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Liebe zur Tradition: Bräuche, die in München weiter leben – „Damit sie nicht in Vergessenheit geraten“

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Von: Regina Mittermeier, Andreas Thieme

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240 Mitglieder und ein Dackel: Zumindest hat Monika Hoffmann von den Münchner Dackelfreunden nur ein Zamperl auf dem Arm.
240 Mitglieder und ein Dackel: Zumindest hat Monika Hoffmann von den Münchner Dackelfreunden nur ein Zamperl auf dem Arm. Im Club sind freilich mehr. © Privat

Der Besuch einer Wirtschaft ist nicht komplett ohne eine Runde Schafkopf und beim Spaziergang fehlt was ohne Dackel. Die Münchner pflegen gerne ihre Traditionen.

München – Der Oide und die Blaue: Wer bei diesen Begriffen nicht an ein verlottertes Ehepaar denkt, sondern an ein Kartenspiel, der kennt sich aus mit dem Schafkopfen. Allerdings: Freunde des Spiels haben Angst, dass ihre Gaudi bei der jüngeren Generation schleichend in Vergessenheit gerät. Auch bei anderen Münchner Traditionen ist die Lage ähnlich.

Wie Liebhaber ihre Ur-Münchner Institutionen schützen wollen, zeigen wir Ihnen. Und erklären, warum Tradition Trumpf ist.

Cowboys in München

Im Jahr 1913 gegründet, ist der Cowboy Club München der älteste in ganz Europa. Seine Wurzeln hat er in Thalkirchen. Hier schlüpfen die Mitglieder in die Rollen von Cowboys, Indianern und Pionieren. „Fasziniert von der Geschichte Nordamerikas im 19. Jahrhundert, verbringen wir unsere Zeit im Sattel, am Lagerfeuer, beim Handwerk oder vor Geschichtsbüchern“, sagt der Club über sich selbst. Der Longhorn-Saloon ist zudem eine beliebte Event-Location, die man direkt an der Floßlände für Partys mieten kann. Ob man sich nun verkleidet oder nicht.

Howdy: Beim Cowboy Club München lebt der Wilde Westen wieder auf.
Howdy: Beim Cowboy Club München lebt der Wilde Westen wieder auf. © Privat

Moriskentänzer begeistern mit ihren Kunststücken und Gewändern

Mit akrobatischen Kunststücken in bunten Gewändern begeistern die Moriskentänzer seit 46 Jahren die Münchner. Es handelt sich um eine mittelalterliche Tanzart, erzählt Gründerin Gertrude Krombholz. Damit sie nicht in Vergessenheit gerät, erweckt die Gruppe – sie besteht aus Sportlern der TU München – die traditionellen Tänze zum Leben. Auch beim Trachten- und Schützenzug zur Wiesn sind sie dabei. Der Name Morisken bezeichnet wohl ursprünglich maurische Springtänze, die später auch am Hofe aufgeführt wurden. Moriskenfiguren zählen zu den kostbarsten Schätzen des Stadtmuseums.

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Der Münchner und sein Dackel

Sitz! Platz! Bleib! Beim Dackelklub dreht sich alles ums Zamperl. Den Bayerischen Verband, zu dem die Gruppe gehört, gibt es bereits seit 1893. Und auch die Münchner Dackelfreunde blicken auf eine lange Tradition zurück, sagt Vorsitzende Monika Hoffmann. Der Klub hat 240 Mitglieder und bietet regelmäßig Trainings an – denn die kleinen Jagdhunde sind selbstbewusst und muskulös. Damit Frauchen und Zamperl den Alltag gut gemeinsam meistern, bietet der Klub eine Begleithundeausbildung an. Aber auch Ausflüge wie an Neujahr stehen auf dem Programm.

Münchner und ihr Gwand

Elegant im Gwand: Der Heimat- und Brauchtumsverein Lechler wurde 1990 gegründet. Seine Mitglieder tragen das Münchner Bürgergwand aus der Biedermeierzeit (ca. 1815 bis 1848) – „eine erneuerte Tracht“, erklärt die 1. Vorsitzende Eva Tomasini. Der Verein bietet regelmäßige Treffen an und organisiert gemeinsame Exkursionen, Vorträge und Weiterbildungsmaßnahmen. „Und wir nehmen in unserem schönen Gwand an verschiedenen (Trachten-)Veranstaltungen teil“, sagt Tomasini.

Uralte Wirtshaustradition: Schafkopfen

Er will ein Kulturgut retten, sagt Wolfgang Peschel – deshalb hat der Münchner eine ganz besondere Veranstaltung ins Leben gerufen: die ersten Sendlinger Schafkopftage, die am Freitag, 13. Januar, im Alten- und Servicezentrum stattgefunden haben. „Eine echte Premiere“, so Peschel. „Es geht darum, das boarische Kulturgut und Kartenspiel in den Herzen und Köpfen von vielen Menschen zu verankern und dann an künftige Generationen weiterzugeben – durch simples Lernen und Spielen.“

Solo oder Sauspiel? Mit so einem Blatt hat man bei den Sendlinger Schafkopftagen jedenfalls gute Karten.
Solo oder Sauspiel? Mit so einem Blatt hat man bei den Sendlinger Schafkopftagen jedenfalls gute Karten. © Bodmer

Gschnupft wird im Münchner Schnupfclub

Gekritzelte Unterschriften auf einem Bierdeckel: So sieht das Gründungsdokument des Ismaninger Schnupfclubs aus. Beim Feuerwehrfest im September 2015 beschloss die Gruppe, die bayerische Tradition zu beleben. Seitdem wiederholen die Mitglieder den Abend regelmäßig. Heißt: Schmalzler werden probiert, die Qualität diskutiert – und der Schnupftabak vom Handrücken runter durch die Nase gezogen. Die Mitglieder schnupfen sogar auf Wettbewerben. Dabei kommt’s übrigens vor allem auf Sauberkeit und Schnelligkeit an.

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