Der Meistermacher

München trauert um Maazel - auch der FC Bayern

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Lorin Maazel ist tot.

München - Pultstar Lorin Maazel ist im Alter von 84 Jahren gestorben. München trauert - auch der FC Bayern, wie Karl-Heinz Rummenigge mitteilte. 

Lorin Maazel nannte das Handwerk: die Kunst, jeden Musiker sicher durch auch noch so turbulente musikalische Fahrwasser zu führen. Keinen Einsatz zu verpassen, mit größter Übersicht und Präzision zu agieren – dabei alles aus dem Handgelenk „schütteln“ zu können mit knappen, eindeutigen Gesten.

Oft wurde dem am Samstag an den Folgen einer Lungenentzündung verstorbenen US-amerikanischen Stardirigenten zum Vorwurf gemacht, zu kühl und analytisch zu dirigieren, zu sachlich und unsinnlich. Das traf auf so manches Konzert seiner Zeit als Chef der BR-Symphoniker zu, denen der 84-Jährige von 1993 bis 2002 vorstand. Allerdings: Als Chef der Münchner Philharmoniker zeigte er eine späte, neue Seite: den warm musizierenden, bei aller technischen Perfektion betörend sinnlichen Pultstar. Maazel war der einzige Dirigent seit Celibidache, der das Münchner Orchester wirklich voranbrachte. Er war ein Meister – und er konnte die Philis zu meisterhaften Leistungen führen.

Das Orchester ehrt seinen im Juni zurückgetretenen Chef: „Wir sind ihm unendlich dankbar für die Zeit, die er unser Chef war. Er hat uns mit seinem Wissen, seiner Präzision und seinem Wesen sehr geprägt. Lorin Maazels Tod ist ein unglaublich großer Verlust“, schreiben die Münchner Philharmoniker.

Die Musikwelt verneigt sich vor einem der Größten seiner Zunft. Sein Kollege und Nachfolger beim BR-Symphonieorchester, Mariss Jansons (71), kondoliert: „Die Nachricht vom Tod Lorin Maazels hat mich schockiert. Ich bin tief getroffen und sehr traurig. Es verbindet mich so viel mit Lorin – nicht nur, dass ich ihm beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks nachfolgte. 2003 übernahm ich ein wohlgeformtes und exzellentes Orchester, welches er über Jahre hinweg mit seiner Persönlichkeit und seinem Ausnahmetalent geprägt hatte. Die Gespräche mit ihm waren stets eine große Bereicherung. Er war uns Musikern ein Vorbild und wird es immer bleiben.“

Der Orchestervorstand des BR betont, dass Maazel jede Symphonie auswendig dirigierte und vor allem die zyklischen Aufführungen der Symphonien von Beethoven, Schubert, Brahms, Bruckner und Mahler unvergessen sind und bleiben.

Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers würdigt Maazel als „einzigartigen Dirigenten, Musiker und Impresario, aber vor allem auch besonderen Menschen“ mit „unverwechselbarem Charisma“. Die Philharmoniker verlören „in einer entscheidenden Zeit einen verlässlichen Partner und einen künstlerischen Kompass, ja sogar einen Freund“.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) spricht von einem „Schock für das Orchester“, als Maazel vor wenigen Wochen wegen seiner angeschlagenen Gesundheit als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker zurückgetreten war. „Alle hofften auf eine baldige Genesung und seine Rückkehr ans Pult – vergebens. War er doch ein von allen bewunderter und respektierter Maestro, einer, der den Musikern Sicherheit gab und sie zu ungeahnten künstlerischen Höhen zu führen verstand. Ein Virtuose, der sich auch den Herausforderungen schwierigster Partituren mit Bravour stellte (…).“

BR-Intendant Ulrich Wilhelm lobt den „leidenschaftlichen Perfektionisten“ Maazel. BR-Klassik ändert zu Ehren des verstorbenen Pultstars sein Programm und sendet heute von 18.05 bis 20 Uhr einen Konzertabend Maazels (Strauss, Strawinsky, Ravel, Schostakowitsch, Mahler) am Samstag von 14.05 bis 16 Uhr ein Porträt des Maestro.

Matthias Bieber

Der Maestro als FCB-Fan

So akribisch Lorin Maazel auch arbeitete, er konnte auch ein handfester Showman sein. Vorm Champions-League-Finale 2013 gegen Borussia Dormund warf er sich ins Bayern-Trikot – zusammen mit etlichen Musikern seiner Münchner Philharmoniker und des Chors – und dirigierte seine Version der Vereinshymne Stern des Südens. Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge teilte am Montag mit, dass „die Musik einen ihrer größten Stars und der FC Bayern einen Freund verloren“ habe.

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