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Schwarzer Tag im Tierpark München-Hellabrunn – Sechs Affen müssen eingeschläfert werden

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Von: Phillip Plesch

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Der Drill ist in freier Wildbahn gefährdet - nun wurden im Tierpark sechs Tiere eingeschläfert
Der Drill ist in freier Wildbahn gefährdet - nun wurden im Tierpark Hellabrunn sechs Tiere eingeschläfert. © Maria Nicole Fencik/Tierpark

Traurige Nachrichten aus dem Tierpark Hellabrunn: Dort mussten am Dienstag sechs Affen eingeschläfert werden. Der Fall gibt Rätsel auf.

München - Große Trauer im Tierpark Hellabrunn: Dort mussten am Dienstag sechs Affen eingeschläfert werden. Die Verantwortlichen sprachen selbst von einem schwarzen Dienstag. Bei den Drills wurden bei einer ausführlichen Gesundheitsuntersuchung schwere Organschäden festgestellt. Verursacht wurden die allem Anschein nach von einer Fuchsbandwurm-Infektion.

„Uns alle, vor allem aber die Tierärzte und die Tierpfleger, hat der Ausgang der gestrigen Untersuchungen schwer getroffen“, sagt Rasem Baban, Vorsitzender und Tierparkdirektor in Hellabrunn. „Nach Rücksprache mit allen Tierärzten war es im Sinne des Tierwohls unvermeidbar, die betroffenen Tiere einzuschläfern, da die Krankheit innerhalb weniger Wochen für sie tödlich verlaufen wäre.“

Münchner Tierpark: Priorität hat die Verhinderung weiterer Infektionen

Insgesamt waren zwölf der seltenen Primaten, die etwa 70 Zentimeter groß und 20 Kilogramm schwer werden, im Tierpark von München beheimatet. Der Rest des Bestands, vier männliche und zwei weibliche Drills, ist aktuell unauffällig. Durch fürsorgliche Pflege und regelmäßige Kontrollen soll das auch so bleiben.

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? „Wir arbeiten aktuell mit Hochdruck daran, herauszufinden, wie der Erreger zu den Drills gelangen konnte“, sagt Baban. Ein Netzwerk an Fachleuten aus Untersuchungslaboren, der Universität und anderen Forschungseinrichtungen ist in die Aufklärung eingebunden. „Zusätzlich sind wir auch im Austausch mit allen Tierpflegern, was Hygienemaßnahmen oder prophylaktische Untersuchungen angeht“, sagt der Tierparkdirektor. Priorität habe die Verhinderung weiterer Infektionen.

Derweil gibt es Erkenntnisse, das ein gefährlicher Affenvirus auch auf Menschen übertragen werden könnte:

Gefährdete Affen in München-Hellabrunn mit Wurmbefall - Übertragung zum Mensch unmöglich

Besonders schwer wiege der Verlust der Affen im Münchner Tierpark, da in Hellabrunn das Erhaltungszuchtprogramm für diese stark gefährdete Art koordiniert werde. In freier Wildbahn ist die Zahl der Tiere vor allem durch Jagd und die Abholzung des Regenwaldes zuletzt gesunken.

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Eine Übertragung des Fuchsbandwurm-Erregers ist übrigens weder von Affe zu Affe, noch von Menschen auf Affen oder von Affen auf Menschen möglich. Bislang gibt es gegen den Fuchsbandwurm aber keinen, in der EU lizensierten Impfstoff. Bisherige Impfstoffe sind experimentell und nicht für zoologische Einrichtungen in EU-Staaten zugelassen.

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