U-Bahnen stehen still

München droht großes Streik-Chaos: Besonders ungemütlicher Tag bahnt sich an - MVG warnt schon

 Ein fast menschenleere U-Bahn steht in der U-Bahn Station Marienplatz.
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Am Dienstag wird der U-Bahn-Verkehr in München eingestellt.

In München werden am Dienstag die U-Bahnen stillstehen. Alle Infos zum geplanten Streik, der auch die Landeshauptstadt betrifft.

  • Seit mehreren Tagen gibt es bundesweit Streiks im öffentlichen Dienst.
  • Ab ­Montag (28. September) wird nun auch München lahmgelegt. Betroffen sind zentrale Stellen: Krankenhäuser, Kreisverwaltungs- und Baureferat, Stadtwerke und Bibliotheken.
  • Der Nahverkehr ist besonders am Dienstag (29. September) betroffen.

Update vom 28. September, 14.07 Uhr: Vor allem am morgigen Dienstag sollen Bus und Bahnen zeitweise stehen bleiben - und das bundesweit. In München muss von „frühmorgens" bis 18 Uhr mit erheblichen Einschränkungen gerechnet werden.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bereitete die Kunden auf „erhebliche Einschränkungen bei U-Bahn, Tram und Bus“ vor. In München soll aber ein Teil des Linienverkehrs aufrechterhalten werden. Dies gehe aber aus Sicherheitsgründen nicht bei der U-Bahn, nur Busse und Straßenbahnen könnten im eingeschränkten Betrieb fahren, teilte das Kommunalunternehmen mit.

Update vom 28. September, 9.09 Uhr: „In manchen Teilen sind es ein paar Stunden, in anderen Teilen ist es der ganze Tag“, sagte der Gewerkschaftssprecher in Bayern, Hans Sterr, am Montag zur Dauer der Aktionen.

Für die kommenden Tage kündigte er an: „Es wird eine lebhafte Woche bleiben.“ Details wollte er noch nicht verraten, aber der öffentliche Nahverkehr wird in jedem Fall betroffen sein.

Streik in München: Kitas betroffen - OB Reiter wird für Aussage im Netz angefeindet

Update vom 27. September, 16.45 Uhr: Dass es in München zu Streiks im öffentlichen Dienst kommen wird, war schon länger bekannt. Bisher war aber nicht klar wo und wann diese stattfinden werden. Und auch am Sonntag bleiben die Verantwortlichen bei ihren Aussagen vage. MVG-Chef Ingo Wortmann sagt: „Wir können unseren Fahrgästen zum jetzigen Zeitpunkt nur raten, am Dienstag auf andere Verkehrsmittel auszuweichen.“

Vom Bildungsreferat der Stadt hieß es bisher nur, es lägen vorab „keine Erkenntnisse“ vor, in welchem Ausmaß die städtischen Kitas bestreikt werden. Merle Pisarz von der Gewerkschaft Verdi sagte aber zur tz: „Ich weiß, dass die Kita-Leitungen am Freitag angefangen haben, die Eltern anzurufen. Sie sollten mittlerweile informiert sein.“ Allerdings stand auch am Wochenende noch nicht endgültig fest, wie viele Kita-Beschäftigte aus welchen Einrichtungen streiken werden.

Streiks in München: Der Linienbetrieb im Nahverkehr könnte eingestellt werden

Planlosigkeit auch im Nahverkehr: „Nach wie vor ist unklar, in welchem Umfang U-Bahn, Tram und Bus von Arbeitskampfmaßnahmen betroffen sein werden“, teilte die MVG mit. Sie warnt Kunden, „dass es im Streikfall voraussichtlich zu erheblichen Einschränkungen kommen wird“. Wenn die U-Bahn bestreikt wird, müsse der Linienbetrieb aus Sicherheitsgründen eingestellt werden. Der Tram-Verkehr hänge von der Verfügbarkeit des Personals ab. Beim Bus könnte immerhin jedes zweite Fahrzeug zum Einsatz kommen. Wortmann: „Wenn wir bestreikt werden, wird der Platz in den verbleibenden Fahrzeugen knapp, sofern überhaupt ein sinnvoller Linienbetrieb möglich ist.“

Zu großen Massen-Kundgebungen soll es übrigens wegen Corona nicht kommen: Für die Kitas will Verdi am Montag am Marienplatz symbolisch Fotos streikender Erzieher aufhängen. Pläne im ÖPNV-Streik will Verdi ebenfalls am Montag veröffentlichen. Indes bekommt OB Dieter Reiter viel Gegenwind für seinen Kommentar zum Streik zu spüren. Er hatte betont, ihm fehle das Verständnis für einen Streik in der derzeitigen Corona-Krise. Auf Facebook wird dies als „nicht sehr wertschätzend“ und „schäbig“ kritisiert.

Im öffentlichen Dienst wird ab Montag in München gestreikt

(Erstmeldung) München - Seit Dienstag gibt es bundesweit Streiks im öffentlichen Dienst – ab kommenden ­Montag wird nun auch München* lahmgelegt! Betroffen sind zentrale Stellen: Krankenhäuser, Kreisverwaltungs- und Baureferat, Stadtwerke und Bibliotheken. Am meisten trifft es aber die ohnehin coronageplagten Eltern: Viele Kitas sind am Montag zu! Und am Dienstag kommt es noch härter: Es soll laut Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zu „erheblichen Einschränkungen“ bei U-Bahn, Tram und Bus kommen.

Corona als Grund für den Streik: „Respekt sieht anders aus“

Die Corona*-Pandemie wird von der Gewerkschaft Verdi als Argument für den Streik herangezogen. Während des Lockdowns sei deutlich geworden, wie wichtig der öffentliche Dienst für das Funktionieren des Gemeinwesens ist. Dennoch hätten die Arbeitgeber – Bund und Kommunen – auch in der zweiten Verhandlungsrunde wieder kein Angebot vorgelegt. „Respekt und Anerkennung sieht anders aus“, heißt es von Verdi München.

Besonders die Kita-Beschäftigten sind sauer – weil sich München nicht an den bayerischen Hygieneplan gehalten habe. Demnach wäre ja ab einer Inzidenz über 50 die dritte Stufe mit starken Einschränkungen in Kraft getreten. Die Behörden beriefen sich aber auf den „Handlungsspielraum“ der Kommunen und beließen es trotz der hohen Infiziertenzahlen bei der zweiten Hygiene-Stufe. Ihr Gesundheitsschutz sei in Gefahr, sagen nun viele Erzieher. Zig städtische Kitas schließen deshalb am Montag wohl komplett. Besonders hart: Weil wegen Corona die Kinder der einzelnen Gruppen momentan nicht gemischt werden dürfen, kann auch keine Notbetreuung angeboten werden. Das Bildungsreferat teilte aber mit: „Die Besuchsgebühren und das Verpflegungsgeld für ausgefallene Betreuungstage werden den Eltern automatisch erstattet.“ An vielen Kitas wie etwa an der Klenzestraße gab’s am Freitag Ärger mit empörten Eltern, die kurzfristig von den Einschränkungen am Montag erfuhren.

Ein Warnstreik in Deutschland (Symbolbild).

Streik in München: Nahverkehr, Schwimmbäder und Operationssäle betroffen

Der montägliche Streik bei den Stadtwerken, dem Baureferat, den Bibliotheken und einzelner KVR-Mitarbeiter wird bei den Münchnern nicht stark zu spüren sein – es könnte aber sein, dass Schwimmbäder geschlossen bleiben. Gravierender sind die Streiks beim städtischen Klinikum. Win Windisch von Verdi: „Geplante Operationen werden an diesem Tag verschoben.“

All diese Streiks sind erst einmal beschränkt auf Montag. Stressig wird es ab Dienstag: Bundesweit ruft Verdi zu Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr auf. Was das genau für München bedeutet – das will Verdi offiziell erst am Montag verkünden. Die MVG rechnet mit starken Einschränkungen, will aber zumindest einen Teil des Linienbetriebs von Bus, ­U-Bahn und Tram aufrechterhalten. Der MVV erwartet, dass sich der Streik auf München konzentriert und MVV-Busse in den umliegenden Landkreisen vom Streik verschont bleiben. Eine gute Nachricht gibt es noch: „Die S-Bahn ist nicht betroffen“, teilt die Bahn mit Andrea Stinglwagner, Dirk Walter

Das sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter zu den Streiks

„Ich habe es immer unterstützt, wenn Beschäftigte für bessere Bezahlung oder bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gehen – nicht umsonst bin ich selbst seit über 40 Jahren Gewerkschaftsmitglied. Und natürlich weiß ich, was Erzieherinnen und Erzieher leisten, nicht nur, aber besonders während der laufenden Pandemie. Es ist deshalb ein berechtigtes Interesse, dass sie besser bezahlt werden wollen. Aber für den jetzt angekündigten Warnstreik, der nächste Woche auch die Münchner Kitas treffen soll, fehlt mir jegliches Verständnis. Ich halte dies zum jetzigen Zeitpunkt, mitten in einer der größten Gesundheitskrisen weltweit und nach Monaten der Notbetreuung und schwierigen Situation für die Eltern, schlicht für verantwortungslos.“ - Oberbürgermeister Dieter Reiter

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