1. tz
  2. München
  3. Stadt

Trickbetrüger am Telefon: Münchner Seniorin (73) legte die Gangster rein - Sie wendete einen Trick an

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Andreas Thieme

Kommentare

Betrüger am Telefon: Bis zu 600 Anrufe täglich gibt es in München
Betrüger am Telefon: Im Jahr 2020 lag der Schaden durch organisierte Callcenter-Banden in München bei 4,6 Millionen Euro © Shutterstock

Bis zu 600 mal rufen Betrüger täglich in München an, um Senioren abzuzocken. Sie geben sich als Polizisten aus und fordern Rentner auf, Wertsachen herauszugeben. Doch Therese A. (73) war schlauer: Sie legte die Gangster in Bogenhausen aufs Kreuz.

Ihr Ehemann ist kürzlich verstorben, Therese A. (73) ist in Trauer. Trotzdem sagte sie am Mittwoch vor dem Landgericht aus – und legte einen beeindruckenden Auftritt hin. Denn die Münchner Seniorin hat im August 2020 eine Bande von Trickbetrügern am Telefon abgeschüttelt – und half sogar mit, dass sie festgenommen werden konnten. Vor Gericht traf sie gestern auf die Täter.

Gestützt von ihrer Tochter betrat Therese A. den Saal B177. „Das Ganze war bilderbuchmäßig“, sagte die Seniorin aus. Die Masche der Betrüger kannte sie schon: „Eine Frau war am Telefon, angeblich von der Kriminalpolizei. Sie sagte, in meiner unmittelbaren Nachbarschaft habe es Einbrüche gegeben, doch nicht alle Täter wurden gefasst. Angeblich sei ich in großer Gefahr.“

München: Betrügerbanden haben mehr als vier Millionen Euro erbeutet

In etwa so fangen sie an: Die Lügen-Geschichten von organisierten Betrügerbanden, die meist von der Türkei aus in München anrufen. Gezielt wählen sie althergebrachte Vornamen im Telefonbuch aus und versuchen, Rentner wie Therese A. abzuzocken. Sie werden aufgefordert, ihre Wertsachen in einer Tasche vor die Tür zu legen – ein Beamter komme dann vorbei, um alles zu sichern. In Wahrheit eine dreiste Lüge! Rund 4,6 Millionen Euro betrug der Schaden durch „falsche Polizisten“ allein im Jahr 2020.

Die drei Betrüger auf der Anklagebank: Reuig verdecken sie ihr Gesicht
Die drei Betrüger auf der Anklagebank: Reuig verdecken sie ihr Gesicht © SIGI JANTZ

Zahlen wie diese zeigen: Noch immer kennen nicht alle Bürger die Betrüger-Masche. „Erst war eine Sekretärin in der Leitung, dann eine Sachbearbeiterin und später der Chef“, sagt Therese A. „Die Anrufer waren sehr professionell. Man hat gemerkt, dass sie ganz genau überprüfen, ob es sich lohnt, bei mir vorbeizukommen.“ Am Telefon wendete die Seniorin dann einen Trick an: Sie gab frei erfunden an, dass sie 17 800 Euro Bargeld zu Hause hat, dazu Goldmünzen und Schmuck. „Das sollte die Täter anlocken.“

Zugriff im Münchner Stadtteil Bogenhausen: Polizei schnappte die Betrüger an der Haustür

Ein Abholer war bereits unterwegs zu der Seniorin nach Bogenhausen – doch heimlich wählte sie nebenbei vom Handy aus den Notruf. „Vor die Tür stellte ich wie vereinbart eine Tasche. Doch hinein packte ich Müllstatt die Wertsachen.“ Als die Täter die Tasche abholen wollten, nahm ein Polizeikommando sie noch an der Haustür fest.

Gerade 19 Jahre alt ist der jüngste Täter, seine Komplizen 22 und 24 Jahre. Über Strafverteidiger Nicolas Frühsorger entschuldigten sich die Täter sich gestern bei Therese A., die ihnen im Stile einer echten Dame „alles Gute“ wünschte – für den weiteren Lebensweg. Angst? Habe sie nie verspürt. „Nur Aufregung. Denn ich wollte mithelfen, diese Burschen zu fassen, und hoffe, dass jetzt auch die Hintermänner verhaftet werden können.“ Das Urteil soll am 28. Oktober fallen.

Justizminister Eisenreich droht den Tätern harte Strafen an
Justizminister Eisenreich droht den Tätern harte Strafen an © Foto: Schlaf

Bayerns Justizminister schimpft: „Das ist eine schamlose und perfekt durchorganisierte Betrugsmasche“

Laut Justizminister Georg Eisenreich (50, CSU) handelt es sich bei den Falschen Polizisten um eine „skrupellose Betrugsmasche“. Allein für das Jahr 2020 habe die Staatsanwaltschaft München I insgesamt 6113 Fälle bearbeitet. Der Sachschaden in München: mehr als vier Millionen Euro. Bayernweit lag der Schaden aus 21060 Fällen sogar bei mehr als neun Millionen Euro. „Die Dunkelziffer liegt noch viel höher, da Betroffene aus Scham, Krankheit oder anhaltender Gutgläubigkeit die Tat nicht zur Anzeige bringen“, erklärt Eisenreich. Den Tätern droht der Justizminister harte Strafen an und sagt: „Die Hintermänner operieren aus Callcentern im Ausland, oftmals der Türkei oder Osteuropa. Die bayerische Justiz geht mit aller Härte gegen Callcenter-Banden vor.“

Auch interessant

Kommentare