Studie zeigt

München top, München flop: Das gefällt uns - und das nicht

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Beim Wohnungsmarkt läuft in München einiges falsch, die Lebensqualität dagegen stimmt.

In vielen Bereichen läuft es in München richtig gut, in anderen so gar nicht. Eine Studie zeigt die Tops und Flops der Landeshauptstadt.

München - Viele Münchner fühlen sich mit ihrer Stadt verbunden und schätzen die Lebensqualität an der Isar. Auch das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln wird nach wie vor als gut gesehen. Das ist das Ergebnis der fünften Münchner Bürgerbefragung. Allerdings gibt es auch Kritik: Insbesondere wenn es ums Wohnen, die Sicherheit und die wachsenden sozialen Unterschiede geht. Bereits zum fünften Mal hat die Stadt eine Umfrage durchführen lassen. Rund 6000 Bürger haben sich beteiligt. Fazit: München ist nach wie vor eine Großstadt mit hoher Lebensqualität, aber auch Problemen. So ist das Thema Mieten ein Dauerbrenner. Die hohen Wohnkosten gehen mit einem Mangel an Wohnraum in der bereits schon dicht bebauten Stadt einher. Dazu kommt: Immer mehr Menschen kommen nach München, die Wohnungen wachsen nicht in ausreichendem Maße. Gleiches gilt für das Angebot beim ÖPNV – es wird mittlerweile schlechter bewertet als in den Jahren zuvor. Wir haben in diesem Artikel die Gegensätze der Stadt zusammengefasst.

München flop: Armut

Im Schnitt haben die Befragten 2000 Euro verfügbares Einkommen. Ein Zwei-Personen-Haushalt ohne Kinder hat in München 2400 Euro. Personen aus Haushalten mit drei oder mehr Kindern sowie Alleinerziehende verfügen mit im Schnitt 1458 beziehungsweise 1538 Euro über das niedrigste Einkommen. In München sind die sozialen Unterschiede relativ groß. Neun Prozent der Befragten leben in Haushalten mit Niedrigeinkommen (bis 50 Prozent des Durchschnittseinkommens), 35 Prozent in Haushalten mit unteren Einkommen. 15 Prozent der Befragten gelten als relativ arm, da sie nur 1200 Euro netto im Monat zur Verfügung haben. Insgesamt sagen 60 Prozent der Befragten, dass die sozialen Unterschiede in München zu groß sind.

München flop: Wohnen

Die Versorgung mit Wohnungen bleibt das größte Problem in München. Die Relevanz hat sogar noch deutlich zugenommen, was sich im steigenden Anteil der sehr Unzufriedenen zeigt, der sich seit 2010 von knapp unter 50 Prozent auf 66 Prozent erhöht hat. Am häufigsten wurden die Aspekte „zu hohe Mieten“ (44 Prozent) und „zu wenig Wohnraum“ (43 Prozent) genannt. Zwei Drittel der Befragten fordern, mehr Geld für den sozialen Wohnungsbau auszugeben – das sind 10 Prozent mehr als 2010. Die Wohnkosten liegen bei 13,10 Euro pro Quadratmeter. Die höchste Wohnkostenbelastungsquote liegt bei den Personen aus relativ armen Haushalten, von denen 54 Prozent mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnen ausgeben müssen. Die Wohnfläche pro Kopf beträgt in München 42 Quadratmeter. Befragten, die in Haushalten mit Kindern leben, stehen im Durchschnitt nur 27 Quadratmeter zur Verfügung.

München flop: Umwelt

Verkehrslärm und Luftqualität werden von den Münchner als wichtige Probleme wahrgenommen. Drei Viertel der Befragten sehen hier Verbesserungsbedarf. Einem zeitweise Fahrverbot für Autos bei erhöhten Schadstoffwerten stimmten 69 Prozent „voll und ganz“ oder „eher“ zu, Stichwort: Dieselfahrverbote. Der „Ausbau von Radwegen auf Kosten von Autospuren“ findet die Zustimmung der Hälfte derer, die einen Verbesserungsbedarf bei Luftqualität und Verkehrslärm sehen. Die „Einführung einer Innenstadtmaut findet mit 39 Prozent eine deutlich geringere Zustimmung. Insgesamt hat der Klimaschutz einen hohen Stellenwert. 63 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass sich die Stadt hier stärker engagieren soll. Konkret fordert ein gutes Drittel der Befragten, dass die Stadt für „Maßnahmen zum Klimaschutz“ mehr Geld ausgeben sollte. 46 Prozent stimmten für gleichbleibende Ausgaben und nur 15 Prozent der Befragten möchten hier lieber Geld einsparen.

München top: Der Verkehr

Gleich vorweg: Es geht bei diesem Punkt um die ÖPNV-Versorgung in München! Und die wird durchwegs noch immer als gut beurteilt – allerdings gibt es Steigerungsbedarf. So war 2010 nur rund ein Viertel der Befragten dafür, die Ausgaben für den öffentlichen Nahverkehr zu erhöhen. 2016 liegt der Anteil bei über 40 Prozent. 27 Prozent der Befragten sind mit dem Nahverkehr nicht zufrieden. 25 Prozent sind beim Thema Verkehr insgesamt unzufrieden. Die Parkplatzsituation bewertete die Hälfte der Autofahrer unter den Befragten negativ. Insgesamt haben die Befragten aber ein positives Bild von München als fußgänger- und radfahrerfreundliche Großstadt mit gut ausgebautem ÖPNV. Beim Weg zur Arbeit kommt dem ÖPNV der höchste Stellenwert zu (39 Prozent), gefolgt vom Auto (24 Prozent) und dem Rad (19 Prozent). 18 Prozent geben an, nie einen Pkw zu nutzen. Der Großteil der Befragten fordert zudem weitere Investitionen in den Ausbau des Rad- und Fußgängerverkehrs.

München top: Lebensqualität

Die Ergebnisse der Bürgerbefragung 2016 zeigen wie auch schon in den Jahren zuvor, dass die meisten Münchner mit den infrastrukturellen Bedingungen ihrer Stadt insgesamt zufrieden sind. Dies gilt insbesondere für das bereitgestellte Kulturangebot und das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln sowie die Attraktivität von Grünflächen, Parks, Plätzen und die medizinische Versorgung. Im Vergleich mit der Umfrage 2010 zeigt sich ein leichter Rückgang mit der Zufriedenheit bei der medizinischen Versorgung, dem Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln, der Versorgung mit Schwimmbädern und Sportanlagen sowie dem Zustand und Ausbau des Radwegenetzes und den Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Kritisch gesehen wird die Versorgung mit Kindertageseinrichtungen. 40 Prozent der Befragten mit Kindern unter sechs Jahren sind unzufrieden.

München top: Die Sicherheit

Immer mehr Münchner wollen, dass die Ausgaben für öffentliche Sicherheit erhöht werden. Der Anteil steigt von knapp über 30 Prozent auf jetzt 46 Prozent. Zwar ist München laut Kriminalstatistik die sicherste Großstadt Deutschlands, das subjektive Sicherheitsgefühl muss aber nicht deckungsgleich sein. In der Studie wurden die Befragten deshalb gebeten, ihr Sicherheitsgefühl an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten einzuschätzen. Tagsüber wird das Sicherheitsgefühl im eigenen Viertel, in Bussen und Bahnen und auch in Grünlagen oder Parks als sehr gut bewertet. Etwas anders stellt sich die Lage dar, wenn man das Sicherheitsgefühl abends oder nachts an diesen Orten in den Blick nimmt. Zu diesen Zeiten fühlen sich 25 Prozent der Befragten in ihrem Stadtviertel bzw. in Bussen und Bahnen (36 Prozent) nicht sicher.

... und das sagen die Münchner

Sorge um Kinder 

„Ich habe die Sorge, dass es bald keine Münchner mit Kindern mehr in der Stadt gibt, weil die gezwungen sind, an den Stadtrand zu ziehen. Die Miethaie kommen und die einzige Lösung sehe ich in der Mietpreisbremse für alle Viertel.“ Edith Gruninger (re., 52), Schneidermeisterin aus München 

Alles unbezahlbar

„Insgesamt bin ich ganz zufrieden hier. Die Infrastruktur ist top,  und der ÖPNV ist gut ausgebaut. Aber die Preise in der Stadt sind nicht bezahlbar, man wird immer weiter außerhalb bauen.“ Ube Kagerer (51), Krankenpfleger aus Berg am Laim 

Angst in der Bahn

„Am Hauptbahnhof fühle ich mich mittlerweile auch sicherer als früher, aber nachts bin ich sehr ungern allein in der S-Bahn. Ich hatte schon öfters Vorfälle von sexueller Belästigung - und niemand hat mir geholfen. Für mich ist es nicht vorstellbar hier zu wohnen.“ Astrid Scheifele (32), Medizinstudentin aus Ebersberg

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