Strafbefehl über 75 000 Euro

Strafprozess um Retorten-Babys

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Der Angeklagte Rainer O. mit seinem Verteidiger Sewarion Kirkitadse (links).

München - Ist dieser Mann kriminell, nur weil er half, Frauen den Wunsch nach einen Baby zu erfüllen? Rainer O. (62) kämpft vor dem Amtsgericht München gegen einen Strafbefehl über 75.000 Euro.

Ist dieser Mann kriminell, nur weil er half, Frauen den Wunsch nach einen Baby zu erfüllen? Rainer O. (62), Chef des früheren Kinderwunsch-Informationszentrums Deutschland (KID) in Ottobrunn, kämpft vor dem Amtsgericht München gegen einen Strafbefehl über 75 000 Euro.

 Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: „Beihilfe zur missbräuchlichen Anwendung von Fortpflanzungstechniken in 19 Fällen.“

Der Angeklagte vermittelte Frauen, die sich ein Baby wünschten und dieses auf natürlichem Weg nicht bekommen konnten, an Gynäkologen in Bregenz (Österreich). Dort gilt das strikte deutsche Embryonenschutzgesetz nicht, das die In-vitro-Fertilisation (Befruchtung im Glas) regelt. In Deutschland dürfen maximal drei Eizellen befruchtet werden. Die Chance auf eine Schwangerschaft ist dabei gering.

Auf der Internetseite (www.kinderwunsch-ivf.de) warb das Unternehmen für eine Methode, die die Schwangerschafts-Wahrscheinlichkeit deutlich erhöhen soll, aber bei uns verboten ist: Die Patientinnen erhalten Hormone, damit eine größere Anzahl von Eizellen parallel heranreifen. Nach etwa zwei Wochen werden diese fruchtbar gemacht. Die Ärzte entnehmen dann 10 bis 18 Eizellen, die befruchtet werden. Nach zwei Tagen sind achtzellige Embryonen entstanden, die dann in die Gebärmutter eingesetzt werden.

Alle Ärzte, die Frauen zwecks Fertilisation ins Ausland vermittelten, haben Strafbefehle erhalten. Viele zahlten. Vermittler Rainer O. jedoch wehrt sich. Sein Verteidiger Sewarion Kirkitadse regte mehrfach eine Einstellung des Verfahrens an.

Doch die Staatsanwältin blieb hartnäckig: Man könne auch 50 Patientinnen im Zeugenstand antanzen lassen. Kirkitadse nennt das ein „völlig unverhältnismäßiges Spießrutenlaufen der Frauen“. Der Prozess geht weiter.

Eberhard Unfried

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