70 Kameras in einem Laden!

So überwacht ist die Fußgängerzone

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Bitte lächeln! In den Geschäften hängen bis zu 70 Kameras

München - Die Fußgängerzone in München wird von unzähligen Kameras überwacht. Allein in einem Laden sind bis zu 70 dieser Geräte installiert. Einige davon speichern ihre Bilder bis zu zwei Wochen lang.

Bitte lächeln, Sie werden gefilmt! Wer in der Fußgängerzone zum Einkaufen geht, der landet im Visier von Videokameras in den Geschäften – dank Langfinger und Randalierer. Aber müssen auch arglose Passanten eine Überwachung fürchten? Das Landesamt für Datenschutzaufsicht hat 27 Läden in der Fußgängerzone geprüft und keine „gravierenden Verstöße“, aber „Unzulänglichkeiten“ festgestellt.

Allein das Ausmaß erstaunt: In den 27 Läden unterschiedlicher Größe hängen je vier bis 70 Kameras! Dazu kommen etliche Attrappen, manche Chefs setzen sogar ganz auf falsche Geräte, weil allein die schon abschrecken. Die Überwachung filmt vor allem auf die Kassen, in schwer einsehbare Winkel und auf besonders teure Ware. Kameras in Umkleiden oder gar Toi­letten fanden die Datenschützer nicht. Auch die Mitarbeiter würden nicht gezielt ausgespäht, sagt Landesamts-Präsident Thomas Kranig. Allerdings prüften die Datenschützer die Häuser anhand derer eigenen Angaben. Vor Ort kontrollierten sie nur vier Geschäfte.

"Wir brauchen die Kameras zur Abschreckung und Aufdeckung"

Manch eines nahm es mit den Passanten nicht ganz genau: Bei einer Handvoll Unternehmen tappten auch Spaziergänger draußen in die Foto-Falle! Die Läden mussten die Einstellung ihrer Kameras etwas mehr auf das Geschäft fokussieren. Bußgelder gab es nicht. Von einer flächendeckenden Überwachung der Fußgängerzone könne keine Rede sein. Manch eine vermeintliche Kamera, die im Eingangsbereich hängt und weit nach draußen zu filmen scheint, entpuppte sich als Kundenzähler, der gar keine Bilder schießen kann…

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„Auf unseren Aufnahmen sind keine Passanten zu sehen“, betont auch Hans-Jürgen Gladasch, Geschäftsführer des Karstadt am Bahnhof. „Wir haben die Kameras in den Teilen des Geschäfts, in denen die Diebstahlhäufigkeit groß ist.“ Oder wo die Bestecke für 2500 Euro zahlungsunwillige Kunden anziehen. Wichtiger seien aber Warensicherung und Hausdetektive. „Wir brauchen die Kameras zur Abschreckung und Aufdeckung.“ Darum seien die Geräte auch im ganzen Haus groß beschildert. Selbst Läden, in denen nur Attrappen hängen, kleben sich die Hinweise gerne an die Tür.

Manche Läden löschen die Bilder aber erst nach zwei Wochen

Probleme hatte Datenschutz-Präsident Kranig aber mit der Speicherdauer der Bilder: Er hält eine Frist von drei Tagen für gerechtfertigt. Manche Läden löschen die Bilder aber erst nach zwei Wochen. Sie müssen das noch besser begründen, sonst verpasst er ihnen eine Anordnung!

David Costanzo

Wer darf wo filmen? Das ist die Rechtslage:

Private Stellen dürfen nur per Video überwachen, wenn sie damit das Hausrecht oder andere Interessen wahren können und dabei nicht zu stark in die Rechte von Kunden und Angestellten eingreifen. Darum sind Geräte in Toiletten tabu. Nach draußen dürfen Private nur filmen, um die Fassade zu überwachen, zulässig ist etwa ein Meter. Außerdem müssen die Bilder nur geschützt, gespeichert und gelöscht werden, sobald sie nicht mehr benötigt werden.

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