30-Jähriger fährt auf Unwetter ab

„Keine normalen Gewitter“: Münchner Sturmjäger beeindruckt - einmal war‘s für ihn richtig brenzlig

Schon als Bub war er fasziniert von Unwettern und jagte ihnen mit seinem Radl hinterher. Heute ist David Bachofner einer von 30 Sturmjägern in Bayern, deren Hobby auch für die Wetterdienste wichtig ist.

München - David Bachofner bleibt ganz ruhig, steht still – während um ihn herum gefühlt die Welt untergeht: Blitze zucken, Donner krachen, Regen prasselt. Jetzt ist das Unwetter zum Greifen nah. Nah genug, dass Bachofner den Puls der Gewitterzelle spüren kann, „ein unbeschreibliches Gefühl“. Dann drückt er ab. Schießt ein beeindruckendes Foto von dem heftigen Unwetter, das sich am 22. Juni über dem Landkreis Mühldorf entlädt* und schwere Schäden in der Region anrichtet…

München: David Bachofner ist immer auf der Jagd nach gefährlichen Gewittern

Bereits als Bub war Bachofner von Unwettern fasziniert. „Ich bin schon mit fünf Jahren mit dem Radl hinter Gewittern hergejagt. Mein Opa hat mich wieder eingesammelt.“ Heute hat der 30-Jährige ein Auto. Sein Jagdtrieb ist ungebrochen. Der Mühldorfer, der in München arbeitet, ist einer von rund 30 Sturmjägern, die im Verein Stormchaser Bavaria (Sturmjäger Bayern) miteinander vernetzt sind.

Superzelle über Mühldorf: David Bachofner hat das verheerende Unwetter am 22. Juni fotografiert.

Ob sich am Himmel was zusammenbraut, beobachtet der Bauleiter  in der Regel schon eine Woche vorher anhand von Wettermodellkarten, die von Wetterdiensten oder -portalen bereitgestellt werden.  „Die Karten errechnen bis zum besagten Datum, was passiert“, erklärt Bachofner. „Ich picke mir die wichtigen Daten raus – Niederschlag, Temperatur, Wind.“ Schlussendlich sagen, ob sich ein Unwetter* entwickelt, könne man aber erst einen Tag vorher. Passen alle Voraussetzungen, postiert sich Bachofner, ausgerüstet mit Kamera, Stativ und Handy, um Radarbilder in Echtzeit abzurufen, schon Stunden vorher an einem geeigneten Platz. „Eine gute Stelle ist meistens an einem Autobahnkreuz, von dem aus man schnell in alle Richtungen kommt. Meistens haben wir eine Süd-West-Lage. Die Gewitter kommen aus Frankreich über Baden-Württemberg nach Bayern.“

Bachofner: „Heuer ist Bayern ein richtiger Hotspot an Superzellen“

So auch  die verheerenden Unwetter, die Bayern im Juni heimsuchten. „Das waren keine normalen Gewitter, sondern Superzellen.“ Mächtige Gewitterkomplexe mit gewaltiger Zerstörungskraft. Superzellen sind Bachofners Königsdisziplin. „Sie sind monströs, haben einen riesigen Aufwind und enthalten Hagelkörner. Die können sich sogar zu Tornados entwickeln.“ Schon 60 bestätigte Tornados habe es 2020 in Deutschland gegeben. Zum Glück sind hier noch nie Städte zerstört worden. Anders in den USA, wo der stärkste je gemessene Wirbelsturm (512 Stundenkilometer) 1999 ganz Oklahoma verwüstete.

David Bach­ofner jagt (seit er fünf Jahre alt ist) Gewitter – damals mit dem Radl, heute mit seinem Auto

Doch auch bei uns nehmen die schweren Unwetter zu, hat der Sturmjäger beobachtet. „Heuer ist Bayern ein richtiger Hotspot an Superzellen. Im Juni hatten wir vier bis fünf in einer Woche.“ Laut DWD sind in der Nacht auf Dienstag für München* und Südbayern teils wieder kräftiger Regen und Gewitter angesagt.

Angst hat der Sturmjäger bei seinen Einsätzen nicht. „Für uns sind Blitze die größte Gefahr“, sagt er. Einmal habe ein Blitz 50 Meter neben ihm eingeschlagen. „Es gab einen lauten Knall.“ Passiert ist ihm zum Glück nichts. Doch so gefährlich sein Hobby ist – so wichtig ist es auch: Seine Meldungen dienen Warn- und Wetterdiensten zur genaueren und schnelleren Warnung für Anwohner. Das ist Bachofner sehr wichtig. „Auch wenn Gewitter für uns Sturmjäger faszinierend sind – für die Bevölkerung ist es immer wünschenswert, dass es ruhig bleibt.“ (Daniela Pohl) *Merkur.de und tz.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Bach­ofner

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