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Mieses Schulessen in München lässt Eltern verzweifeln: Schwere Vorwürfe gegen Stadt

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 Schulessen-Hiersesuppe
Miese Mensa: Um das Schulessen am Oskar-von-Miller-Gymnasium ist ein Zoff entbrannt (Symbolfoto). © Klaus-Dietmar Gabbert

Das Schulessen in München ist durchwegs schlecht, was laut Eltern und Pächtern an Knebelverträgen der Stadt München liegt. Pikant: Die Rathaus-Mensa unterliegt diesen Zwängen nicht.

München – Am Oskar-von-Miller-Gymnasium wechselt zum kommenden Schuljahr der Mensa-Betreiber, auch weil Schüler und Eltern mit der Qualität des Essens nicht zufrieden sind. Schulleitung und Elternbeirat sehen ein „systemisches Problem“ – und werfen der Stadt München vor, sich auf Kosten der Schüler zu bereichern.

Eltern erheben deftige Vorwürfe gegen die Stadt München

Alles ganz klar rechtlich geregelt, sagt die eine Seite. Die Stadt wolle sich auf Kosten der Schüler bereichern, sagt die andere. Fest steht: Um den Betrieb der Mensa am Oskar-von-Miller-Gymnasium in Schwabing ist ein handfester Streit ausgebrochen. Dabei scheint die Sache eigentlich ganz einfach.

Der Vertrag mit dem bisherigen Essensversorger an der Schule ist ausgelaufen, zu Beginn des kommenden Schuljahrs übernimmt ein neuer Betreiber. Schulleitung und Elternbeirat haben sich auch schnell auf einen Wunschkandidaten geeinigt: die „BrotUndKaffee GmbH“ des Münchner Schulverpflegungsgroßhändlers Günther P. Sporrer.

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„Knebelverträge“ der Stadt München für Mensabetreiber

Der Vorwurf an die Stadt lautet jetzt aber: Indem die Verwaltung „steif und starr“ auf einem Standardpachtvertrag für Mensabetreiber bestehe, mache sie eine qualitativ hochwertige Essensversorgung der Schüler generell unmöglich.

Die bisherige Mensa-Situation am Oskar-von-Miller-Gymnasium ist nicht länger hinnehmbar, sind sich Schulleitung und Elternbeirat einig. Das Essen werde lieblos „auf den Teller geklatscht“, die Schüler seien logischerweise nicht begeistert, entsprechend viel werde weggeschmissen, klagt Schulleiterin Angelika Schneider.

Schlechte Noten für das Schulessen „enttäuschende Qualität des Essens“

Elternbeirat Stefan Sippell spricht von „der enttäuschenden Qualität des Essens“, das den Kindern in der Mittagspause vorgesetzt werde, und fügt hinzu: „Unter den von der Stadt vorgegebenen Rahmenbedingungen scheint es den Mensabetreibern allerdings kaum möglich zu sein, etwas Besseres als diesen Mampf auszugeben.“ Die nahe liegende Lösung: Den Mensabetreiber wechseln, und alles wird besser – würde man zumindest meinen. Aber so einfach scheint es eben gerade nicht zu sein.

Die „BrotUndKaffee GmbH“ ist bereits an mehreren weiterführenden Schulen in München für die Pausenverpflegung zuständig – die Eltern seien angetan, das Essen „um Welten besser“ als bisher am Oskar-von-Miller-Gymnasium, schwärmt Schneider. Wie an einem Buffet sollen sich die Schüler in Zukunft ihr Gericht selber zusammenstellen können und nicht mehr zwischen zwei fertigen Alternativen wählen müssen.

Oskar-von-Miller-Gymnasium
Das Oskar-von-Miller-Gymnasium in München Schwabing ist noch eine Baustelle. © Bodmer

Stadt München verlangt Umsatzpacht in Schulen – in der Ratshauskantine aber nicht

Damit der neue Betreiber einsteigen kann, muss er aber zuerst noch einen Vertrag mit der Stadt unterschreiben – der in Wahrheit die Wirkung eines „Knebelvertrags“ habe, wie Elternbeirat Sippell findet. Neben Vorgaben, etwa zu der Anzahl der angebotenen Gerichte, verpflichtet er den Betreiber zur Abfuhr einer Umsatzpacht an die Stadt. Und hier liege das größte Problem.

Er verlange für ein Mittagessen 4,50 Euro, rechnet Sporrer vor. Davon gehe ohnehin die Mehrwertsteuer weg, plus fünf Prozent Umsatzpacht. Am Ende blieben ungefähr 3,50 Euro übrig, von denen er Waren und Personal zahlen müsse. „Die Rechnung geht schlicht nicht auf.“ Das fast zwangsläufige Ergebnis an den Schulen: „schlechtes Essen, häufige Pächterwechsel, unzufriedene Eltern“.

Die Stadt aber verschließe ihre Augen vor den Zuständen, so Sporrer: „Die mauern und sagen, das ist ihnen egal.“ Dabei dürften städtische Kantinen wie die Rathauskantine pachtfrei betrieben werden. Schulleiterin Schneider sieht darin ein „systemisches Problem“. Konsens: Die Stadt wolle auf ihre Pachteinnahmen nicht verzichten und nehme dafür eine schlechte Versorgung der Schüler in Kauf.

Stadt München weist Kritik zurück

Auf die Vorwürfe angesprochen, verweist das Referat für Bildung und Sport (RBS) auf „grundlegende Pachtbedingungen“, die nun einmal nicht einfach so geändert werden könnten. Dafür sei der Stadtrat zuständig. Außerdem gebe es an städtischen Schulen „zahlreiche Beispiele, die belegen, dass ein wirtschaftlicher Betrieb der Schulmensen auch unter den aktuellen Rahmenbedingungen möglich ist“. Dennoch sei dem RBS ein „Spannungsverhältnis“ zwischen Qualität auf der einen und Kostendruck für die Mensabetreiber auf der anderen Seite bewusst.

Und jetzt? Schulleitung und Elternbeirat des Oskar-von-Miller-Gymnasiums haben einen „runden Tisch“ mit der Stadtverwaltung ins Spiel gebracht, um „die Rahmenbedingungen neu zu gestalten“. Dem werde man sich nicht verschließen, heißt es aus dem RBS. Essensversorger Sporrer will den Pachtvertrag für die Mensa für das kommende Schuljahr „voraussichtlich“ unterschreiben. Gleichzeitig arbeitet er aber auf eine Interessenvertretung der Schulmensa-Pächter hin – „denn die Dinge schreien nach einer grundlegenden Veränderung“. David Numberger

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