In den Straßen der Landeshauptstadt

Mitten in München: Roboter-Auto unterwegs

Mobileye: Testfahrzeug für autonomes Fahren
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So sehen die Autos aus, mit denen Mobileye das autonomen Fahren testet

Ein autonom fahrendes Auto unterwegs auf den Straßen Münchens – ein vom Hersteller Mobileye veröffentlichtes Video eine etwa einstündige Testfahrt durch die Stadt. Der Wagen fährt unauffällig, nur bei einer Aktion stellen sich dem Zuschauer die Haare zu Berge.

  • Erstes Video einer Testfahrt mit einem autonomen Fahrzeug in München
  • Seit Kurzem sind die Roboter-Autos auf den Straßen der Stadt unterwegs
  • Der Fahrer legt die Hände in den Schoß, der Wagen fährt wie von Geisterhand gesteuert

Eigentlich gibt es Spektakuläreres als eine Fahrt durch den Münchner Norden – und trotzdem ist dieses Video eine Sensation. Denn es zeigt, wie sich ein Auto wie von Geisterhand gesteuert durch den Stadtverkehr schlängelt und auf der Autobahn Gas gibt. Ausgestattet ist das Fahrzeug mit Technik der israelischen Firma Mobileye, die zum Chip-Hersteller Intel gehört und das Video auf der Plattform Youtube veröffentlicht hat.

München ist ein idealer Teststandort

Vom TÜV Süd hatte Mobileye die Zulassung für den Testbetrieb erhalten, jetzt kann man dem Fahrer, der gemütlich die Hände in den Schoß legt, über die Schulter schauen. Die Firma hat sich München bewusst als Teststandort ausgesucht. „Wir können hier in einem kompakten Gebiet viele Verkehrsszenarien erproben – vom Stadtverkehr über eher ländliche Gegenden bis zur Autobahn und den Anschluss an den Flughafen“, sagt Mobileye-Manager Johann Jungwirth.

Und so fährt der Wagen, ein umgebauter Ford Fusion nach dem Start in Oberschleißheim durch klassische Vororte, über den Autobahnring und durch den trubeligen Stadtverkehr am Frankfurter Ring. Wirklich auffallen würde dieses Geisterfahrzeug kaum – höchstens beim Abbiegen in Straßen mit fließendem Verkehr. Hier tastet sich das führerlose Fahrzeug Zentimeter für Zentimeter voran – die meisten menschlichen Fahrer wären in solchen Situationen etwas zupackender unterwegs.

Der Wagen fährt meist unauffällig durch die Stadt

In dem ungeschnittenen Video von einer Stunde Länge sieht man auch, wie der Wagen in Feldmoching an einem Rettungsfahrzeug im Einsatz vorbeifahren muss, der seine Fahrbahn blockiert. Das Ausweichmanöver geht den Autofahrern hinter ihm eindeutig zu langsam, sie überholen ihn. Insgesamt fügt sich der weiße Ford aber erstaunlich einfach in den Münchner Stadtverkehr ein.

Bis 2022 muss ein Sicherheitsfahrer mit an Bord sein

Trotzdem dürfen auch selbstfahrende Autos noch nicht ohne Fahrer unterwegs sein. Bis 2022 muss der Sicherheitsfahrer am Steuer sitzen, um im Notfall eingreifen zu können. Wenn es nach Mobileye ginge, können die Fahrzeuge nach 2022 aber komplett ohne Fahrer unterwegs sein. Jungwirth sieht darin einen Sicherheitsgewinn: „Die meisten Unfälle werden heute durch den Menschen verursacht, beim Rechtsabbiegen, durch Alkohol am Steuer oder Ablenkung durch das Smartphone. Diese Unfälle können selbstfahrende Fahrzeuge vermeiden.“ Tatsächlich spricht die zurückhaltende Fahrweise des Testautos durchaus für einen gewissen Sicherheitsgewinn.

Schwieriges Manöver: Das Roboter-Auto umfährt einen Rettungswagen im Einsatz

Größere Sorgen vor der Fahrt in München hatten die Mobileye-Macher ohnehin nicht. Das erste Video, das von der Firma veröffentlicht wurde, zeigte eine Fahrt durch Jerusalem. „Wer dort fahren kann, schafft das ohne Probleme auch in München“, sagt Jungwirth.

Millionen Autofahrer sammeln täglich Daten fürs Kartenmaterial

Grundlage für die Fahrt von Geisterhand sind übrigens Straßenkarten, die ganz nebenbei von Millionen von Autofahrern erstellt werden. Denn die Mobileye-Technik kommt in vielen Fahrassistenzsystemen zum Einsatz. Die Bilder, die diese Autos aufnehmen, nutzt Mobileye, um seine Karten aktuell zu halten. „Wir sammeln jeden Tag Millionen von Kilometern, bis 2025 wollen wir 25 Millionen Fahrzeuge auf der Straße haben“, erklärt Jungwirth. So soll das autonome Fahrzeug schnell auf eine veränderte Verkehrsführung, etwa durch eine Baustelle, reagieren können. Derzeit nehmen die Nutzer jeden Tag über 15 Millionen Straßenkilometer auf. „Hochauflösendes Kartenmaterial bildet die Grundlage für ein sicheres und robustes autonomes Fahrsystem“, sagt Mobileye-Chef Amnon Shashua.

Aufgrund dieser Fülle an Kartenmaterial ist es Mobileye gelungen, seinen Testwagen binnen kürzester Zeit in München auf die Straße zu bringen. Der Vorteil, den Shashua in seinem Ansatz sieht: „Wir müssen nicht extra Kameraautos auf die Straßen einer Region schicken, um eine Karte zu erstellen. Deshalb ist unser System schnell und nachhaltig fast überall einsatzfähig.“

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