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Skandal in Giesing: Bezahlte Eigentümer einen Bauarbeiter dafür, das Uhrmacherhäusl abzureißen? „Sündenbock“

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Von: Andreas Thieme

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Cüneyt C. (51) soll das Uhrmacherhäusl im Auftrag von Käufer Andreas S. (44, rechts) abgerissen haben
Cüneyt C. (51) soll das Uhrmacherhäusl im Auftrag von Käufer Andreas S. (44, rechts) abgerissen haben © SIGI JANTZ

Panne oder perfider Plan? Das ist die große Frage rund um den Abriss des Giesinger Uhrmacherhäusl. Seit gestern steht Eigentümer Andreas S. (44) vor Gericht, der einen mitangeklagten Bauunternehmer beauftragt haben soll, die Mauern einzureißen. Beiden droht sogar Haft.

München - Sein Grinsen ist gewichen! Denn jetzt wird es für Andreas S. (44) richtig ernst: Vor dem Amtsgericht wird ihm seit gestern der Prozess gemacht. Dem Eigentümer des Uhrmacherhäusl wirft die Staatsanwaltschaft Nötigung vor: Er soll einen Bauunternehmer beauftragt haben, das denkmalgeschützte Haus 2017 mit einem Bagger absichtlich zu zerstören, damit es danach abgerissen werden kann.

Laut Anklage sollte „hierbei für Dritte der Eindruck entstehen, dass das bauliche Vorgehen ein Versehen war.“ Es ist ein Vorfall, der selbst Oberbürgermeister Dieter Reiter wütend macht - er warf Andreas S. mehrfach Profitgier vor und sprach sich für den Wiederaufbau des Uhrmacherhäusl in der Feldmüllersiedlung aus. Diesen hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof voriges Jahr auch angeordnet, doch bis heute klafft in der Oberen Grasstraße noch eine Lücke.

Fakt ist: Bislang hatte der illegale Abriss kaum Konsequenzen. Erst 57 Monate und ein Tag später begann nun der Strafprozess. Andreas S. drohen wegen Nötigung bis zu drei Jahre Knast! Doch er bestreitet die Vorwürfe der Anklage. Über seine Anwälte Maximilian Müller und Florian Opper ließ S. nun verkünden: „Es hat keinen Auftrag zum Abriss gegeben.“ Die Verteidiger rügten, Andreas S. werde „zum Sündenbock“ für die Gentrifizierung in München gemacht. Der Angeklagte sei aber „kein Immobilienhai, sondern erwarb das Uhrmacherhäusl, um nach Sanierung selbst einzuziehen.“

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München: Baggerfahrer riss das Uhrmacherhäusl im September 2017 illegal ab

Der Abriss sei „ein Unfall“ gewesen, behauptet Andreas S. Er kaufte das Giesinger Grundstück im Frühsommer 2016 für 650000 Euro. Anschließend beauftragte er den mitangeklagten Bauunternehmer Cüneyt C. (51) mit der Sanierung des Hauses, was die Stadt Ende Juli 2017 auch genehmigte. „Es war ein lukrativer Auftrag“, schilderte C., dessen Firma in der Krise steckte - 1250 Euro pro Quadratmeter zahlte Andreas S. Doch beim Ablauf der Sanierung gab es Chaos.

Der Abriss des Uhrmacherhäusls sorgte für jede Menge Ärger.
Der Abriss des Uhrmacherhäusls sorgte für jede Menge Ärger. © Archiv

München: Abriss des Giesinger Uhrmacherhäusl

Denn die Baufirma hatte zeitgleich Aufträge in Stuttgart und München, die Frau von Cüneyt C. wies die Bauarbeiter an, „doch es gab Sprachprobleme“, schildert C. Am 31.8.2018 riss ein Bauarbeiter dann mit der Baggerschaufel ein Loch in das Uhrmacherhäusl - und flüchtete, als Anwohner die Polizei riefen. Tags drauf machte Cüneyt C. das Haus vollends platt. Und sagt im Nachhinein: „Es war ein Fehler, der mir sehr leid tut.“

Er litt 2017 unter psychischen Problemen und laut S. „ganz allein“ für den Abriss verantwortlich. Heraus kam gestern aber auch, wie der Eigentümer die Mietern rausekelte: Erst wurden Wasser und Strom abgestellt, dann Ziegel verrückt, so dass es reinregnete. Das Haus wurde unbewohnbar, später abgerissen. Plan oder Panne? Das Urteil soll im Juli fallen.

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