Stadt prüft neue U-Bahn

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So könnte der künftige MVG -Plan aussehen: Mit einer U 9-Entlastungsröhre und drei neuen Tram-Verbindungen

München - Vor einem halben Jahr war die U-Bahnverbindung von der Implerstraße zur Münchner Freiheit – ein Bypass westlich der U 6/U 3-Trasse – nur eine Idee des rot-grünen Rathausbündnisses.

Jetzt aber setzt die Koalition ihr Projekt zumindest verfahrenstechnisch schon mal aufs Gleis. Gegen die Stimmen von CSU und FDP gab das Bündnis eine Prüfung der neuen „U 9“-Röhre in Auftrag. Die Münchner Verkehrsbetriebe ( MVG ) begrüßten den Vorstoß: Dass sich die Belastung des U-Bahnsystems gerade in der Innenstadt stetig verstärke und gerade auf den Linien U 3/6 die Kapazitätsgrenzen schon erreicht sind, ist kein Geheimnis. 480 Millionen Fahrgäste zählt der MVV jedes Jahr – Tendenz steigend.

Wie sieht die Siedlungsentwicklung bis weit über den bisherigen Planungshorizont 2025 hinaus aus? Wo wird gebaut? Wieviele Einwohner werden hinzukommen? Diese Eckwerte müssen als Erstes ermittelt werden. Parallel dazu sollen die Bedingungen der vorhandenen Bahnhöfe geprüft werden. Um die optimale Trassenführung zu finden, müssten auch „bisher nicht betrachtete Nutzungsänderungen etwa im Bereich Großmarkthalle/Südbahnhof beleuchtet werden“. Alles in allem zeitintensive Arbeiten.

Deshalb drängte SPD -Fraktionschef Alexander Reissl auch aufs Tempo: „Die Sache erlaubt keinen Verzug.“ Die CSU wollte warten, bis die Entscheidung S-Bahnstammstrecke II bzw. Südring gefallen ist. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Christsozialen, Manuel Pretzl: „Das hat doch erhebliche Auswirkungen.“ Als U-Bahn freundliche Partei hätte die CSU der Prüfung vielleicht auch zugestimmt, sagte Stadtrat Richard Quaas: „Aber es ist ja wieder so ein Paketantrag, in dem auch Tramlinien enthalten sind – wir sind da vorsichtig.“

Die von Quaas angesprochenen Straßenbahnprojekte: Die Westtangente (von der CSU seit jeher für überflüssig gehalten) vom Romanplatz über Laim und die Fürstenrieder zur Aidenbachstraße. Die MVG will schon Ende 2009 eine Studie mit Vorplanungscharakter erstellen. 2012 könnte das Genehmigungsverfahren beginnen. Tram Pasing-Freiham – von der CSU ebenfalls abgelehnt, sie will eine U-Bahn: Die MVG hat für die Straßenbahn inzwischen eine Trasse nach Freiham-Nord gefunden, die hauptsächlich über städtischen Grund führt. Zwar wohnt dort draußen momentan noch niemand – ganz besiedelt wird der 20 000-Einwohner-Stadtteil erst 2030 sein – aber die Trasse müsse freigehalten werden. Tram 23 von der Parkstadt Schwabing weiter zum künftigen Quartier Bayernkaserne. Für die Wirtschaftlichkeit einer Tram müssen die Einwohnerdichten in den künftigen Siedlungsgebieten untersucht werden.

Die MVG sieht auch einen Streckenast der Linie 23 zum Kieferngarten (U 6)und einen zum U-Bahnhalt Am Hart (U 2) als „verkehrlich sinnvoll und möglich“ an. Da würde auch die CSU mitziehen – solange es nicht zu Einschränkungen des Individualverkehrs führt.

Barbara Wimmer

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