Leere Haltestellen, volle Straßen

„Kein guter Tag für unsere Fahrgäste“: Streik im Nahverkehr nervt Münchner - hier machen sie ihrem Ärger Luft

Leere Haltestellen, volle Straßen und orientierungslose Pendler – so sah der Streik-Montag bei U-Bahn-, Tram- und Busverkehr in München aus. Leidtragende waren wieder die Fahrgäste.

  • Am Montag (26. Oktober) wurde das Nervenkostüm von Pendlern in München* wieder auf die Probe gestellt.
  • Verdi hat zum Streik im öffentlichen Nahverkehr aufgerufen, um Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen.
  • Am Freitag steht die nächste Verhandlungsrunde an. Wir haben Betroffene nach ihrer Meinung gefragt.

München - Leere Haltestellen, volle Straßen und orientierungslose Pendler – so sah am Montag der Streiktag bei U-Bahn-, Tram- und Busverkehr in München aus. Entsprechend genervt reagierten viele Fahrgäste (siehe Umfrage unten). Immerhin: Rund die Hälfte der sonst in der Hauptbetriebszeit verkehrenden 550 Busse war laut Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) unterwegs.

Bei den Trambahnen war das Angebot schon deutlich dünner: Die Linien 19 und 25 fuhren im 10- bis 20-Minuten-Takt, sonst ging nichts. Bei der U-Bahn konnten sich die Passagiere nur auf die U6 verlassen. „Insgesamt kein guter Tag für unsere Fahrgäste“, resümierte MVG-Sprecher Matthias Korte.

Streik in München und ganz Bayern: Verdi erhöht Druck auf die Arbeitgeberseite

Die Gewerkschaft Verdi wollte mit der Aktion vor der dritten Verhandlungsrunde am Freitag Druck auf die Arbeitgeber machen. Sie kritisiert das bisherige Angebot der Arbeitgeber als zu unkonkret und nicht ausreichend. Diese hatten nach eigenen Angaben unter anderem eine Erhöhung um 3,5 Prozent bei einer Laufzeit bis Ende August 2023 sowie eine einmalige Corona-Sonderzahlung von 300 Euro angeboten.

Insgesamt streikten rund 1400 Mitarbeiter des ÖPNV in allen größeren Städten Bayerns. Stimmen genervter Pendler in München:

München: Das sagen Pendler zu neuerlichem Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr

Michelle P.: (20), Berufsschülerin: Es reicht! Das ist schon der dritte Streik in diesem Monat. Ich hoffe sehr, dass es in diesen Tarifverhandlungen bald zu einer Einigung kommt.

Agron A. (47), U-Bahn- und Tram-Fahrer: Ich bin bereits seit 12 Jahren Angestellter im Münchner Nahverkehr und habe alleine dieses Jahr etwa 100 Überstunden angehäuft. Die Belastung wird von Jahr zu Jahr stärker und wir brauchen schnell bessere Arbeitsbedingungen für uns.

Fritz N. (80) und Ivka D. (65), Pensionisten: Der Arbeitgeber soll sich endlich erbarmen und den Bediensteten bessere Arbeitsbedingungen bieten. Die dauerhaften Streiks nerven. Wir sind auf die U-Bahn angewiesen und wissen nicht, wie wir jetzt von A nach B kommen sollen.

Dimitrios T. (25), IT-Spezialist: Ich wusste nichts von dem Streik und habe erst auf meinem Weg zur Arbeit davon erfahren. Leider fährt jetzt gar nichts mehr zu meiner Arbeitsstelle, deswegen muss ich ab dem Hauptbahnhof ein großes Stück zu Fuß laufen. Ich hoffe, ich komme trotzdem noch pünktlich.

In ganz Bayern standen viele Busse und Bahnen am Montag still - ein Bild aus München schockiert besonders. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

Rubriklistenbild: © Lino Mirgeler/dpa

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