Das Plakatmodel der Pfennigparade

Tim Opitz sammelt durch seine Leidenschaft „RaceRunning“ Spenden

Tim Opitz auf dem Plakat (re.).
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Tim Opitz auf dem Plakat (re.).

Neun Jahre alt und schon eine kleine Berühmtheit: Tim Opitz lebt mit einer schweren Behinderung von Geburt an - und wirbt für Spenden auf Plakaten, die in ganz München hängen.

Kirchheim - Tim Opitz aus Kirchheim kam aufgrund eines Sauerstoffmangels bei der Geburt mit der Behinderung Zerebralparese zur Welt. Er benötigt bei vielen Sachen Hilfe, kann sich nur bedingt ausdrücken und nicht so schnell bewegen wie andere Kinder. Nun wirbt er bereits zum zweiten Mal auf Plakaten in München für Inklusion und Spenden für die Stiftung Pfennigparade.

Fröhlich sitzt Tim auf der Schaukel im Garten und schwingt eifrig hin und her. „Das ist eines seiner Lieblingshobbys“, sagt seine Mutter Kathrin Opitz (44). Tim bestätigt das nochmals lachend und ruft: „Schaukeln!“ Als Kleinkind hatte er noch einen Einzelintegrativplatz in der Kirchheimer Krippe, umgeben von gesunden Kindern. „Das hat auch super funktioniert in dem Alter, da sind die Kinder in der Entwicklung noch nicht so weit voneinander entfernt“, sagt Opitz. Dann ging es für Kindergarten und Grundschule nach Oberföhring zum Kinderhaus Phönix. Dieses gehört zur Stiftung Pfennigparade, die sich um Menschen mit Körperbehinderungen kümmert. Dort lernte Tim die „RaceRunner“ kennen.

Tim Opitz mit Mama Kathrin.

„RaceRunning“ ist eine in Dänemark erfundene Sportart für Menschen mit Behinderung. Bei ihr sitzen die Fahrer auf einem dreirädrigen Laufrad mit den Füßen am Boden. Mit seinem „RaceRunner“ konnte Tim sich erheblich flinker vorwärtsbewegen und hin und her flitzen. Sofort war er Feuer und Flamme. Mittlerweile hat er schon einen 3,5 und einen fünf Kilometer langen Lauf absolviert. „,RaceRunning‘ wird demnächst paralympisch, und sie wollen Tim für den Kader“, sagt Vater Tobias Boltze (44) stolz.

Mit seinem „RaceRunner“ ließ sich Tim dann für die Website der Pfennigparade fotografieren, auf der sie die Sportart erklärten. Später fragte die Stiftung, ob die Fotos auch für Werbeplakate für das Thema Inklusion verwendet werden dürften. Mitte Januar hingen daraufhin in München an vielen Bushaltestellen über zwei Meter große Poster von Tim. „Viele waren einfach überrascht, weil er so einen Wiedererkennungseffekt hat, mit seinen roten Haaren“, sagt sein Vater. „Das ist doch der Tim“ hieß es dann immer wieder, erinnern sich die Eltern. Das Feedback sei durchweg positiv gewesen.

„Cool“ findet das auch Tim, der sich jedes Mal freute, wenn er sich auf einem Plakat sah. Dafür musste er jedoch in die Stadt München, denn in Kirchheim hängen keine. „Wir haben zwei Poster bekommen, aber die sind über zwei Meter groß“, sagt der Vater. Wegen der Größe überlege die Familie noch, wo sie die Plakate am besten aufhänge. Anfang April geht die Werbung in die zweite Runde.

Tim ist außerdem ein leidenschaftlicher Fußballfan. Während ihm das Zuschauen bei Bayern-Spielen im Fernsehen noch leicht fällt, wird es beim Selberspielen schon schwerer: „Dazu braucht es auch Kinder, die einen Gang zurückschalten, ihn auch mal schießen lassen und ihn nicht gleich über den Haufen rennen“, so Opitz. Sie hofft, dass durch die Werbekampagne Gemeinden und Sportvereine zukünftig mehr Integrationsangebote ins Programm aufnehmen. „Bei den Ferienangeboten der Gemeinde steht nie etwas dabei, dass auch behinderte Kinder mitmachen können“, ist ihr etwa aufgefallen.

Tim freut sich zumindest riesig darauf, sich in den nächsten Wochen immer wieder selbst auf den Plakaten in München zu begegnen.

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