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Tram Nordtangente: Radler und Fahrgastverband kritisieren Pläne - „Mobilitätswende nicht ernst gemeint“

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Von: Sascha Karowski

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Vertreter des ADFC und des Fahrgastverbandes Pro Bahn demonstrieren auf der Leopoldstraße für ein Rasengleis.
Vertreter des ADFC und des Fahrgastverbandes Pro Bahn demonstrieren auf der Leopoldstraße für ein Rasengleis. © Marcus Schlaf

Der ADFC und der Fahrgastverband Pro Bahn kritisieren die Planungen für den Abschnitt der Tram Nordtangente durch die Leopoldstraße als wenig zielführend. Am Montag hatten sie zur Demo geladen.

München - Nächster Halt: Ärger! Die Pläne für die Tram-Nordtangente sorgen für kontroverse Debatten. Der Fahrgastverband Pro Bahn und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) haben am Montag sogar eine Demonstration auf der Leopoldstraße veranstaltet. Der Stadtrat soll am Mittwoch entscheiden, wie hier in Zukunft die Tram fahren soll.

Die Verbände kritisieren, die Pläne seien unzureichend, widersprächen teilweise den Zielen der Verkehrswende und des Klimaschutzes. Ferner würde erneut die Leistungsfähigkeit für den Autoverkehr in den Vordergrund gerückt.

Tram Nordtangente: Leopoldstraße soll eigenes Rasengleis bekommen

Im Detail bemängelt der ADFC, dass der Umbau der Franz-Joseph-Straße an der Kreuzung zur Leopoldstraße erneut gefährliche Radlstreifen in der Mitte und viel zu schmale Radwege schaffe. Der Fahrgastverband erhebt außerdem den Vorwurf, dass die Tram in der Leopoldstraße keine eigenen Gleise bekommen soll, obwohl dort erhebliche Staugefahr bestehe. Beide Punkte würden mit möglichen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes für den Autoverkehr begründet. Dies widerspreche jedoch den städtischen Zielen zum Radentscheid, Klimaschutz, Vision Zero, der neuen Mobilitätsstrategie 2035 und zur Verkehrswende.

„Radentscheid und Kommunalwahl haben klar gezeigt, dass die Münchner die Verkehrswende wollen“, sagt -ADFC-Chef Andreas Schön. „Das steht auch so in den Wahlprogrammen aller Regierungsparteien und vielen wohlfeilen Stadtratsbeschlüssen. Die Realität und die konkreten Planungen zeigen leider erneut, dass die Bekenntnisse zur Mobilitätswende nicht ernst gemeint sind.“
Ein Rasengleis als grünes Band in Mittellage wäre besser geeignet und ein wichtiger Bestandteil eines attraktiven Boulevards Leopoldstraße, sagt Pro Bahn-Sprecher Andreas Barth. „Zugleich entsiegelt das Rasengleis die Asphaltfläche und ist damit eine Anpassung an die steigenden Temperaturen durch die Klimakrise.“

Tram Nordtangente: Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher lehnt ein Rasengleis ab

Bei dem Radweg sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, sagt Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. Ein Rasengleis schließt der Verkehrspolitiker allerdings aus. „Das kann am Ende nicht vom Bus befahren werden.“ Außerdem: „Wenn wir jetzt entscheiden, dass Auto und Tram sich Spuren teilen müssen, können wir das hinterher immer noch ändern, falls das nicht klappt.“

Die Kritik des ADFC kann SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl nicht nachvollziehen. „Mit der Tram in der Leopoldstraße entstehen sechs Meter breite Radwege. Wir brauchen den Trambahn-Ausbau, um unsere Umweltziele in der Stadt zu erreichen.“

Für ein Abwarten indes plädiert die CSU. Denn: Es sei noch gar nicht klar, ob die Tram durch den Englischen Garten als Teil der Nordtangente gebaut werden kann. „Grün-Rot will jetzt den ersten Abschnitt der Nordtangente beschließen, ohne überhaupt zu wissen, ob der zweite Abschnitt kommen kann“, sagt CSU-Chef Manuel Pretzl. „Das lehnen wir ab. Außerdem nehmen wir die Sorgen der Schwabinger Bevölkerung sehr ernst. Eine Tram über die Leopoldstraße würde den Charakter dieser Prachtmeile nachhaltig verändern.“

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