Am Chinesischen Turm

Tausende Frühaufsteher beim Kocherlball

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Auch unter den Frühaufstehern am Chinesischen Turm: Von links Natalie und Josef Schmid (CSU-OB-Kandidat) mit Ruth und Johannes Singhammer (CSU-Bundestagsabgeordneter).

München - Bei strahlendem Sonnenschein haben in München am frühen Sonntagmorgen rund zwölftausend Frühaufsteher beim traditionellen Kocherlball im Englischen Garten in den Tag hineingetanzt.

Herausgeputzt in Tracht, aber auch in historischen Gewändern als Hausmädchen oder Dienstbote kamen die Ersten noch vor dem Morgengrauen zum Chinesischen Turm, um sich die besten Plätze zu sichern. Kurz nach 06.00 Uhr war das Fest in vollem Gange. In der Morgensonne drehten sich die Paare fröhlich zu den Klängen bayerischer Volksmusik. Die Blasmusik-Kapelle Josef Menzl und die Musicanti Bavaresi gaben dazu den Ton vor.

Das Tanzvergnügen geht auf eine alte Münchner Tradition zurück. Im 19. Jahrhundert versammelten sich im Englischen Garten an Sonntagen im Sommer Dienstboten, Mägde, Zofen, Köchinnen und Köche in aller Frühe zum Tanz, um rechtzeitig zurück zu sein, wenn ihre Herrschaft aufstand und sich zum sonntäglichen Kirchgang vorbereitete. Zu ihnen gesellten sich Soldaten und die Spätheimkehrer der bürgerlichen Mittelschicht, die durchgemacht hatten.

Bilder vom Kocherlball 2013

Bilder vom Kocherlball 2013

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Ball verboten. Zum einen gab es ziemlich viele Schlägereien, weil die „Kocherl“ sich lieber an die schicken Herrn Soldaten hielten als an die eigene Zunft. Außerdem sollen sie es mit der Sittlichkeit nicht so genau genommen haben - mit Folgen neun Monate später. Schließlich schob die Obrigkeit dem einen Riegel vor. Zum 200. Geburtstag des Englischen Gartens belebte die Stadt den Brauch 1989 wieder.

Inzwischen ist der Kocherlball am dritten Sonntag im Juli eine Institution. Schon Wochen vor dem Ball üben Tanzbegeisterte unter Anleitung Walzer, Polka, Zwiefachen und Münchner Française.

dpa

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