Frauen arbeiten öfter in Teilzeitjobs

Studie zeigt heftige Lücke: So viel verdienen Münchner Frauen im Schnitt weniger im Monat als Männer

Eine neue Studie lässt München als aussehen, was die Gleichbereichtigung der Geschlechter angeht. Es klafft eine Lücke von etwa 1000 Euro im Monat.

München - Gleichberechtigung von Mann und Frau? Bei dem Thema schaut es in München ganz böse aus! Zumindest die Bezahlung ist ein Skandal: In der Landeshauptstand verdienen Frauen, die eine Vollzeitstelle haben, aktuell 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen – das sind 1000 Euro im Monat!

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat diese Zahlen am Freitag angeprangert und beruft sich dabei auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Demnach liege der durchschnittliche Verdienst von Beschäftigten mit voller Stundenzahl in München derzeit bei 4566 Euro im Monat. Das sind bei den Männern 5044 Euro im Schnitt – bei den Frauen nur 4026 Euro.

München: „Weiter Weg bis zur echten Lohngerechtigkeit“

„Die Zahlen zeigen, dass es bis zu einer echten Lohngerechtigkeit noch ein weiter Weg ist“, sagt Tim Lünnemann, Geschäftsführer der NGG-Region München. Gerade bei Tätigkeiten, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden – ob im Verkauf einer Bäckerei oder an der Rezeption eines Hotels – seien die Einkommensunterschiede besonders groß.

Der Grund dafür: Fleischereien, Bäckereien, Hotels und Gaststätten hielten sich häufig nicht an Tarifverträge. Stattdessen würden viele Frauen in niedrigeren Positionen mit geringeren Löhnen abgespeist. Hinzu komme, dass Frauen überdurchschnittlich oft in Teilzeit- und Minijobs arbeiten.

„Einkommenslücke zwischen Geschlechtern dürfte deutlich über 20 Prozent liegen“

„Solche Stellen erschweren nicht nur den beruflichen Aufstieg, sie sind meistens auch deutlich schlechter bezahlt als Vollzeitarbeitsplätze“, sagt NGG-Chef Lünnemann. „Deshalb dürfte die tatsächliche Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern in München deutlich über 20 Prozent liegen.“

Das muss sich ändern, fordern Münchner Politikerinnen wie Verena Dietl, Dritte Bürgermeisterin (SPD/Volt-Fraktion): „Wir brauchen die Aufwertung von frauentypischen Berufen. Die Berufswahl im sozialen wie im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich muss frei von Rollenstereotypen oder Barrieren bei der Vereinbarkeit von Familie und Karriere erfolgen.“ Hier sei die Politik gefragt, sagt Verena Dietl: „Sie muss Unternehmen in die Pflicht nehmen, Arbeitskräfte fair und gleich zu bezahlen. Dabei darf es keine Rolle spielen, ob Arbeitnehmer Teilzeit oder Vollzeit arbeiten.“ - Andrea Stinglwagner, Leoni Billina, Nick Mandel, Sascha Karowski -*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christin Klose/dpa-tmn

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