Neuer Standort angedacht

Entsetzen bei Münchner Sportverein: Er soll verschwinden, weil Stadt plötzlich ganz andere Pläne verfolgt

Bangen um ihren Platz: (v. li.) Robert Schraudner, Josef Bichler (Vorstand) und Andreas Naase (Zweiter Vorstand) vom TSV Waldtrudering
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Bangen um ihren Platz: (v. li.) Robert Schraudner, Josef Bichler (Vorstand) und Andreas Naase (Zweiter Vorstand) vom TSV Waldtrudering.

Die Stadt will den Sportverein TSV Waldtrudering aus München ausgliedern. Denn man braucht sein Gelände für einen Park, der eine geplante Nachverdichtung aufwerten soll.

München - Als das Planungsreferat vor Kurzem in einer Online-Veranstaltung seine Ideen für die sogenannte Rahmenplanung Wasserburger Landstraße vorstellte, fiel der Vorsitzende des TSV Waldtrudering aus allen Wolken.

Eigentlich wollte Josef Bichler sich nur persönlich darüber informieren, was da in ein paar Jahren so rund um seinen Verein gebaut werden könnte, um die Zukunftsplanung des TSV entsprechend auszurichten. Dabei erfuhr er, dass der Sportplatz in einen öffentlichen Park umgewandelt werden soll. Den Sportverein – seinen Verein – wolle man an einen anderen Standort verlagern, erfuhr Bichler. Vorausgesetzt, man darf bis dahin überhaupt wieder Spiele bestreiten.

München: Ambitionierter Plan für Waldtrudering - Vorreiter für andere Stadtprojekte

Die Stadt sieht in der ersten Gebäudereihe rechts und links der fast vier Kilometer langen Wasserburger Landstraße viele Möglichkeiten für eine dichtere Bebauung. Die Planer halten nach ersten Untersuchungen fünf- bis siebenstöckige Wohnbauten sowie zwei Hochpunkte entlang der Straße für durchaus sinnvoll. Die „Rahmenplanung“ könnte Vorreiter für andere Münchner Hauptstraßen werden.

Allerdings braucht man in solch einem stark nachverdichteten Gebiet nicht nur Städtebau, sondern auch immer wieder Freiräume und Grünflächen für die Bevölkerung und für ein verträgliches Klima. Die aber gibt es derzeit kaum, zudem befinden sich nur wenige Grundstücke im Eigentum der Stadt. Einzige Ausnahme: Das Areal des TSV Waldtrudering. Der Verein hat die Fläche Ecke Rotkehlchenweg lediglich gepachtet. Die Sporthalle, die auf dem Grundstück steht, hat er aber selbst finanziert und gebaut. Es ist die größte Grünfläche in diesem Straßenabschnitt, bestehend aus dem Sportplatz und einer Bogenschießanlage mit waldartigem Altbaumbestand.

Über die Stadtgrenze hinweg soll der TSV Waldtrudering auf das Schulcampus-Gelände ziehen.

Auch Wochen nach der Veranstaltung ist Bichler noch ziemlich fassungslos. Bislang hatte vonseiten der Stadt niemand mit dem Vereinsvorstand über dieses Thema gesprochen. „Hätte ich mich nicht für diese Online-Konferenz interessiert, wüssten wir bis heute nichts“, sagt Bichler aufgebracht. Dabei musste er auch erfahren, dass die Bogensportanlage des Vereins bereits recht kurzfristig verplant wird. Der Bogenplatz liegt hinter den Fußballfeldern und soll laut städtischem Gutachten integriert werden in die östlich angrenzende Grünfläche. Dazu will die Stadt den kleinen „Rotkehlchenpark“ mit dem bislang nicht zugänglichen alten Baumbestand zusammenschalten. Langfristig aber müsse man über eine Verlagerung des Sportplatzes und die Erweiterung zu einem Quartierspark für Waldtrudering sprechen, heißt es in der Vorlage.

München: TSV Waldtrudering könnte aus der Stadt fliegen - In den Nachbar-Landkreis

Es gibt auch schon einen Standort dafür: nördlich der Bahntrasse, auf dem Schulcampus Gronsdorf. Das ist aber nicht mehr Stadtgebiet, sondern die Gemeinde Haar im Landkreis München*. Dort hätte der TSV Waldtrudering dann wohl keine eigenen Sportflächen mehr, sondern wäre nur noch Gast. Wie das genau gedacht ist, will auch die Truderinger SPD wissen, die ebenfalls in der Online-Veranstaltung von der Verlagerung der TSV-Anlage erfahren hat.

Noch ist alles nur Zukunftsmusik. Die Umgestaltung der Wasserburger Landstraße wird sicher nicht in den nächsten Jahren geschehen. Aber die Grundlagen werden jetzt festgezurrt. So hat der Stadtrat vergangenen Mittwoch als nächsten Schritt zur Umsetzung der Planungsziele den Aufstellungsbeschluss für künftige Bebauungsplanverfahren beschlossen. Empört sind Münchner Sportvereine über die UEFA, weil man bei den EM-Spielen in dieser Stadt kein leeres Stadion möchte. Dabei dürfen die meisten Fußball-Liebhaber nicht mal mit Gleichgesinnten gegen den Ball treten*.

Von Carmen Ick-Dietl

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