Verein ist auf Hilfe angewiesen

Jubiläum - aber kein Grund zu Feiern: Münchner Tierrettung bangt um Zukunft

Wohin führt ihr Weg? Die Tierrettungs-Vorsitzende Evelyne Menges (Mitte) mit Rebecca Werdelmann (li.) und Malgorzata Horváth.
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Wohin führt ihr Weg? Die Tierrettungs-Vorsitzende Evelyne Menges (Mitte) mit Rebecca Werdelmann (li.) und Malgorzata Horváth.

Die Münchner Tierrettung steht vor einer ungewissen Zukunft. Sicher ist nur, dass der Verein seine bisherigen Räumlichkeiten verlassen muss. Jetzt ist er auf Hilfe angewiesen.

  • Seit 20 Jahren gibt es die Münchner Tierrettung.
  • Nun muss der Verein umziehen.
  • Noch ist nicht klar, wie und vor allem wo es weitergeht.

München - Eigentlich wollten die Tierfreunde der Münchner Tierrettung heuer ihr 20. Jubiläum feiern. Und jetzt am Dienstag diese Hiobsbotschaft: Der Verein muss Ende Juli aus seinen Räumen in der Schwabinger Herzogstraße ausziehen! Die Kündigung nach 15 Jahren! „Ich bin enttäuscht, dass wir ausgerechnet in diesem eigentlich freudigen Jahr um unsere Existenz fürchten müssen“, klagt die Vorsitzende Dr. Evelyne Menges.

„Die Eigentümer wollen im Innenhof ein Studentenwohnheim bauen. Am Telefon sagte man uns, man bräuchte unsere Büroräume im Erdgeschoss für eine Durchfahrt“, erklärt Evelyne Menges, die auch stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CSU im Stadtrat ist. Sie ärgere besonders, erzählt sie der tz, dass die Kündigung wegen eines Projekts erfolge, „das allen Mitbewohnern Grün, Bäume und Fledermäuse nimmt“. Tatsächlich ist der geplante fünfgeschossige Bau mit acht Appartements im Viertel höchst umstritten.

Münchner Tierrettung muss umziehen: 60 bis 100 Quadratmeter Gewerbefläche im Erdgeschoss wird benötigt

Aber es hilft nichts: In einem halben Jahr ist in diesen Räumen Schluss. Evelyne Menges: „Wir hoffen jetzt auf die Unterstützung der Münchner Stadtgesellschaft, insbesondere aller Tierfreunde, dass sie uns Hinweise für einen geeigneten und bezahlbaren Laden geben können.“ Der Verein, der sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und über die Behandlungsrechnungen finanziert, sucht 60 bis 100 Quadratmeter Gewerbefläche im Erdgeschoss mit zwei Stellplätzen für die Rettungsfahrzeuge. „Die Räume sollten innerhalb des Mittleren Rings liegen, so dass wir schnell zu unseren Einsätzen kommen.“ Wer helfen will, soll an info@tierrettungmuenchen.de eine E-Mail schreiben.

„Es ist traurig, dass wir diese Räume verlassen müssen“, sagt die Tierschützerin. Noch schlimmer sei aber die ungewisse Zukunft. „Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll. Wenn wir nicht rechtzeitig etwas Passendes finden, kann es passieren, dass wir unseren Dienst zwischenzeitlich einstellen müssen.“

Olivios Befreiung aus dem Gully - und weitere spektakuläre Einsätze

20 Jahre Münchner Tierrettung: In seiner Geschichte hat der Verein schon die spektakulärsten Einsätze erlebt. Für Schlagzeilen sorgte etwa Eichhörnchen-Mann Olivio, der 2016 in einem Gullydeckel steckenblieb. Als Pflanzenöl nichts half, narkotisierten die Retter das Tier und zogen es heraus. 2014 rückte die Tierrettung sogar aus, um ein prominentes Tier zurück zu bringen: Der Kater von Alt-Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) war ausgebüxt und von Schwabing bis ins Glockenbachviertel gestreunt.

Nicht selten müssen sich die Tierärzte auch für Opfer von Tierquälern einsetzen: Kater Blacky etwa musste in einer Not-OP gerettet werden, weil ein gewissenloser Täter ihm ein Luftgewehr-Projektil in den Bauch jagte.

Eichhörnchen in misslicher Lage: Olivio blieb 2016 in einem Gullydeckel hängen.

In Australien kämpfen derzeit Koalas wegen der Buschbrände ums Leben - dabei bringen schlecht informierte Helfer die Tiere in tödliche Gefahr. Wegen des verheerenden Feuers im Affenhaus des Krefelder Zoos musste ein Polizist einen Gorilla erschießen.

Nina Bautz

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