1. tz
  2. München
  3. Stadt

Streit um Stachus-Projekt: Automesse ja, Naturschutz nein? – KVR weist Vorwürfe zurück

Erstellt:

Von: Sascha Karowski

Kommentare

Der Stachus Brunnen in München: Hier hätte das „Living City Lab“ stattfinden sollen - Ein Begegnungsort zum Thema Verkehrswende und Umweltschutz.
Der Karlsplatz Stachus in München: Hier hätte das „Living City Lab“ stattfinden sollen - ein Begegnungsort zum Thema Verkehrswende und Umweltschutz. © imago images / B. Lindenthaler

Ein am Stachus zeitgleich zur IAA geplantes Austausch-Projekt zur Verkehrswende bekommt keine Genehmigung. 33.500 Euro gehen zurück an die Stadt. Der Bund Naturschutz ist sauer.

München - Das Projekt „Living City Lab Stachus“ des Bundes Naturschutz (BN), das parallel zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) geplant war, wird offenbar nicht stattfinden. Die Umweltschützer geben dem Kreisverwaltungsreferat die Schuld – das Amt wehrt sich.

Fördergelder von 33.500 Euro geben die Umweltschützer laut einer Mitteilung an die Stadt zurück. Schuld ist laut BN-Vize Martin Hänsel das Kreisverwaltungsreferat (KVR) München*. „Trotz monatelanger Gespräche und trotz klaren politischen Auftrags durch die Vollversammlung war das KVR letztlich nicht bereit, das Projekt für mehr als nur 14 Tage auf dem Stachus zu genehmigen, da die städtischen Richtlinien dies nicht vorsehen würden“, sagt Hänsel. Er spricht von Blockadehaltung.

München: Streit um Umwelt-Projekt - Die IAA darf stattfinden, das „Living City Lab Stachus“ nicht

Geplant war, von Mitte Juli bis Mitte September den Stachus zu einem Ort des Austauschs und der Diskussion mit den Bürgern rund um die Verkehrswende zu machen. Dort sollten Veranstaltungen stattfinden, Projekte präsentiert werden, Menschen sollten miteinander über konkrete Ideen diskutieren können. Initiiert hatte der BN das „Living City Lab Stachus“ flankierend zur IAA, die von 7. bis 12. September in München stattfinden soll – und zwar nicht nur rund um die Messehallen, sondern an mehreren Standorten im Stadtgebiet.

Hänsel kritisiert, dass für eine Automesse praktisch alle großen Plätze in der Innenstadt belegt würden. Sowohl für die IAA als auch für das BN-Projekt habe es klare politische Willensbekundungen gegeben. „Dem Anspruch der IAA, auf die öffentlichen und meist autofreien Plätze in der Altstadt zu gehen, und nach einer bevorrechtigten Spur zwischen Messe und Innenstadt wird im Wesentlichen entsprochen“, sagt Hänsel. „Doch ein im Verhältnis dazu winziger Begegnungsort auf dem Stachus ist laut KVR nicht möglich. Und das, obwohl andere Veranstaltungen dort parallel hätten stattfinden können.“

München: Streit um Stachus-Projekt - KVR wehrt sich „Freundlich gesagt ist das verstörend“

Auf Anfrage sagt KVR-Chef Thomas Böhle, dass der Stachus stark frequentiert und als Veranstaltungsort sowie als Ort für Demonstrationen sehr begehrt sei. „Die vom Stadtrat beschlossenen Veranstaltungsrichtlinien sehen für Infoveranstaltungen nur einen bis drei Tage vor. Wir haben dem Bund Naturschutz gleichwohl 14 Tage angeboten. Diese große Ausnahme zeigt die besondere Anerkennung des Projekts.“ Zum Dank spreche der BN nun von Blockadehaltung, weil die Stadt dem Verein einen der zentralen Plätze Münchens nicht für zwei Monate überlassen wolle, „um dort einen Info-Container abzustellen“, sagt Böhle. „Freundlich gesagt ist das verstörend.“

Noch ärgerlicher sei, dass der BN behaupte, er sei von der Vollversammlung legitimiert worden, eine Veranstaltung für zwei Monate auszurichten. Der Stadtrat* habe die Verwaltung beauftragt, das Konzept eines Mobilitätskongresses parallel zur und eng verzahnt mit der IAA weiterzuentwickeln.

Der Kongress mit seinen begleitenden Aktionen findet parallel zur IAA vom 7. bis 12. September statt. (ska)*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare