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Nach Sturz in Baugrube: Nach 16 Jahren gibt es endlich Schmerzensgeld für Münchner

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Oberlandesgericht München
Erfolg vor dem Oberlandesgericht München (Symbolfoto) – nach 16 Jahren endlich Schmerzensgeld. © Matthias Balk/dpa

Jahrelang hat ein junger Mann nach einem schweren Sturz als Kind in eine Baugrube um Schmerzensgeld gekämpft. Nun hat das Oberlandesgericht München ein Urteil gesprochen.

München – Es ist schon 16 Jahre her. 2006 stürzte Leon in eine Baugrube. Beim Fangen spielen gelangte der damals Fünfjährige durch einen Bauzaun und stürzte auf dem Nachbargrundstück im Münchner Stadtteil Laim in eine Baugrube. Er erlitt schwere Kopfverletzungen und ist seitdem auf Betreuung angewiesen.

Münchner stürzt als Kind in Baugrube und kämpft seit Jahren um Schmerzensgeld

Jahrelang kämpfte der inzwischen junge Mann um Schmerzensgeld. Nun hat das Oberlandesgericht München ein Urteil gesprochen: Die Beklagten – der Erbe des Grundstückseigentümers und der Insolvenzverwalter der Baufirma – dem Mann rund 400.000 Euro sowie 1.300 Euro monatliche Schmerzensgeldrente zahlen. Die Zahlung soll im Januar beginnen.

Damit bekommt der seit dem Unfall schwer behinderte junge Mann zunächst weniger Geld, als ihm zuvor das Landgericht München I zugesprochen hatte. Dieses hatte die Beklagten 2018 zur Zahlung von einer halben Million Euro sowie einer monatlichen Schmerzensgeldrente von 1.500 Euro verurteilt. Dagegen legten sie Berufung ein und bekamen nun teilweise Recht. Das Oberlandesgericht beurteilte die vom Landgericht zugesprochene Schmerzensgeldzahlung als überhöht, auch gemessen an anderen Fällen. Allerdings müssen die Beklagten dem Kläger sämtlichen weiteren materiellen und immateriellen Schaden aus dem Unfall ersetzen, soweit die Ansprüche nicht auf Sozialversicherungsträger oder sonstige Dritte übergehen.

Unfallopfer Leon B. (21) will Schmerzensgeld vor Gericht erstreiten
Unfallopfer Leon B. (21) will Schmerzensgeld vor Gericht erstreiten © SIGI JANTZ

Im April 2006 hatte der damals Fünfjährige mit seiner Zwillingsschwester und einem Freund Fangen gespielt. Durch den Bauzaun gelangte er auf die Baustelle auf dem Nachbargrundstück seiner Familie und fiel in die große Baugrube. Er erlitt schwere Kopfverletzungen und ist seitdem rund um die Uhr auf Betreuung angewiesen.

Der Baufirma wirft er vor, die Baustelle nicht ausreichend gesichert zu haben und somit für den Unfall verantwortlich zu sein. In dem Prozess ging es unter anderem um die Frage, ob der Bauzaun zum Zeitpunkt des Unfalls lückenhaft und nicht standfest war. Dazu waren auch Zeugen aus der Nachbarschaft gehört worden.

Weil einer der Beklagten, der Eigentümer des Baugrundstücks, tot ist und die verantwortliche Baufirma insolvent, trat nach Angaben eines Gerichtssprechers der Erbe des Eigentümers und ein Insolvenzverwalter vor Gericht auf der Beklagtenseite auf. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu. (dpa)

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