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Ukraine-Krieg: Könnten die Münchner Bunker reaktiviert werden? „Thema völlig unterm Radar geblieben“

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Von: Leonie Hudelmaier

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40 Hochbunker prägen das Stadtbild der Landeshauptstadt .
40 Hochbunker prägen das Stadtbild der Landeshauptstadt. © Marcus Schlaf

Der Ukraine-Krieg rüttelt in Deutschland alte Ängste wach. Und plötzlich stellt sich die Frage: Brauchen wir in München wieder Bunker?

München - „Die Realität holt uns jetzt wieder ein“, bestätigt auch der bayerische Bauminister Christian Bernreiter gegenüber „Bild“. Der CSU-Politiker will deswegen über Zuschüsse für kriegssichere Tiefgaragen nachdenken. In Bayern gibt es von ehemals 492 noch rund 159 öffentliche Schutzräume, wie das Bayerische Bauministerium auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. Diese befinden sich im Eigentum von Bund, Freistaat, Kommunen oder Privaten, jedoch gibt es keine Vorgaben mehr, diese übrigen Bunker zu warten oder zu betreuen.

Ukraine-Konflikt: Braucht Bayern wieder Bunker? Aktuell elf Schutzanlagen in München

Denn in Deutschland gibt es seit 2007 nach Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe keine öffentlichen Schutzräume wie etwa Luftschutzbunker mehr. Mit der „Beendigung des Ost-West-Konflikts schien das Szenario eines konventionellen Krieges mit großflächigen Bombardierungen und dem Einsatz chemischer und nuklearer Waffen nicht mehr zeitgemäß“, schreibt das Bundesamt auf seiner Webseite.

München zählt eine Vielzahl von Bunkern. Etwa 40 Hochbunker prägen das Münchner Stadtbild. Und 27 ehemalige Tiefbunker zählt das Forschungsprojekt „Bunkerfreunde München“ in seiner Datenbank. Die Eingänge sind teilweise gut versteckt, wie etwa im Nymphenburger Schlosspark, in der Tiefgarage der Hochschule München, an der Lothstraße oder unter dem Hauptbahnhof in der Bayerstraße. Doch dabei handelt es nicht immer um offizielle Schutzräume. Teilweise sind dort Museen, Vereine und in Hochbunkern kommen sogar Privatpersonen oder Hotelgäste unter.

Die Landeshauptstadt München betreibt momentan 16 Schutzanlagen für den Zivilschutz, wie es von der zuständigen Branddirektion München heißt.

München: Ukraine-Krieg heizt Bunker-Diskussion an - „Thema völlig unterm Radar geblieben“

Könnten die anderen Bunker dann theoretisch reaktiviert werden? Im Gespräch mit unserer Zeitung schätzt der Bunkerexperte Jörg Diester, dass in Deutschland bei einer Reaktivierung der Bunker gerade mal eine Schutzraumquote von 0,3 Prozent möglich wäre. Bis vor Kurzem sei „das Thema völlig unterm Radar geblieben“. Zudem sei dies mit einem enormen Kosten- und Zeitaufwand verbunden.

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Bei vielen stillgelegten Bunkern stehe man „quasi bei null“, so Diester. Für die Reaktivierung muss die Belüftung sichergestellt werden, Pumpen und Filter müssen ausgetauscht werden und die Notstromerzeugung sowie Wasserversorgung muss geprüft werden. Diester selbst besuchte bereits rund 150 Bunker. Er weiß: „Bunker sind alles andere als luxuriös.“

Im Ernstfall rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz dazu, unterirdische Gebäudeteile wie etwa U-Bahn-Stationen aufzusuchen. (LEONIE HUDELMAIER)

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