1. tz
  2. München
  3. Stadt

Schock in Münchner Supermärkten! Giftmischerin füllte Drogen in Getränke - „Absolut tödlich“

Erstellt:

Von: Andreas Thieme

Kommentare

Eine Kundin greift nach Getränken - in Supermärkten in Neuhausen und Feldmoching hatte eine Frau (57) diese vergiftet
Eine Kundin greift nach Getränken - in Supermärkten in Neuhausen und Feldmoching hatte eine Frau (57) diese vergiftet © Foto: Michael Westermann

Es herrschte absolute Lebensgefahr! In zwei Münchner Supermärkten und im Gasteig hatte eine Frau (57) giftige Substanzen in Getränke gefüllt - die Kunden brachen zusammen. Jetzt geht der Fall vor Gericht.

München - Sie hat die Stadt in Angst und Schrecken versetzt! Carola F. (57) mischte im Frühjahr 2020 Drogen in Getränke - mehrere Supermarktkunden gerieten in Lebensgefahr. Doch wo die Giftmischerin zugeschlagen hat, war tagelang unklar…

Vor dem Landgericht wird Carola F. ab Dienstag der Prozess gemacht. Der Tatvorwurf: versuchter Mord in fünf Fällen. Die Kunsttherapeutin soll bereits im Sommer 2018 größere Mengen Gamma-Butyrolacton im Internet bestellt haben - ein industrielles Lösungsmittel, das berauschend wirken kann. In der Party-Szene wird GBL teilweise auch missbräuchlich verwendet und ist unter dem Namen „Liquid Ecstasy“ (Deutsch: flüssiges Ecstasy) bekannt.

München: 57-Jährige soll Lösungsmittel in Supermarkt-Getränke gefüllt haben

Ganz entscheidend ist die Dosis. Bis 1,5 Gramm tritt Entspannung ein, bis hin zu Euphorisierung. Bei höheren Dosen wird man müde oder leidet an Erbrechen. Doch schon ab 3,5 Gramm kann das Lösungsmittel zum Koma oder schlimmstenfalls auch zum Tode führen. Carola F. soll solche Mengen gezielt eingesetzt haben - erstmals im November 2018. Im Gasteig sackten bei der 59. Münchner Bücherschau plötzlich zwei Kinder bewusstlos zusammen. Sie hatten an der Bar für Besucher Apfelschorle getrunken. Darin soll Carola F. das Lösungsmittel in bereitstehende Becher gefüllt haben. Erst nach drei Tagen in der Klinik ging es den Kindern besser. 

Im Juni 2020 gab die Münchner Polizei die Verhaftung der Giftmischerin bekannt
Im Juni 2020 gab die Münchner Polizei die Verhaftung der Giftmischerin bekannt © Archiv

Vier Monate lang suchte die Polizei nach der Täterin, die Mitte März wieder in Erscheinung trat. Nach tz-Infos soll Carola F. drei Flaschen Mezzo-Mix mit GBL versetzt und diese ins Kühlregal gelegt haben. Auch hier mit schlimmen Folgen. In einem Edeka in Neuhausen und einem Rewe in Feldmoching herrschte Todesgefahr. Eine Kundin trank nur einen Schluck und brach kurz darauf zusammen - in ihrer Flasche waren 45 Gramm GDL. Eine zehnfach tödliche Dosis! In einer weiteren Flasche waren sogar 65 Gramm. Zwei weitere Kunden mussten in die Klinik. Sie hatten zum Glück nur von den Flaschen genippt. 

Im Gasteig hatte die Giftmischerin sogar Kinder im Visier - zwei mussten tagelang in die Klinik
Im Gasteig hatte die Giftmischerin sogar Kinder im Visier - zwei mussten tagelang in die Klinik © Schönhofer

Giftmischerin in München vor Gericht: Anwalt sagt, sie haben „keinerlei Erinnerung“

„Sie hat keinerlei Erinnerung an die Geschehnisse“, sagt Rechtsanwalt Christian Gerber. Er verteidigt Carola F. gemeinsam mit Birgit Schwerdt, die sagt: „Es wird zu klären sein, inwieweit eine Schuldunfähigkeit zur Tatzeit bestanden hat.“ Denn die Giftmischerin soll an Schizophrenie leiden. Überführt wurde sie durch ihre EC-Karte - in den Märkten hatte sie auch eingekauft und hinterließ DNA-Spuren an den vergifteten Flaschen. Bis zum 10. Dezember verhandelt das Landgericht den Fall. Carola F. droht dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie - oder jahrelange Haft. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare