Zoff wegen Tourismusgebieten

München: Friedensgipfel von Stadt und Land - Bürgermeisterin spricht über „schlichte Sauerei“

Touristen - auch aus München - sind im Alpenvorland derzeit nicht allzu gern gesehen
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Touristen - auch aus München - sind im Alpenvorland derzeit nicht allzu gern gesehen.

Gegenseitiges Verständnis statt Eskalation: Bürgermeisterin Katrin Habenschaden hat sich mit Kommunalpolitikern aus dem Oberland zu einem „Friedensgipfel“ getroffen.

  • Respektlose Touristen - besonders aus München* - bringen Bürger von Gemeinden im Alpenvorland auf die Palme.
  • Auch während der Corona-Pandemie strömen viele Menschen in die Urlaubsgebiete und sorgen für Unmut.
  • Die Lage ist angespannt. Nun kam es zu einem virtuellen Friedensgipfel, bei dem Lösungen erörtert wurden.

München - Katrin Habenschaden liebt die Berge. Wie viele Münchner. Ein Besuch im Oberland „mit seiner wunderschönen Natur“ sei Balsam auf die Seele vieler Stadtbewohner, sagt die Bürgermeisterin. „Und gerade in schweren Zeiten für viele ein Lichtblick.“ Was die Grünen-Politikerin nicht mag, ist ein verantwortungsloser Umgang mit der Umwelt. „Es ist schlicht eine Sauerei, wenn Menschen ihren Müll hinterlassen und Anwohner und Natur respektlos behandeln.“ Gleichwohl sei es inakzeptabel, wenn die Münchner nur aufgrund ihrer Herkunft angefeindet würden. Habenschaden: „Das Auto-Kennzeichen sagt nichts über die Kinderstube aus.“

München und seine Tagestouristen: Informationskampagne für Situation im Alpenvorland

In diesem Sinne hat sich die Bürgermeisterin am Mittwochabend mit mehreren Kollegen aus dem Oberland zu einer Videokonferenz getroffen. Eingeladen dazu hatte die Tegernseer Tal Tourismus GmbH. Dabei ging es um die Vorbehalte in einigen Gemeinden gegenüber Ausflüglern aus München und um die Frage, wie sich die angespannte Situation im gegenseitigen Einvernehmen lösen lässt. Der Landkreis Miesbach verbietet aufgrund der hohen Corona-Inzidenzzahlen bis zum 31. Januar Tagesausflüge in die Region. Betroffen sind beliebte Ausflugsziele wie Tegernsee, Schliersee und Spitzinggebiet.

Ungeachtet dessen ist Habenschaden mit dem Verlauf der Unterredung zufrieden: „Es war ein konstruktives Gespräch, geprägt von gegenseitigem Verständnis. Es ist immer besser, miteinander zu reden als übereinander.“ Sie habe den Vorschlag gemacht, eine gemeinsame Informationskampagne zu starten, um die Münchner Tagestouristen für die Situation im Alpenvorland zu sensibilisieren. Teil dieser Kampagne könnte sein, auf attraktive Ziele abseits der bekannten Touristenmagnete hinzuweisen. Das würde zur Entlastung der besonders vom Autoverkehr betroffenen Orte beitragen und zudem helfen, die Ansteckungsgefahr mit Corona zu reduzieren.

Die Bürgermeister hätten diese Idee einhellig begrüßt, sagt sie. Die Runde habe sich zudem darauf verständigt, einen Runden Tisch Tagestourismus ins Leben zu rufen. An dem Gespräch hatten neben Habenschaden unter anderem Robert Kühn (Bürgermeister Bad Wiessee), Franz Schnitzenbaumer (Bürgermeister Schliersee), Gerhard Braunmiller (Bürgermeister Miesbach) und Michael Bourjau (Zweiter Bürgermeister Tegernsee) teilgenommen.

München und das Oberland: Sind digitale Echtzeitinformationen die Lösung für das Problem?

Alle bitten „um gegenseitige Rücksichtnahme und Eigenverantwortung während der Pandemiezeit“, erklärte etwa Bürgermeister Braunmiller. Die Gesundheit sei das wichtigste Gut. Die Mobilität werde man künftig nur in den Griff bekommen, „wenn wenn wir uns vernetzen und mit Hilfe der digitalen Echtzeitinformation eine zuverlässige Quelle über Verkehrsflussinformationen im Oberland bieten“. Damit könnten die Verkehrsteilnehmer und Besucherströme gelenkt werden. Braunmiller versichert: „Wir Miesbacher fahren gerne in die Landeshauptstadt zu kulturellen Ereignissen und die Münchner sollen weiterhin in das Miesbacher Oberland kommen, zum Einkaufen in die Kreisstadt und zur Erholung an unsere Berge und Seen.“

Das Problem der touristischen Auswüchse existiert nicht erst seit Anbeginn der Corona-Einschränkungen:

Astrid Güldner, Miesbachs Zweite Bürgermeisterin, betont: Unabhängig von Corona sehe sich der Landkreis seit Jahren einem massiv wachsenden Verkehrsaufkommen auch durch Tagestouristen gegenüber. Gemeinsam mit der Stadt hier Konzepte zu entwickeln, sei ein wichtiger Baustein bei der Lösung des Problems. Der Bad Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn hält es für sinnvoll, „einen sanften und rücksichtsvollen Tourismus im Oberland zu etablieren und in die Köpfe der Bürger zu bekommen“. Dies sei gemeinsames Ziel.

Michael Bourjau aus Tegernsee betont: „Ein offener Dialog schafft den Rahmen für ein freundschaftliches Miteinander in der Krise und ebnet den Weg für ein Danach.“ *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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