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„Zumutung für die Anwohner“: Neuer Ärger um Tram-Nordtangente in München

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Von: Carmen Ick-Dietl

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Eine Menschengruppe hält Protestschilder
Der dritte Abschnitt der Tram-Nordtangente stößt bei den Anwohnern nahe der Strecke auf wenig Begeisterung. © Oliver Bodmer

In Bogenhausen wird der dritte Abschnitt der Tram-Nordtangente vorgestellt. Unter den Anwohnern formiert sich unterdessen Widerstand.

München – Die nur etwa einen Kilometer lange Tram Johanneskirchen soll an der Haltestelle Regina-Ullmann-Straße von der bestehenden Tramtrasse der Linien 16 und 17 an der Cosimastraße abzweigen und auf eigenem Rasengleis in der Mitte durch die Johanneskirchner Straße zur neuen Wendeschleife westlich des S-Bahnhofs Johanneskirchen führen. Auf dieser Strecke sollen zwei Haltestellen eingerichtet werden: am Ringofenweg und am Johanneskirchner Bahnhof.

Um Platz für zusätzliche Bahnsteige zu machen, soll stadteinwärts vor der Cosimastraße eine der beiden Geradeaus-Fahrspuren der Johanneskirchner Straße verschwinden. Zudem fallen insgesamt 137 Parkplätze am Straßenrand weg. Voraussichtlich müssen auf dem einen Kilometer langen Streckenabschnitt etwa 145 Bäume gefällt werden, von denen 85 unter die Münchner Baumschutzverordnung fallen. Im Gegenzug sollen etwa 120 neue Bäume gepflanzt werden.

München: Widerstand wächst – „Tramwendeplatz eine Zumutung für die Anwohner“

Schon vor dem Schall- und Erschütterungsgutachten warnt die Stadt, dass voraussichtlich im gesamten Bereich der Johanneskirchner Straße die Verkehrslärm-Grenzwerte überschritten und somit Schallschutzmaßnahmen notwendig werden. Das bestätigt die Befürchtungen der Anlieger. Ihr Widerstand richtet sich vor allem gegen die neue Trambahn-Wendeschleife direkt vor ihrer Haustür.

Man habe hier bereits die S-Bahn und die Güterzüge, dazu stehe man vor dem Ausbau der Bahn in diesem Bereich. „Wenn jetzt noch ein Tramwendeplatz kommt, bedeutet dies eine Zumutung für die Anwohner“, so Anliegerin Sandra Klotz verärgert. Und das für nur 700 Meter zusätzliche Tramstrecke. „Dabei verfügen wir über eine ausreichende Nahverkehrsanbindung.“ Vor Ort werden nun bereits Unterschriften gegen die Pläne gesammelt.

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Stadt München erhofft sich von neuer Tramstrecke verkürzte Fahrtzeiten zum Flughafen

Die Stadt sieht die geplante neue Linie 11 hingegen als dezentralen Anschluss des Tram-Innenstadtnetzes ins Umland und zur Flughafen-S-Bahn. So könnten die Fahrtzeiten zum Flughafen verkürzt und die ÖPNV-Knotenpunkte im Zentrum entlastet werden. Zudem könnte die Tram später weitergeführt werden und dann auch die geplanten Neubaugebiete im Münchner Nordosten erschließen.

Dafür würde die Strecke nach Fertigstellung des viergleisigen Bahnausbaus zwischen Daglfing und Johanneskirchen zusammen mit der Straße nach Osten weitergeführt. Je nachdem, ob die Bahngleise ebenerdig oder im Tunnel verlaufen, wird die Tramstrecke entweder unter den Bahngleisen hindurch oder ebenerdig über den Bahntunnel weitergeführt. Die Tram-Verlängerung ist also abhängig vom Bahn-Projekt. Die Stadt rechnet nicht mit einem Baubeginn der Bahn vor 2030.

Tram Johanneskirchen: 5000 zusätzliche Fahrgäste erwartet

Für die Tram Johanneskirchen sind täglich etwa 5000 Fahrgäste zusätzlich zur bestehenden Buslinie 50 prognostiziert. Voraussetzung ist jedoch der Abschnitt durch den Englischen Garten. Sollte der bis zur Eröffnung der Gleise in Bogenhausen nicht fertig sein, bleibt es bei der bisherigen Linienführung durch die Müllerstraße. Dann würde die Linie 16 als neue Volllinie abgezweigt werden. Die Linie 17 würde unverändert nach St. Emmeram verkehren.

Das Planfeststellungsverfahren für Johanneskirchen soll nach Beschluss im Stadtrat bereits diesen Herbst eingereicht werden. Die Vorab-Baumaßnahmen für Fernwärme und Wasser sind für Herbst 2023 geplant, die übrigen Baumaßnahmen sollen ein Jahr später starten. Die Bauzeit beträgt etwa ein Jahr, die Tram könnte dann ab 2025/26 fahren.

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