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Steuer frisst das Erbe auf: Mit diesen Tipps sparen Münchner jetzt Millionen

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Von: Andreas Thieme

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Erbe richtig ausschlagen
Nach dem Erbe die Vermögens- und Schuldverhältnisse eines Verstorbenen zu analysieren, kann ganz schön aufwendig sein. © Christin Klose/dpa-tmn

Aufgrund der seit Jahren steigenden Immobilienwerte wachsen die zu vererbenden Nachlassvermögen. Dies führt dazu, dass selbst in normalen Familienverhältnissen hohe Erbschaftsteuer anfallen kann - teilweise Millionen Euro. Wie man die Steuer reduzieren kann, erklärt ein Münchner Fachanwalt und gibt Tipps.    

München - Wer in München erbt, ist oft Millionär - aber nur auf dem Papier. Denn gerade bei Immobilien ist das Vererben aufgrund der geltenden Steuergesetze sehr schwierig. Häuser steigen seit Jahren im Wert, doch der Staat kassiert mit - oft bis zu zwanzig Prozent, was Hinterbliebene in Bedrängnis bringen kann, wenn sie plötzlich siebenstellige Summen ans Finanzamt zahlen sollen, um das Haus des Vaters zu übernehmen. Der Münchner Fachanwalt Prof. Dr. Wolfgang Böh beschäftigt sich seit Jahren mit der Thema Erbschaftssteuer. Um sie zu reduzieren, gibt es folgende Tipps.

Tipp 1: Lebzeitige Schenkung

Eltern haben je Elternteil für jedes Kind alle zehn Jahre einen Freibetrag von 400 000 Euro. Gibt es also zwei Kinder, so können die Eltern insgesamt 1,6 Millionen Euro Vermögenswerte schenkungsteuerfrei weitergeben. Diese Möglichkeit wird häufig in jungen Jahren übersehen. Wenn die Elterngeneration dann bereits betagt ist und zwischen der Schenkung und dem späteren Erbfall weniger als zehn Jahre liegen, ist dieser Vorteil verspielt.   

Tipp 2: An die Enkel denken

Wenig bekannt ist, dass Großeltern gegenüber den Enkel jeweils und alle zehn Jahre einen Freibetrag von 200 000 Euro haben. Haben beide Kinder im obigen Beispiel jeweils ein Kind, so können die Großeltern an beide Enkelkinder insgesamt 800 000 Euro steuerfrei verschenken. In der Praxis scheuen sich Großeltern davor, lebzeitig an Enkel zu schenken. Jedenfalls sollte aber an eine testamentarische Begünstigung der Enkel gedacht werden, damit diese Möglichkeit ausgeschöpft wird.   

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Tipp 3: Ein Testament errichten

Die gesetzliche Erbfolge kombiniert in der Regel erbrechtliche und steuerliche Vorstellungen nicht optimal. Zu empfehlen ist auch nicht die standardisierte Lösung eines sogenannten Berliner Testaments. Vielmehr ist es sinnvoll, ein erbrechtlich passendes Testament beraten zu lassen, dass dann steuerlich optimiert wird. Ein Beispiel hierfür ist, dass die Kinder im ersten Erbfall der Eltern nicht leer ausgehen, da ansonsten der Freibetrag nach dem erstversterbenden Elternteil verloren geht. Dies lässt sich lösen, indem die Kinder im ersten Erbfall Vermächtnisse in Höhe des Steuerfreibetrags erhalten.   

Tipp 4: Die persönliche Situation berücksichtigen

Viele persönliche Komponenten sind steuerlich erheblich, etwa ob man in einem steuerbefreiten Familienheim lebt, als verheiratetes Ehepaar die Steuerfreibeträge nutzen kann oder unverheiratet lediglich einen Freibetrag in Höhe von 20 000 Euro hat - aber auch, in welchem ehelichen Güterstand man lebt und wie die Vermögensverhältnisse von Eheleuten gestaltet sind. Das gilt auch in anderen Lebenssituationen eines Erblassers, etwa wenn dieser kinderlos ist. Durch eine rechtliche Gestaltung im Einzelfall lässt sich noch einiges erreichen.    

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