1.1 Millionen Euro versteckt

Rijad K. gesteht Raub auf Geldtransporter - wo ist die Beute?

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In Handschellen betrat Rijad K. (27) am Montag beim zweiten Prozesstag den Saal A 229 am Landgericht. 

Der kriminelle Coup mitten im Münchner Stadtteil Blumenau klappte wie geschmiert. Nun steht der Geldtransporter-Fahrer Rijad K. vor Gericht. Von der Millionenbeute fehlt noch jede Spur.   

München - Eigentlich wollte Rijad K., der Geldtransporter-Räuber aus der Blumenau, am Montag verraten, wo er die rund 1,1 Millionen Euro versteckt hält. Doch damit wird er wohl erst in zwei Wochen herausrücken. 

Der 27-jährige Serbe, dem die Richter eine mildere Strafe bei einem vollen Geständnis in Aussicht stellten, fährt mit seinen Anwälten eine seltsame Hinhaltetaktik. Immerhin gestand K. am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht, dass er den Transporter am 24. August 2017 entführt, die Geldkassetten umgeladen und die Flucht nach Serbien angetreten hatte. Angeblich aus purer Verzweiflung.

Geldtransporter-Raub: Das ist das Motiv von Rijad K.

„Ich hatte mir über Jahre hinweg immer wieder Geld von Bekannten geliehen“, ließ Rijad K. über seine Verteidigerin Adrijana Blazevska verlesen. 70.000 Euro Schulden habe er bei unangenehmen Typen gehabt. „Sie machten mir großen Druck. Ich konnte nicht zurückzahlen. Was ich hatte, verzockte ich in Spielhallen. Am Ende konnte ich mir nicht mal mehr die Miete für meine Pension leisten.“ Das Gehalt, das der Leiharbeiter als Fahrer von Geldtransportern bei der Sicherheitsfirma Prosegur kassierte, reichte hinten und vorne nicht.

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K. drückte weiter auf die Tränendrüse. Die Idee, er könne den Geldtransporter entführen, sei ihm an einem Abend mit viel Alkohol gekommen. Weil er wusste, dass seine beiden Kollegen, Geldbote Paul F. (24) und Geldsicherer Simon G. (41), einige Vorschriften beim Entladen der Geldkassetten missachteten, traute sich K. den Millionen-Coup alleine zu. Denn die Männer, mit denen er regelmäßig auf Tour war, machten einen fatalen Fehler. Eigentlich kann der Tresor nur mit einer Chipkarte geöffnet werden, die entweder Paul F. oder Simon G. bei sich haben. Laut Vorschrift von Prosegur muss diese Karte immer am Körper getragen werden. Doch K.s Kollegen ließen sie ständig im Wagen zurück.

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Was passierte am 24. August 2017 genau?

Als die beiden am Tattag um 8.25 Uhr den Transporter an der Sparkasse in der Blumenau verließen, nutzte Rijad K. seine Chance. Vor Gericht sagte er: „Es war nicht geplant, dass ich es an diesem Tag mache. Ich hatte meine Badehose dabei, weil ich nach der Arbeit schwimmen gehen wollte.“ Ein spontaner Millionen-Raub?

Schwer vorstellbar. Denn als K. mit dem Geldtransporter von der Blumenauer Straße davonraste, hatte er seinen Komplizen bereits via Handy über seine Absichten informiert. Nur Minuten später traf sein Freund an der nur 500 Meter entfernten Rolf-Pinegger-Straße mit seinem Auto ein. K. parkte den gelben Transporter an einer Feuerwehrzufahrt. Reifenspuren im Rasen zeugten noch am Tag danach davon. K. nimmt seinen Komplizen, der inzwischen ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt, aus der Schusslinie: „Er ist kein Mittäter. Er war nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich habe ihn wegen seines Autos gebraucht. Die Geldkassetten hat er nicht einmal angefasst.“ K. habe den Schließmechanismus mithilfe eines einfachen Gummibands und der Chipkarte seiner Kollegen problemlos selbst überwinden können.

Wo ist die Millionen-Beute versteckt?

Von der Höhe der Beute will K. erst aus den Medien erfahren haben. Er sagte aus: „Ich war geschockt, dass es so viel Geld war. Danach habe ich mich geschämt.“ Die Scham war offenbar nicht so groß. Er gestand, er habe sich mit der Beute in Serbien „ein neues Leben aufbauen wollen“.

Umso verwunderlicher ist allerdings, dass von den 1,1 Millionen Euro seit der Tat jede Spur fehlt. Bei seiner Festnahme im ungarischen Ort Bácsalmás hatte Rijad K. das Geld nicht dabei. Das Millionen-Rätsel bleibt also vorerst ungelöst.

Es war ein groß angelegter Diebstahl, mitten in der Stadt: Am 24. August 2017 kaperte Rijad K. einen Geldtransporter in Laim und machte sich aus dem Staub.

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