Keine Einigung im Tarifstreit

Mit Wut im Bauch auf die Münchner Theresienwiese: Worum es bei den Streiks geht - Debatte um Berechtigung

Rund 450 Tarifbeschäftigte des öffentlichen Diensts kamen auf der Theresienwiese zusammen. Sie fordern bessere Gehälter und Wertschätzung
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Rund 450 Tarifbeschäftigte des öffentlichen Diensts kamen auf der Theresienwiese zusammen. Sie fordern bessere Gehälter und Wertschätzung.

Beim Tarifstreit im Öffentlichen Dienst legten erneut Beschäftigte in München die Arbeit nieder. Das Angebot der Arbeitgeber hatte für Wut statt Freude gesorgt. Doch es gibt Kritik.

  • In München* hat Verdi am Montag, den 19. Oktober erneut zum Streik im öffentlichen Dienst aufgerufen.
  • Kitas, Kliniken und Abfallwirtschaft waren betroffen. Auf der Theresienwiese versammelten sich Tausende.
  • Bereits am Freitag waren Beschäftige Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi gefolgt.
  • Viele Menschen äußern Verständnis, andere wiederum Kritik. Sind die Forderungen berechtigt oder maßlos?

Update vom 19. Oktober: Zornig halten die Streikenden ihre Plakate in die Höhe: „Jetzt seid ihr dran!“ ist dort zu lesen. Oder auch: „ Wir sind es wert!“ Rund 450 Tarifbeschäftige im öffentlichen Dienst waren am Montag um 9 Uhr auf die Theresienwiese gekommen, um ihren Unmut über das Verhandlungsangebot zu äußern. Insgesamt legten rund 2800 Beschäftigte in ganz München ihre Arbeit nieder. Zur Erinnerung: Erst am Freitag hatte die Arbeitgeberseite 3,5 Prozent für drei Jahre geboten – die Gewerkschaft fordert jedoch 4,8 Prozent für ein Jahr!

Daher wurden die Warnstreiks kurz vor dem Beginn der dritten Verhandlungsrunde am Donnerstag nochmals ausgeweitet. In großer Zahl waren Beschäftige aus der Kinderbetreuung beteiligt, sprich aus Kitas, Krippen und Co. Rund 200 Einrichtungen mussten ganz oder teils schließen. Ebenso betroffen waren die Städtischen Kliniken, die Abfallwirtschaftsbetriebe, das Bau- und Sozialreferat sowie die Stadtentwässerung. Kritik an den Warnstreiks während der Pandemie gab es vom Deutschen Städtetag. In Corona-Zeiten seien die Menschen genug belastet.

Streik in München: Das sagen Protestierende zu der neuerlichen Arbeitsniederlegung

„Ich bin hochzufrieden“, resümiert hingegen der Münchner Verdi-Chef Heinrich Birner den Streiktag. Besonders die Entschlossenheit habe ihn beeindruckt. Dies sei ein wichtiges Zeichen für die Verhandlungen. Wir haben mit Streikenden gesprochen:

Valentin D. (25), Ergotherapeut im Klinikum Neuperlach: Ich will ein Zeichen setzen, sowohl für die Pflegekräfte als auch für meine Berufsgruppe. Seit Jahren werden uns die therapeutischen Mittel gekürzt, oft werden wir belächelt. Dabei sind wir so wichtig für das klinische System. Denn auch wir haben mit Corona-Patienten gearbeitet und hatten das Risiko. Eine Infektionszulage oder den Bonus haben wir aber nur bedingt bekommen.

Monika B. (41), Pflegekraft im Klinikum Harlaching: Ich streike für mehr Lohn und vor allem mehr Wertschätzung. Uns geht der Nachwuchs aus. Sowohl wegen der Bezahlung als auch wegen der schlechten Arbeitsbedingungen. Das Angebot vom Freitag ist ein Witz. Die Arbeitgeberseite hat die Verbindung zur Basis verloren. Gerade in diesen Zeiten muss man sich wehren. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Roland G. (54), Personalrat bei der Stadtentwässerung: Wenn alle anderen daheim bleiben können, müssen unsere Mitarbeiter in den Kanälen und Kläranlagen trotzdem ran. Sie müssen den Laden am Laufen halten! Dafür bekommen sie zu wenig Wertschätzung. Das Angebot vom Arbeitgeberverband war unfair. Auch wenn ich die Kritik mancher an den Streiks verstehe, hoffe ich, dass es jetzt zum Umdenken kommt.

München: Erneut massive Streiks: Wen es am Montag besonders hart trifft

Ursprungsartikel vom 18. Oktober: Wenige Tage vor der nächsten Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst bleiben die Fronten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern verhärtet. Während der Deutsche Städtetag das Lohnplus von 3,5 Prozent bei einer Laufzeit von drei Jahren verteidigte, forderte die Gewerkschaft Verdi deutliche Nachbesserungen. Die nächsten Verhandlungen beginnen am Donnerstag in Potsdam, davor gibt es ab dem Wochenbeginn zahlreiche Warnstreiks.

München: Vielerorts wird am Montag im öffentlichen Dienst wieder gestreikt (Archivfoto).

Erneut kommt es am Montag bundesweit und auch in München zu mehreren Streiks im öffentlichen Dienst – und dieses Mal werden sie sogar noch ausgeweitet. Bereits vergangenen Mittwoch hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) über Facebook bekannt gegeben, dass an diesem Montag (19. Oktober) erneut die 430 städtischen Kitas bestreikt werden sollen. Reiter berief sich auf Informationen aus dem städtischen Bildungsreferat. Inzwischen hat die Gewerkschaft Verdi die Warnstreiks bestätigt.

Hier wird am Montag in München gestreikt

Des Weiteren hat die Gewerkschaft auch beim Baureferat und Sozialreferat, beim Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM), der Straßenreinigung, der Stadtentwässerung, den Stadtwerken, den Stadtbibliotheken, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Auch die Kliniken Schwabing, Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach und an der Thalkirchner Straße sowie das Isar-Amper-Klinikum Haar sind betroffen.

Warnstreiks in München - Verantwortlichen verteidigen ihr Vorgehen

„Wenn es jetzt am Montag zu einer Ausweitung der Warnstreiks kommt, dann tragen einzig und allein die öffentlichen Arbeitgeber die Verantwortung“, so Münchens Verdi-Chef Heinrich Birner. „Ich fordere die Arbeitgeberseite eindringlich auf, bei der Fortsetzung der Verhandlungen am 22./23.10. ein Angebot vorzulegen, mit dem eine Einigung erzielt werden kann. Bereits am Freitag waren rund 1800 Beschäftige aus dem Münchner öffentlichen Dienst dem Streikaufruf der Gewerkschaft gefolgt – eine „sehr gelungene Generalprobe“ für heute, so Birner. (LMB) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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