten an der Oberleitung zwischen Laim und Donnersbergerbrücke. Zudem finden Vorabmaßnahmen für das Tunnelportal an der Donnersbergerbrücke statt (Brunnenbohrarbeiten). Carmen Ick-Dietl *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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